"Lasst ruhig den Gefoulten schießen!"
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(idw). Eine alte Fußballweisheit besagt, dass der Gefoulte besser nicht selbst den fälligen Elfmeter schießen sollte. Er laufe dabei größere Gefahr, zu verschießen. Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) haben dies nun empirisch widerlegt. Ein weiteres Ergebnis ihrer Untersuchung: Äußere Faktoren wie Spielstand und Spielminute oder der Tabellenrang der Mannschaft beeinflussen weder die Entscheidung, ob der Gefoulte antritt, noch den Torerfolg. Ihre Ergebnisse haben die Forscher im "Journal of Sports Sciences" veröffentlicht. Alle Bundesliga-Foulelfmeter von August 1993 bis Februar 2005, insgesamt 835 an der Zahl, haben die halleschen Wissenschaftler untersucht, 102 davon wurden vom gefoulten Spieler selbst geschossen. Die Erfolgsquote der Gefoulten: 73 Prozent. Die nicht-gefoulten Schützen schossen 75 Prozent der Elfmeter ins Tor. "Dieser Unterschied liegt im Rahmen der zufälligen Schwankung und lässt somit nicht auf einen echten Effekt schließen", konstatiert Dr. Oliver Kuß, Biometriker an der Medizinischen Fakultät der MLU. Die Quintessenz der Ende März im Fachmagazin "Journal of Sports Sciences" veröffentlichten Untersuchungsergebnisse lautet: König Fußball ist viel mehr vom Faktor Zufall bestimmt als viele Beteiligte glauben. "Unsere Analyse geht über die bisherigen, einfach beschreibenden Analysen hinaus, indem sie mithilfe statistischer Modelle andere potenziell das Geschehen beeinflussende Faktoren einbezieht", erläutert Oliver Kuß. "Dabei haben wir sogar einige signifikante Ergebnisse erhalten: Das Alter des Spielers und die Anzahl der bisher absolvierten Bundesligaspiele sind Faktoren, die durchaus seine Entscheidung beeinflussen, ob er als Gefoulter einen Elfmeter selbst schießt oder nicht - allerdings in einer nicht erwarteten Richtung: Jüngere und unerfahrene Spieler treten häufiger an, wenn sie selbst gefoult wurden." Den Torerfolg beeinflussen diese Faktoren allerdings nicht, ebenso wenig wie der Spielstand, die Spielminute oder der Tabellenrang der Mannschaft. Diese äußeren Umstände haben auch keinen Anteil an der Entscheidung des Gefoulten, ob er zum Elfmeter antritt. "'Lasst ruhig den Gefoulten schießen!' könnte nun unser Rat an die Trainer sein. Jedenfalls braucht sich keiner mehr von dem alten Mythos beeinflussen lassen, dass Selbstschießen Unglück bringt", sagt Prof. Dr. Oliver Stoll von der Abteilung Sportwissenschaft im Institut für Medien, Kommunikation und Sport der Martin-Luther-Universität.
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