(idw). Die meisten Sinneseindrücke erhält der Mensch über die Augen - auch in der Dunkelheit. Dazu müssen in der Netzhaut (Retina) des Auges mit Hilfe von Kanalproteinen lang anhaltende Calciumsignale entstehen. Ein Team um Dr. Christian Wahl-Schott am Zentrum für Pharmaforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München konnte nun den Mechanismus aufklären, der das Sehen im Dunkeln erlaubt. Anders als nahe verwandte und sehr ähnliche Calciumkanäle in anderem Gewebe des Körpers verfügen die Calciumkanäle in der Retina nicht über einen Mechanismus, mit dem sie sich selbst Calcium-abhängig abschalten können. Wie die Forscher in der "Early Online Edition" der Zeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences (PNAS)" berichten, können die Kanäle der Netzhaut diese negative Rückkopplung hemmen und so lang anhaltende Calciumsignale erzeugen, die das Sehen bei Dunkelheit ermöglichen. Fehlt die Möglichkeit der Hemmung, entsteht eine angeborene Form der Nachtblindheit, bei der die Betroffenen bei Dämmerung und Dunkelheit unter erheblichen Sehproblemen leiden. Denn, so Dr. Christian Wahl-Schott: "Unser Ergebnis hat auch große Relevanz für die Erklärung diverser krankhafter Veränderungen im Körper.“ Es hat sich nämlich gezeigt, dass sich Calciumkanäle der Netzhaut von Patienten mit einer Form der angeborenen Nachtblindheit Calcium-abhängig inaktivieren. Daher können die Betroffenen in der Dunkelheit nichts sehen.