Mein Weg aus der ES...
Diskutiere Mein Weg aus der ES... im Archiv Forum im Bereich Fitness Allgemein; ... führte mich für 4 Monate in eine psychiatrische Klinik. Seit einer Woche bin ich nun zu Hause mit der Diagnose: atypische Essstörung mit anorektischen
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23.06.2003, 23:07
Mein Weg aus der ES...
#1
Mein Weg aus der ES...
... führte mich für 4 Monate in eine psychiatrische Klinik. Seit einer Woche bin ich nun zu Hause mit der Diagnose: atypische Essstörung mit anorektischen Phasen und Binge Eating. Auf deutsch: Wenn es mir beschissen feht, fresse ich und um das wieder wegzukriegen, hungere ich. Inzwischen hab ich ein normales Gewicht von 53 kg bei 1,65m und gehe wieder ins Fitnessstudio.
Ich kann nur allen empfehlen, die auch ein Essproblem haben zur Therapie zu gehen. Also mir hat es sehr geholfen. Und lasst es nicht erst soweit kommen wie ich, eigentlich bin ich nur in die Klinik gekommen, weil ich absolut panisch war und nirgends mehr hinwollte- nicht unter Menschen, nicht in meine Wohnung. Meine Therapeutin ließ mich dann ins Krankenhaus bringen und endlich wurde ich mal ernst genommen, so konnte ich mich auch endlich mal selbst ernst nehmen. Ich hab immer gedacht, das gibt es nicht, dass man zwanghaft isst, aber es ist so. Ich bin nicht bekloppt, nur nicht stabil genug, das Leben zu verkraften...
Aber jetzt fühle ich mich wieder in der Lage mein Leben in die Hand zu nehmen.
Ich möchte allen Mut machen, die auch eine Essstörung haben, sich endlich ernst zu nehmen. Ich denke, es hat nichts mit Verrücktsein zu tun, wenn man sich seine Krankheit einzugestehen, man kann viel besser leben, wenn man sich Hilfe sucht und sich selbst hilft.
Liebe Grüße
Biene
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24.06.2003, 02:05
Mein Weg aus der ES...
#2
Re: Mein Weg aus der ES...
Liebe Biene,
ich halte deinen Beitrag für einen der wichtigsten, die bisher in diesem Forum veröffentlicht wurden. Ich bin mir sicher, dass sehr viele Leser das gleiche Problem hatten, haben oder haben werden. Ich halte es für notwendig, Betroffene darauf hinzuweisen, dass es nicht darum geht, ob es am Tag ein Brötchen mehr oder weniger sein darf.
Eine Essstörung ist nunmal eine Krankheit, die eine Ursache hat und bei deren Therapie eine professionelle Hilfe nicht nur angezeigt, sondern auch notwendig ist. Keiner würde auf die Idee kommen, ein gerissenes Kreuzband oder einen gebrochenen Arm auf eigene Faust zu reparieren, sondern immer zum Orthopäden gehen. Ebenso sollte eine Essstörung von einem Psychotherapeuten im Rahmen einer Verhaltenstherapie behandelt werden. Es gibt keinen Grund, diesen Gang zu scheuen.
Ich kann nur hoffen, dass sich möglichst viele Essgestörte durch dieses Posting aufgefordert fühlen, ihr Problem gemeinsam mit einem Psychotherapeuten in die Hand zu nehmen und zu lösen.
Thomas
http://de.fitness.com/company/button..._markmann2.jpg
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24.06.2003, 09:04
Mein Weg aus der ES...
#3
Re: Mein Weg aus der ES...
Hallo SchwarzeBiene,
find ich super das du das hinbekommen hast , war sicher ein hartes Stück Arbeit für dich. Ich,als Diätopfer ( wie es im Lehrbuch steht) kann von Esstörungen bei Lebensfrust ein Lied singen mit unzähligen Strophen.Bin nun aber auf dem Besten Weg alles in den Griff zu bekommen , in dem ich erkannte was den Lebensfrust auslöst und habe alles was mich am gesunden Leben und vernünfigem Essen hindert abgebaut, das fing mit einem Jobwechsel als erstes an .
Ich wüßte gerne von dir was du gewogen hast in deinen Spitzenzeiten ?
gruß querulanD
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24.06.2003, 09:44
Mein Weg aus der ES...
#4
Überflüssige Frage nach dem Körpergewicht!
willst du dich mit biene "messen"? was soll der unfug? das ganze ist ja kein "wettbewerb" und interindividuelle "vergleiche" sind fehl am platz - sie sagen auch nichts aus. das fixiertsein auf das körpergewicht ist ein grundübel jeder essstörung. im falle der anorexie sind es aber andere faktoren, die von bedeutung sind: der klinische allgemeinzustand, das ausmaß der kachexie, sprich muskulären atrophie, die amenorrhoe, die schwindende knochenmasse, die elektrolytstörungen, die atrophie der großhirnrinde usw... gerade letzteres ist vielfach nicht bekannt, auch nicht allen medizinern (die corticale atrophie kann mittels MRT festgestellt werden). auf die wichtigkeit der HRT bei amenorrhoe bin ich schon mehrmals in diesem forum eingegangen, ebenso auf die notwendigkeit einer kognitiven verhaltenstherapie in verbindung mit psychiatrischer/psychopharmakologischer hilfestellung.
gruß, kurt
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24.06.2003, 09:59
Mein Weg aus der ES...
#5
Re: Mein Weg aus der ES...
liebe biene,
auch ich möchte mich für dein posting bedanken. ich weiß, das ich vielen (essgestörten) mit meinen ständigen hinweisen auf die kognitive verhaltenstherapie als mittel der wahl (bei jeder form der zwangsstörung) lästig falle, aber wenn man damit auf offene ohren stößt und eine krankheitseinsicht bewirkt, ist schon viel erreicht. wie thomas hoffe ich, dass viele betroffene deinem lobenswerten beispiel folgen mögen.
ich hoffe, dass du auch somatisch adäquat behandelt wurdest bzw. wirst (HRT im falle einer amenorrhoe usw.). der sport wird eine entscheidende therapeutische rolle spielen, sowohl in bezug auf die psyche als auch die physis (z.b. wiederaufbau verlorener muskelmasse durch krafttraining usw.).
alles gute weiterhin und liebe grüße,
kurt
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24.06.2003, 10:36
Mein Weg aus der ES...
#6
Re: Überflüssige Frage nach dem Körpergewicht!
Sorry Kurt,
das ich gefragt habe ! ich wollte aber auch nur meine Neugierde befriedigen , außerdem glaube ich nicht, in meinem Posting den Endruck erweckt zu haben , mich " zu Messen " .
Sonst hätte ich sicher von meinen Erfolgen und Misserfolgen berichtet.
Es ist nur Interresse an Mitmenschen
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24.06.2003, 10:39
Mein Weg aus der ES...
#7
Re: Mein Weg aus der ES...
Der Satz:
"Ich bin nicht bekloppt, nur nicht stabil genug, das Leben zu verkraften... "
...ist für mich einer der Wichtigsten in Deinem Posting!
Hut ab vor Deiner Leistung, vor Deinem Mut (anscheinend war die Verzweiflung größer als der Wunsch, die "Fassade" aufrecht zu erhalten) und von der menschlichen Reife, die aus praktisch jedem Wort Deines Postings spricht!
Irgendwie Mist, das wir anscheinend solche Erfahrungen brauchen, um uns weiter zu entwickeln!
Noch einmal: Hut ab vor Dir!
LG
Meni
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24.06.2003, 10:47
Mein Weg aus der ES...
#8
Interesse am Mitmenschen...
...ist eine lobenswerte und wertvolle charaktereigenschaft. aber das körpergewicht ist in diesem zusamenhang, wie ich schon sagte, unwesentlich. bei einer essstörung geht es nicht um's gewicht an sich... vielmehr handelt es sich um eine zwangserkrankung, wie schon thomas schrieb (siehe die zahlreichen foreneinträge zu diesem thema)
ich wünsche dir, dass du dein problem ebenso bewältigst wie biene.
lg, kurt
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24.06.2003, 16:36
Mein Weg aus der ES...
#9
Re: Überflüssige Frage nach dem Körpergewicht!
Lieber Kurt
Habe eine Frage: Was ist genau eine "corticale atrophie"?
Vielen Dank für deine Erklärung.
Liebe Grüsse, Barbara
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24.06.2003, 16:41
Mein Weg aus der ES...
#10
Atrophie der Großhirnrinde
wie ich bereits geschrieben habe, liebe barbara.
lg, kurt
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25.06.2003, 09:02
Mein Weg aus der ES...
#11
Ist soweit richtig....
...aber ich möchte doch eine leise Kritik an den Therapiemethoden anbringen. Es wird immer nur das Problem "Essstörung" diskutiert und immer wird nur die ES thematisiert. Wie ich finde wäre es sehr viel erfolgsversprechender den Patienten mit "echten" Lebensfragen und positiven Feedbacks zu versorgen, damit die Gedanken nicht ständig ums Essen kreisen.
Hab's bei mir gesehen: Ich musst immer nur erzählen, was gut und was schlecht lief, wie was worum und überhaupt ich in meiner ES erlebt habe. Niemals wurde mir z.B. gesagt: "hey, du bist ein toller Mensch. Deine Essstörung ist ein Teil von dir, aber du schau mal, wie du deine Ausbildung meisters, wie deine Kollegen von dir reden, wie du sonst vieles genial machst..." Oder es wurde nie versucht die Persönlichkeit als Ganzes zu erfassen. Immer war nur die ES zentral. Das ist meiner meinung nach der Fehler vieler Behandlungsmethoden.
Deshalb bin ich da auch ausgestiegen und habe mich "selbstständig" gemacht. Seit diesem ZEitpunkt geht es mir viel besser, weil ich nicht ständig mit diesem Problem konfrontiert werde.
Nichts desto trotz: Eine ES muss bekämpft werden; der Weg wie das geschehen soll, ist sehr individuell.
Grüsse
Rik
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25.06.2003, 10:42
Mein Weg aus der ES...
#12
Re: Ist soweit richtig....
Was denn? Keine Frage nach dem, was dahinter steckt?
Rote Flecken am Gesicht und Körper können Scharlach sein oder Masern oder Röteln oder Feuchtblattern. Die Ursache sind jeweils VERSCHIEDENE Bakterien. So, wie Du das beschreibst, sind bei Deiner Therapie grad einmal die roten Flecken abgedeckt worden, aber die Bakterien wurden nicht gekillt!
Also ganz ehrlich - sogar bei NLP-basierten "Therapien" geht man so schnell wie möglich an die Wurzel - und NLP ist für mich so in dem Bereich, wo Mensch zwar "Schmerz" empfindet, aber noch in der Lage ist, ein "normales" Leben zu führen. Von diesen so geannten "zudeckenden" Therapien, die nur am Verhalten und nur an den Symptomen arbeiten, halte ich (ausser bei Borderlinern, die sich im Grenzbereich zwischen Neurose und Psychose bewegen) absolut nichts.
Unkraut gehört für mich mit der Wurzel ausgerissen, sonst ist es nach dem ersten Regenguss gleich wieder da!
Du hast richtig gehandelt, wenn Du Dich auf Deine eigenen Füsse gestellt hast!
Gratuliere
Meni
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25.06.2003, 20:15
Mein Weg aus der ES...
#13
Re: Ist soweit richtig....
Hallo Rik,
was ich auf jeden Fall mitgenommen habe, ist ein riesiges Stück Selbstwertgefühl. Hey, ich bin ein toller Mensch. ich hab halt nur ein paar psychische Probleme, also zumindest hat sich in meiner Therapie nicht alles um die ES gedreht, schon allein aus dem Grund, weil ich nicht nur unter Essgestörten war, sondern unter Menschen mit den verschiedensten Sachen.
Liebe Grüße
Sabine
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25.06.2003, 20:21
Mein Weg aus der ES...
#14
Spitzenzeiten?
Nur soviel zu meinen Spitzenzeiten:
in den Hungerphasen: 2-3 Brötchen am Tag und 7 mal die Woche Fitnessstudio
in den Fressphasen: so um die 10000 Kalorien am Tag in Form von Torte, Eis, Kuchen, Pizza usw.
Mehr will ich dazu nicht sagen, mach dir selbst ein Bild...
Gruß Sabine
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