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Impfmüdigkeit durchs Internet

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(idw). Am ersten März-Wochenende fand in Mainz in Folge der Gesundheitsministerkonferenz die erste Nationale Impfkonferenz statt. Die Tagung verfolgte das Ziel, Konzepte für die Umsetzung und Erfolgskontrolle von Präventionsmaßnahmen zu diskutieren. Auf großes Interesse stieß dabei eine Studie von Erfurter Wissenschaftlern, die mit dem Posterpreis der Konferenz geehrt wurde: Die Weltgesundheitsorganisation WHO kritisiert in Deutschland eine allgemeine Impfmüdigkeit. Präventionsziele, beispielsweise die Ausrottung der Masern bis 2010 in Europa, sind nicht unwesentlich durch deutsche Impfgegner bedroht. Besonders in Internet werden kontroverse Diskussionen zu Impfrisiken geführt. Die Wissenschaftler vom Zentrum zur empirischen Analyse gesellschaftlich relevanter Fragestellungen aus dem Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften (CEREB) der Universität Erfurt haben in einer Studie den Zusammenhang von Impfkritik im Internet und Impfverhalten untersucht. Das Internet ist ein verfügbares, immer häufiger auch zur Suche nach medizinischen Informationen genutztes Medium. Verschiedene Publikationen machen u.a. das Internet für einen Rückgang von Impfquoten verantwortlich. Daher sollte in dieser Studie untersucht werden, inwiefern der Besuch impfkritischer Internetseiten die Wahrnehmung von Risiken des Impfens und des Nicht-Impfens beeinflusst. Über einen Zeitraum von einem Monat wurde eine Online-Studie durchgeführt, bei der über 300 Probanden impfkritische und neutrale Kontrollseiten besuchten. Anschließend wurde die Risikowahrnehmung und Impfintention der Teilnehmer erfasst. Die Psychologen Dr. Cornelia Betsch, Dr. Frank Renkewitz, Professor Tilmann Betsch und Corina Ulshofer kommen zu dem Schluss, dass bereits eine kurze Suche auf impfkritischen Seiten im Internet zu einer erheblichen Veränderung in der Risikowahrnehmung führen kann. Besonders persönliche Elternberichte über (angebliche) negative Folgen des Impfens, wie man sie in Internetforen oder auf impfkritischen Seiten finden kann, beeinflussen die Risikowahrnehmung. "Die Intention, dem eigenen Kind vier der empfohlenen Impfungen zukommen zu lassen (sechsfach, MMR, Windpocken, Meningokokken), sanken nach der Suche auf der impfkritischen Seite signifikant ab", so Dr. Cornelia Betsch. Ihre psychologisch und methodisch fundierte Grundlagen- und Anwendungsforschung will die Gruppe fortsetzen, um der aktuellen Tendenz zur Impfmüdigkeit entgegenzuwirken. Zur Durchführung gemeinsamer Forschungsvorhaben suchen sie nach Partnern.
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