Functional Food Was steckt
dahinter? Was ist eigentlich "Functional Food"
Definitionsgemäß sind functional
Foods: "Lebensmittel, die durch Zugabe bestimmter Nährstoffe/Zutaten so
modifiziert wurden, dass sie spezifische gesundheitliche Nutzen bzw. Vorteile
erbringen." Und darin liegt auch das Problem. Rechtlich ist ein Lebensmittel,
das mit dem Hinweis auf seine cholesterinsenkende Wirkung verkauft wird,
nämlich gar kein Lebensmittel mehr, sondern ein Arzneimittel .
Arzneimittel müssen aber klinisch auf Nebenwirkungen untersucht werden.
Eine Prozedur, die man sich bei Lebensmitteln kaum vorstellen kann. Für
Lebensmittel gilt außerdem das "Verbot der gesundheitsbezogenen Werbung",
so darf z.B. nicht damit geworben werden, dass ein Lebensmittel ihr Kind vor
Osteoporose im Alter schützt. Der Hinweis: "Reich an Calcium - eine
ausreichende Calciumversorgung trägt zu einer guten Knochenentwicklung bei
und verringert das Risiko einer Osteoporose" wäre allerdings denkbar.
Sieht man sich die Aussage mit denen manche "functional foods" beworben werden
unter diesem Aspekt an, wird deutlich, dass sich viele Aussagen rechtlich auf
schwachem Boden bewegen.
International sieht die Situation anders aus. Während
in Österreich die Rechtslage mit der deutschen vergleichbar ist, darf z.B.
in der Schweiz für Lebensmittel gesundheitsbezogen geworben werden, wenn
entsprechende Gutachten die Richtigkeit der Aussagen bestätigt haben.
Das Problem der Abgrenzung
Der Bergriff "Functional Food" ist schwer abzugrenzen. Die
deutsche Definition gilt nicht in der ganzen Welt. Schon wenn man mal über
den "großen Teich" schaut, wird der Begriff ganz anders benutzt. Dort
gehören z.B. auch Fettersatzstoffe und Lightprodukte dazu. Ganz anders
wieder in Japan, der Geburtsstätte der funktionellen Lebensmittel: Dort
gehören z.B. Ergänzungspräparate wie Kapseln und Tabletten
ausdrücklich nicht dazu. Ein paar Zahlen
Dass wir die neuen Lebensmitteln in der nächsen Zeit
kaum ignorieren können, zeigen Zahlen über die Verbreitung und den
Werbeaufwand der für sie getrieben wird. In Japan, haben heute etwa 350
Firmen mit Functional Food einen Marktanteil von 6 Mrd. Mark .
Nestlé steckte 16 Millionen DM in die Werbung ihres LC1-Joghurts.
Einzelne Produkte
Momentan boomt der Markt für Functional Food. Jeden
Monat kommen neue Produkte auf den Markt, für Joghurts wird dabei aber der
größte Werbeaufwand betrieben, u.a. deshalb, weil Sie auch den
größten Marktanteil im Bereich der funktionellen Lebensmitteln
haben. Probiotische Joghurts
Probiotische Joghurts enthalten bestimmte lebende
Joghurtkulturen, die positiv auf das Immunsystem wirken. Neuere Untersuchungen
zeigen allerdings, dass die Ansiedlung der erwünschten Kulturen im Darm
doch nicht in einem so großen Maße erfolgt, wie man einst gehofft
hatte. Eine vermehrte Ansiedlung findet auch nur bei täglichem und
lebenslangem Joghurtverzehr statt. Von 100% der bei den Prod uktion lebenden Bakterien kommen so z.B. nur maximal 30%
lebend im Darm an . Den Darm dauerhaft besiedeln können von diesen 30%
nur ein Bruchteil der Keime. Die Chance wird allerdings durch täglichen
Joghurtverzehr erhöht. Doch dafür muss es nicht unbedingt der
Spezialjoghurt sein. Untersuchungen haben nämlich ergeben, dass viele der
gepriesenen gesundheitlichen Vorteile auch durch den Verzehr ganz normaler
Joghurts erzielt werden können. Viele der heute den probiotischen Joghurts
zugeschriebenen Eigenschaften waren übrigens schon zu Beginn des
Jahrhunderts bekannt, nur hatte man damals nicht die wissenschaftlichen
Beweismethoden, dies auch zu belegen.
Problematisch könnte sich das Ergebnis einer Studie
erweisen, in der eine Verbindung zwischen einem Bakterienstamm, der für
probiotische Lebensmittel verwendet wird, und der Fähigkeit,
Antibiotikaresistenzen zu übertragen, gefunden wurde. Der Stamm wird
bisher allerdings nur im skandinavischen Raum genutzt. Prebiotische
Joghurts
Prebiotische Joghurts enthalten meist Inulin und
Oligofructose , die im Darm als Nahrung für gesunde
Milchsäurebakterien dienen. Das macht zwar Sinn, aber die Nährstoffe
kommen auch in normalen Lebensmitteln, wie Zwiebeln, Bananen und Spargel vor,
so dass die "Mehrausgabe" nicht unbedingt nötig ist.
Empfehlung: Am besten möglichst viele verschiedene
Joghurts essen, damit sich eine breite Palette gesundheitsfördernder
Kulturen im Darm ansiedeln kann. Eine Portion Joghurt sollte täglich auf
dem Speiseplan sehen. Die staatliche Ernährungsberatung in München
nimmt zu dem Thema wie folgt Stellung: "Eine gemischte Kost, die nach den
Empfehlungen der DGE überwiegend aus Gemüse, Obst, Brot und sonstigen
Vollkornprodukten besteht, ausreichend Milch- und Milchprodukte und wenig
fettreiche Lebensmittel enthält, führt langfristig zu dem gleichen
Ergebnis".
Heute gelten folgende, durch den Verzehr von Joghurt
bedingten, positiven Einflüsse als gesichert:
- Ausbildung einer guten Darmflora
- Regelmäßiger und leichter Stuhlgang
- Verringerung der Gefahr des Auftretens von
Dickdarmkrebs
Die Bestrebungen, Käse und Sauerrahmbutter mit
probiotischen Keimen anzureichern, macht übrigens schon allein wegen der
geringen üblichen Verzehrsmengen keinen Sinn. Ähnlich sieht es bei
Speiseeis aus, obwohl hier die Voraussetzungen für das Überleben der
Keime besser sind. Milchsaures Gemüse
Von praktischer Bedeutung in dieser Lebensmittelgruppe ist
im Wesentlichen Sauerkraut . Die positive Wirkung ist identisch mit der,
die probiotischen Joghurts zugesprochen wird. Also ist auch hier der
regelmäßige Verzehr wichtig. Da eine breite Palette
gesundheitsfördernder Kulturen im Darm angestrebt wird, ist Sauerkraut
eine gute Ergänzung zu Joghurts.
Problem: Wärmebehandeltes Sauerkraut aus Konserven
enthält meist kaum mehr genügend Milchsäurebakterien. Daher ist
frisches zu bevorzugen. ACE-Getränke
ACE-Getränke sind mit den Vitaminen C, E und
Provitamin A angereichert. Meist wird dies bei Säften gemacht. Dienen
soll der "Vitamincocktail" der Prävention von
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Rheuma und Infektionen . Bisher gibt es
allerdings noch keine Untersuchung , die belegt, dass Lebensmittel, die
mit der Vitaminkombination angereichert worden sind, einen präventiven
Nutzen haben. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz
und Veterinärmedizin (BgVV) hat Raucher kürzlich sogar davor gewarnt,
Präparate mit Provitamin A zu verzehren, da bei Rauchern, die das Vitamin
über längere Zeit erhielten, die Häufigkeit von Lungenkrebs
sogar erhöht war. Omega-3-fettsäurereicher Fisch
Omega-3-Fettsäuren kommen vermehrt in meist fetten
Seefischen vor. Sie haben positive Wirkungen bei rheumatischen Erkrankungen und
bei Fettstoffwechselstörungen. Isolierte Omega-3-Fettsäuren (z.B. in
Kapseln) bringen allerdings nicht die gewünschte Wirkung . Es wird
daher vermutet, dass im Fisch scheinbar noch weitere Stoffe enthalten sind, die
erst in Kombination mit den Fettsäuren die positiven Wirkungen
hervorrufen. Fazit: Einmal die Woche sollte Seefisch verzehrt werden.
Außerdem liefern Fische auch wichtiges Jod. Zusammenfassung
Die gesundheitsfördernde Wirkung einzelner
Lebensmittelgruppen lässt sich zum Teil nicht bestreiten. Aber wie geht
der bisweilen verunsicherte Verbraucher damit um? Ein gutes Beispiel für
widersprüchliche Aussagen ist die "Tomate": Die sekundären
Pflanzenstoffe der reifen Gartentomate werden allerorts gepriesen. Andererseits
ist das Lykopin, dem eine das Krebsrisiko minimierende und das Erbmaterial
schützende Wirkung nachgesagt wird, aus verarbeitetem Tomatenpüree
besser verfügbar als aus frischen Früchten. Ein Argument für die
Dosentomaten. Bedenkt man aber, dass bei dem Verarbeitungsprozeß der
Tomaten ein großer Teil des ebenfalls gesunden ß-Carotins verloren
gehen, ist die Verwirrung perfekt.
Also - Was denn nun? Gemüse und Obst der Saison sollte
in der Tat vermehrt auf den Tisch kommen, denn das enthält in der Regel
die wichtigen sekundären Pflanzenstoffe und andere "funktionelle
Inhaltsstoffe" , aber wenn es als Nachtisch einmal Apfelmus statt "schon
wieder Apfel" gibt, wird man davon noch lange nicht krank.
Bei der Bewertung spielt zusätzlich der
psychologische Aspekt eine Rolle: Ähnlich wie bei Vitaminpillen
besteht die Gefahr darin, zu glauben, dass man die vielen Hamburger, die man
"Sohnemann" gestern spendiert hat, mit dem pro- oder prebiotischen Joghurt
wieder neutralisieren kann. Mit anderen Worten: Ein "(All)Heilmittel" sind
Functional Foods nicht.
Im Gegenteil: Wer glaubt, sich mit Joghurt in Topform zu
bringen, dabei aber Gemüse und Obst außen vor lässt, erreicht
eher das Gegenteil. Mit den Methoden der modernen Wissenschaft konnte gezeigt
werden, dass bestimmte Lebensmittel tatsächlich spezielle
gesundheitsfördernde Stoffe enthalten. Der überwiegende Anteil findet
sich in Obst und Gemüse, dessen vermehrten Verzehr
Ernährungswissenschaftler schon seit Jahren empfehlen. Darüber hinaus
sind sie in einigen anderen verarbeiteten Produkten, wie z.B. Dosentomaten und
Bratkartoffeln enthalten. Wer also die "volle Dosis" an gesunden Inhaltsstoffen
haben will, sollte die "Abwechslung" zum Motiv für die Lebensmittelauswahl
machen.
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