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(idw). Menschen und Primaten bewegen ihre Augen, um interessante Bereiche der Umwelt auf den Bereich des schärfsten Sehens in der Netzhaut, die sogenannte Fovea, abzubilden. Etwa dreimal pro Sekunde treten solche schnellen, ruckartigen Augenbewegungen auf. Wenn sich das Objekt des Interesses aber bewegt - beispielsweise ein fliegender Vogel oder auch ein Fußball - muss es mittels langsamer Augenbewegungen verfolgt werden, um das Netzhautbild in der Fovea zu stabilisieren.
Bisherige Ergebnisse zeigten, dass visuelle Wahrnehmungsleistungen durch diese Augenbewegungen teilweise stark beeinträchtig sind. So sind die Menschen während der schnellen Blicksprünge für den Bruchteil einer Sekunde nahezu blind. Die aktuelle Studie der Gießener Psychologen unter der Federführung von Prof. Dr. Karl Gegenfurtner, Abteilung Allgemeine Psychologie, der Justus-Liebig-Universität, weist dagegen nach, dass bestimmte Wahrnehmungsleistungen während langsamer Augenfolgebewegungen sogar verbessert werden können.
Es zeigte sich, dass die Empfindlichkeit für farbige Reize und für fein strukturierte Muster während glatter Augenfolgebewegungen höher ist als bei ruhendem Auge. Grob strukturierte Reize, die sich in der Helligkeit vom Hintergrund unterscheiden, werden während glatter Augenfolgebewegungen hingegen schlechter wahrgenommen. Diese Unterschiede zwischen der Verarbeitung von Farbe und Helligkeit deuten darauf hin, dass die Unterschiede schon sehr früh in der visuellen Verarbeitung entstehen. Der "parvozelluläre Pfad" führt von der Netzhaut zum Sehzentrum im Gehirn und vermittelt hauptsächlich Informationen über Farbe und kleine Details.
Da die Studie ferner zeigt, dass die Verbesserung der Wahrnehmungsleistung schon sehr rasch eintritt - nämlich kurz bevor die Augen anfangen sich zu bewegen -, nehmen die Gießener Forscher an, dass im Gehirn gleichzeitig mit dem Startsignal für die Bewegung der Augen ein Signal zum Sehzentrum geschickt wird, um die visuelle Empfindlichkeit während der Augenbewegungen neu zu justieren. Die Experimente belegen eindrücklich, dass das menschliche Sehsystem nicht statisch ist, sondern dass ständig hier und da an "Schrauben" gedreht wird, damit der Mensch optimal auf die jeweiligen Gegebenheiten reagieren kann.
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