Übergewicht, Rauchen oder Saufen – was ist das schädlichste Laster?
6:30 Uhr, der Wecker klingelt.
Fünf Stunden Schlaf waren mal wieder viel zu wenig. Schnell unter die
Dusche, einen starken Kaffee trinken und dann los ins Büro. Nach
stressigen vier Stunden Arbeit geht es zum Mittagessen. Eine Portion Fast Food
muss reichen. In 15 Minuten werden hastig 1500 kcal in den Verdauungsapparat
befördert. Zeit ist schließlich Geld, deshalb geht’s sofort
wieder zum Schreibtisch, wo ab und zu mal ein heißer Kaffee und ein
saftiger Donut den Gaumen erfreuen. Um die Lungenbläschen von innen mal
wieder neu auszukleiden, bietet sich der entspannte Zug an der Zigarette an.
Nach einem langen Arbeitstag fehlt am Abend die Lust zum Kochen und der Weg
führt beim Italiener vorbei, wo eine große leckere Pizza mit extra
viel Käse nur drauf wartet, in einen hungrigen Magen zu wandern. Zum
erholsamen Abschluss des Tages dürfen es dann noch ein paar Gläser
Rotwein vor dem Fernseher sein. Dabei werden die letzten Zigaretten der morgens
geöffneten Schachtel inhaliert.
Sport? No way, der Tag war schließlich anstrengend genug! Wenn dieses zugegebenermaßen übertriebene Beipiel auch nicht gerade den Normalfall charakterisiert, so sind sich die Experten größtenteils einig:
Der Mensch der modernen
(Wohlstands-)Gesellschaft lebt zu ungesund. Wer kommt schon völlig ohne
Laster aus? Rauchen, Trinken und Übergewicht zählen seit jeher zu den
Klassikern und zählen auch heute noch zu den beliebtesten Lastern. Doch
wie ungesund sind sie wirklich? Was ist schlimmer, ein dicker Bauch oder
täglicher Alkoholgenuss? Die Ernährungsexperten von D.I.E.T. haben
sich dieser Frage angenähert und die beliebtesten ungesunden
Verhaltensweisen genauer unter die Lupe genommen.
Schweres Übergewicht macht krank, stellt Klaudia Pütz, Ernährungsmedizinische Beraterin vom Deutschen Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen fest. Wer einen Body-Mass-Index über 35 hatte, hatte gleichzeitig doppelt so viele chronische Krankheiten wie Normalgewichtige. Im Vergleich dazu erhöhte sich die Rate an chronischen Krankheiten bei weiblichen Rauchern nur um 40 Prozent und bei Männern um 30 Prozent. Die Lebensmittelindustrie lässt nichts unversucht, um Genussimpulse zu wecken und zum Schlemmen zu verführen, so Pütz. Die Folge sind unkontrolliertes Essverhalten und Übergewicht, welches schwere gesundheitliche Beschwerden nach sich zieht.
Wohlstandssysndrom der modernen Zeit
Das Heimtückische an den
überflüssigen Pfunden ist, dass sich chronische Krankheiten
schleichend entwickeln und deshalb lange unbemerkt bleiben. Ein erhöhter
Blutdruck, Fettstoffwechselstörungen, Gelenkbeschwerden, Gicht und
Diabetes mellitus Typ 2 zählen zum gefährlichen Wohlstandssyndrom
unserer Zeit. Übergewicht ist nicht für jeden Menschen gleich
gefährlich. Besonders kritisch wird es, wenn weitere Risikofaktoren wie
beispielsweise die erbliche Veranlagung, Rauchen oder ein erhöhter
Cholesterinspiegel ins Spiel kommen. Von 18 Millionen adipösen
Deutschen (BMI > 30) sind 902.000 stark adipös, das
heißt, sie sind mit einem BMI von über 40 krankhaft superdick.
Für diese Menschen hat Abnehmen nichts mit einer anzuratenden Korrektur des Leibesumfanges aus optischen Gründen zu tun, sondern ist ein gesundheitliches Muss, so Pütz. Je nach Ausprägung des Übergewichts und Begleiterkrankungen kann sich die Lebenserwartung deutlich reduzieren und nur 15 Prozent der Adipösen erreichen eine normale Lebenserwartung. Beispielsweise geht ein BMI von 30 mit einer 30 Prozent höheren Sterblichkeitsrate einher als bei einem Normalgewicht mit einem BMI von 20 bis 25. Für Menschen mit einem schlanken Habitus heißt es jedoch nicht, dass er sich den anderen beiden modernen Laster unserer Zeit, nämlich den qualmenden Glimmstengeln und dem Alkohol erbarmungslos hingeben kann. Der Alkohol- und Zigarettengenuss trägt ebenso wenig zur Erhaltung der Gesundheit bei. Im Gegenteil, jährlich sterben 42.000 Personen in Deutschland an den Folgen von Alkohol, belegt eine Studie des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG; vom Jahr 2000).
Wer abstinent ist, soll besser abstinent bleiben
Schon jetzt nimmt jeder Deutsche
statistisch 22 Gramm Alkohol täglich auf. Das liegt oberhalb der
Risikoschwelle von täglich 10 Gramm für Frauen und 19 Gramm für
Männer. Die in den Medien häufig kursierenden Meinungen zum positiven
Effekt von Rotwein auf Herz-Kreislauferkrankungen geben keinen Anlass,
abstinent lebende Personen zum Alkoholkonsum zu bewegen. Wer abstinent ist,
soll besser abstinent bleiben, so Pütz. Zur Senkung der
Herz-Kreislaufmorbidität bzw. -mortalität stehen andere alternative
Möglichkeiten wie beispielsweise regelmäßige Bewegung oder eine
ausgewogene Ernährung zur Verfügung, die nicht die mit dem
Alkoholkonsum verbundenen Risiken bergen, so in einer Pressemitteilung (Nr.119)
des Bundesministeriums für Gesundheit. Auffällig hoch ist der Anteil
der Alkoholabhängigen unter den Rauchern. Ein Drittel der Raucher ist
gleichzeitig auch alkoholabhängig. Es ist bekannt, dass Rauchen andere
Lebensstilfaktoren wie körperliche Bewegung und
Ernährungsgewohnheiten negativ beeinflusst. Das Risiko für eine
koronare Herzkrankheit (Arteriosklerose, Schlaganfall oder plötzlicher
Herztod) erhöht sich bei Frauen schon bei einem täglichen Genuss von
1 bis 4 Zigaretten um das 2,5 fache und potenziert sich bei Vorliegen weiterer
Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus erheblich.
Kurz gesagt: Es lebt sich gesünder und länger mit weniger Alkohol, Zigaretten und fettigen Schlemmerein, so abschließend die Ernährungsexperten des DIET. Wichtig ist, dass nur der abnehmen und das Gewicht dauerhaft halten kann, der sich satt isst, erläutert Sven-David Müller, Sprecher vom DIET. Mit täglich einem Kilogramm Obst, Gemüse und Pellkartoffeln - davon kann niemand zunehmen, sowie einem halben Pfund Vollkornprodukten, drei Liter kalorienfreien Getränken wie Mineralwasser täglich und 15 bis 30 Minuten Ausdauersport schmilzt das Fettgewebe langsam aber sicher dahin. Eine besondere Bedeutung kommt den Ballaststoffen in der Ernährung zu. Sie sorgen für eine überdauernde Sättigung und haben keinen eigenen Nährwert.
TippIn Maßen genießen
Gesund zu leben muss nicht gleich völlige Enthaltsamkeit bedeuten. Wenn Sie gelegentlich ein Glas Wein oder eine Flasche Bier trinken, wird das Ihre Gesundheit und Ihre Lebenserwartung in keinster Weiser beeinträchtigen. Kritisch sind lediglich regelmäßiger exzessiver Alkoholgenuss, der häufig in Abhängigkeit endet. Auch Fast Food und Pizza haben per se kein schädigendes Potential, solange sie nicht Hauptbestandteil Ihrer Ernährung sind. Wenn Sie regelmäßig sportlich aktiv sind, werden sich auch die klassischen Dickmacher nicht in Ihrem Depotfett niederlassen. Rauchen ist in dieser Hinsicht das einzige das auf jeden Fall schädlich für den Körper ist, auch in geringen Mengen.
Autor: Thomas Markmann

