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Zentrale Stellschraube im Insulinstoffwechsel entdeckt

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(idw). 1996 entdeckte der Biochemiker Professor Dr. Waldemar Kolanus in Säugetieren eine Gruppe von Zelleiweißen, die Cytohesine, und beschrieb ihre Funktion bei der Immunabwehr. Zwei seiner Kollegen im Bonner LIMES-Zentrum fanden nun eine ganz neue und völlig unerwartete Funktion dieser Eiweiße mit großer Relevanz für die Medizin. Der Entwicklungsbiologe Prof. Dr. Michael Hoch und seine Mitarbeiter entdeckten ein Protein, das den Säugetier-Cytohesinen sehr ähnelt. Interessanter noch: Taufliegen, bei denen die Bauanleitung für dieses Gen defekt ist, sind kleinwüchsig. Die Forscher nannten das Cytohesin denn auch "Steppke". "Der Größeneffekt zeigte uns, dass 'Steppke' eine Schlüsselrolle im Insulinstoffwechsel spielen könnte - eine völlig neue Funktion für Cytohesine", sagt Hoch. Wie groß Pflanzen oder Tiere maximal werden können, ist in ihren Genen festgeschrieben. Doch ob sie dieses Potenzial ausschöpfen, wird durch eine Reihe weiterer Faktoren beeinflusst. Einer davon ist das Insulin. Über eine komplizierte Signalkette sorgt es dafür, dass Muskeln und Organe Blutzucker aufnehmen. Aber nicht nur das: Die Insulin-Signalkaskade entscheidet während des Wachstums auch über Größe und Zahl der Körperzellen. "Steppke" übernimmt in dieser Signalkaskade augenscheinlich eine Schlüsselfunktion. "Taufliegen-Larven werden in den ersten drei Tagen nach dem Schlüpfen 200mal schwerer", erläutert Hoch. "Wenn bei ihnen das Steppke-Gen mutiert ist, wachsen sie deutlich langsamer." Eine Reihe weiterer Beobachtungen stützen die These, dass "Steppke" für den Insulinstoffwechsel von Drosophila extrem wichtig ist. Wenn es in Säugetieren ein Cytohesin mit ähnlicher Funktion gäbe, wäre das beispielsweise für die Diabetes-Forschung hoch interessant. Professor Dr. Michael Famulok hält nun auch neue Medikamente für möglich: "Es gibt eine Klasse von Schaltermolekülen, die von Cytohesinen aktiviert werden. Diese Aktivierung ist offenbar nötig für die Signalweiterleitung. Wenn es uns gelingt, die Schaltermoleküle mit einem geeigneten Wirkstoff zu stimulieren, könnten wir damit die Insulin-Resistenz vielleicht rückgängig machen." Die Erbanlage hat aber noch eine ganz andere Wirkung, die die Phantasie der Forscher beflügelt: Fliegen, bei denen "Steppke" defekt ist, leben deutlich länger als ihre Artgenossen. "Ein spannender Effekt", findet Hoch. "Das müssen wir unbedingt weiter untersuchen."
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