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  Kl. Bericht Hamburg Marathon 2007 Beitrag #1 (permalink)  
Alt 02.05.2007, 09:38
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Registriert seit: Dec 2005
Ort: Hamburg
Beiträge: 179
jrehlein befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Kl. Bericht Hamburg Marathon 2007

Einige können sich vielleicht noch an mein Marathontraining aus dem letzten Jahr erinnern...
Hier der Bericht von diesem Jahr:

Kurzer Rückblick:
Hamburg Marathon 2006, 13:51h Messe Hamburg, physisch und psychisch völlig am Ende, komme ich nach 4:39 ins Ziel, die letzten 15km habe ich mich gequält, immer wieder gegangen – ein wenig gelaufen – gegangen.
Meine ersten Gedanken: „Nie wieder! Das machst du nie wieder!“
Ich muss heulen, weil ich so fertig bin!

Ein paar Tage später wird dann aber der Entschluss gefasst: „Das kann es nicht gewesen sein! Das kannst du auch besser! Nächstes Jahr versuchst du es wieder!“

Mittwoch 25. April 2007, ich schlafe schlecht, träume nur noch vom Laufen und von Zeiten.
Donnerstag, 26. April 2007: Wieder schlecht geschlafen!
Freitag. Ups!?! Besser geschlafen! Richtig so, schließlich habe ich gut trainiert! Aber reicht es für 4:00 Std.? Schalke verliert, so ein Mist!
Samstag. Der Tag ist vollgestopft! Meine Frau muss bis Mittags arbeiten, ein wenig was im Haushalt machen und viel trinken, danach mit meiner Tochter zum Reiten und viel trinken – es soll warm werden. Vom Reiten direkt zum Fußballspiel von meinem Sohn – gewonnen! Klasse! Jetzt noch im Vereinsheim die zweite Hälfte Bayern – HSV schauen, schließlich wollen alle Jungs dahin. HSV gewinnt! Super!
Ab nach Hause und Nudeln bis zum abwinken! Außerdem habe ich über den Tag verteilt 6 Liter Selters in mich reingeschüttet. Gut so!

Sonntag, 29. April 2007, 5:55h – der Wecker klingelt. Einen Becher Kaffee (der muss sein), 2 ½ Scheiben Schwarzbrot mit Honig (Warum steht bei Marathon Frühstück immer was von Weißbrot, dass mag ich nicht – egal) und ein Liter Selters. Um 7:00h wird das Essen und Trinken erst mal eingestellt. Ich fahre rechtzeitig los, habe genug Zeit und gehe noch ein wenig durch die Reihen. Umziehen, Kleiderbeutel abgeben und anstellen zum pipi machen. Eine ¼ Stunde vor dem Start trinke ich noch ½ Liter von meinem Sportgetränk (100g Maltodextrin + 1-2g Kochsalz pro 1 Liter Wasser) und essen eine halbe Banane.
Noch mal pipi. Der Startschuss kommt und 4 Minuten später überquere ich die Startlinie. Ich habe für eine Zielzeit von 4:15h gemeldet und stehe auch in dem entsprechendem Startblock, aber ich bin, solange ich mich gut fühle, auf 4:00h aus.

Letzte Woche habe ich noch folgende Strategie vorgeschlagen bekommen: 6:15, 6:00, 5:45, die restlichen km in 5:30. Das wollte ich umsetzten, nur nicht 5:30, sondern eher knapp unter 5:40 – 5:30 ist mir zu schnell. Ich will jeden km mitstoppen und mir die Differenz zu einem 5:40 Schnitt ausrechnen – das wird auch prima klappen.

• Km 1: 6:00 - Etwas zu schnell, aber ok. Die ersten gehen schon rechts raus zum Wasser lassen. Klar! Ich wird auch zwischendurch mal an die Seite müssen, aber nahc 700m?
• Km 2: 5:41 - Wieder zu schnell, aber noch im vernünftigen Bereich denke ich.
• Km 3: 5:53 - OK! 34 Sek. zurück, das ist zu diesem Zeitpunkt ok.
• Km 4: 5:40 – Geht doch ganz locker!
• Km 5: 5:55 – „Jetzt musst du dich entscheiden! Wenn du es packen willst muss ein wenig mehr kommen“ denke ich und mache ein bisschen mehr Tempo.
• Km 6: 5:15 – Mist! Das war jetzt zu schnell, aber es ging auch bergab.
• Km 7: keine Zeit – Ich nehme meine erste Verpflegungsflasche auf von zwei Arbeitskollegen. Kurzes „Hallo“, ein kleiner Scherz mit dem Sohn von meinem Kollegen – ich hab gar nicht angehalten.
• Km 8: 11:22 – das ist ok, ich habe kurz angehalten und an der Elbchaussee in einen feien Garten Wasser gelassen (war so geplant) und meine ½ Literflasche geleert.
• Km 9: 5:19 – Ein bisschen zu schnell. Außerdem habe ich gerade den 4:45 Tempoläufer überholt. Was macht der denn hier? Egal! Weiter!
• Km 10: 5:33 – Jetzt bin ich genau auf 5:40er Schnitt, super! Weiter so! Am liebsten würde ich rechts nach außen und gas geben – so gut geht es mir! Aber ich hab ja auch noch einen Menge vor...
• Km 11: 5:28 – Hafen! Wahnsinn! So viele Menschen, ich kriege eine Gänsehaut. Vom Fischmarkt bis zu den Landungsbrücken kommt man sich vor wie in einem Stadion mit Tribünen.
• Km 12: 5:21 – Ws geht bergab und die Menge beflügelt. Nur nicht zu schnell...
• Km 13: 5:47 – Verpflegungsstelle. Das war ok.
• Km 14: 5:31 – Klasse!
• Km 15: 5:40 – Das läuft doch! Ich fühle mich klasse
• Km 16: 5:36 – Zweite Flasche von meiner Frau und meiner Tochter am Jungfernstieg. Versehendlich habe ich auf meiner Pace-Tabelle die Zeit von den Landungsbrücken angestrichen, die Beiden haben sich schon Sorgen gemacht, davon kriege ich nichts mit: Ein kurzer Knutsch, die Flasche, einen Schwamm und weiter!
• Km 17: 6:00 – Ich musste an der Alster ein zweites Mal Wasser lassen, das war nicht so geplant. Trinke ich zuviel? Aber lieber ein mal mehr kurz rechts raus als zu wenig trinken, denke ich und leere während meiner Pause die zweite ½ Literflasche.
• Km 18: 5:45
• Km 19: 5:22 – An der Alster haben sich ein paar feine Leute ein Frühstücksbuffet aufgebaut: Sektfrühstück! Auf der anderen Seite hat es sich ein junges Pärchen auf einer Wolldecke bequem gemacht, ich scherze kurz und weiter.
• Km 20: 5:23 – die Zeiten sind ja Klasse, ich habe mit ein Polster von 49 Sek. herausgelaufen, allerdings wollte ich bis zur Hälfte nicht mit dem Puls über 85%, die blitzen aber hin und wieder schon mal auf, allerdings geht es mir weiterhin super!
• Km 21: keine Zeit – Ich komme durch eine Straße mit mehreren Bekannten und halte Ausschau – ich sehe keinen aber es lenkt ein wenig ab und bringt Abwechslung.
• Km 21,1: 1:58:30 – gut so!
• Km 22: keine Zeit – Der Typ im Hasenkostüm setzt sich und trinkt von einem Bier – Wahnsinn!
• Km 23: keine Zeit – Wo sind den hier bloß die km-Schilder? Vielleicht bin ich auch nur abgelenkt, ich bin an der Verpflegungsstelle bei unserem Fußballclub vorbei, einen Sportkollegen von meinem Sohn spritze ich nass. Aufmunternde Worte werden mir nachgerufen. Hier kenne ich viele Leute. Immer wieder ruft einer. Auch nehme ich meine dritte Flasche auf. Auch meine Frau hat es rechtzeitig hier her geschafft, steht aber in zweiter Reihe, der Knutsch muss ausfallen, ich habe keine Zeit.
• Km 24: 22:04 – die letzten 4 km in 5:31er Schnitt, ich bin zufrieden.
• Km 25: 5:43 – ich habe die Flasche geleert und bin jetzt auf der „Fule“, hier wurde es letztes Jahr schon richtig schwer!
• Km 26: 5:32
• Km 27: 5:32 – NDR-Bühne in der City-Nord. Sie spielen DJ Ötzi (oder wie der heißt), ich muss mitsingen.
• Km 28: 5:49 – Ups!?! Nicht nachlassen!
• Km 29: 5:20 – Ok! 1 km noch, dann bin ich bei 30 und dann geht das Rennen los!
• Km 30: 5:33 – Ich warte auf den Mann mit dem Hammer! Hier wollte ich eigentlich ein Dextro-Plättchen einwerfen, aber mir geht so gut, da will ich lieber nichts ändern.
• Km 31: 6:00 – Ohlsdorf! Wahnsinn! Alles voller Menschen! Das erinnert ein wenig an die Tour de France und Alpe de Huez: Man läuft durch ein Spalier von Menschen.
• Km 32: 5:48 – Nicht nachlassen! Von einem Balkon ist Lotto King Karl: „Hamburg meine Perle“ – Wieder Gänsehaut!
• Km 33: 5:33 – Ich gebe wieder etwas mehr gas. Wo bleibt der Hammer?
• Km 34: 5:23 – Läuft doch gut! Ich überhole den 4:15 Tempoläufer.
• Km 35: 5:44 – Jetzt nehme ich das Dextro, habe ich doch im Training probiert und ist mir gut bekommen. Ich bin 1:48 unter der Zeit – das muss doch eigentlich langen...
• Km 36: 5:44 – Wo bleibt der Typ mit dem Hammer? Ich bin doch Fußballer und will endlich richtig anfangen zu kämpfen...
• Km 37: 5:42 – Ich komme mir vor wie ein Uhrwerk. Ich halte Ausschau nach meiner letzten Flasche, aber ich kenne mich hier nicht so gut aus. Die müssen doch hier irgendwo stehen. Es wartet meine übliche Flasche, eine Flasche Cola, ein neuer Schwamm und weitere Dextros auf mich. Da sind sie! Ich strecke einen Zeigefinger hoch, mein Sohn kommt mir ein paar Schritte entgegen. Ich rufe: „Nur die Flasche – und ´n Knutsch“. Weiter geht’s!
• Km 38: 6:20 – WAS? Solange habe ich doch gar nicht geküsst!?!
• Km 39: 5:10 – Puh! Alles klar, da muss was mit den Schildern nicht gestimmt haben.
• Km 40: 5:44 – Mir geht es immer noch gut! Klar die Beine tun schon mal ein wenig weh, aber „Hey!“: Ich bin 40 km gelaufen! Ich genieße es! Die Zuschauer sind klasse! Viele Läufer gehen. „So ging es dir letztes Jahr auch“, denke ich. Ich nehme etwas Tempo raus, denn das einzige was mich noch an den 4 Std. scheitern lassen kann ist eine Verletzung oder ein Sturz.
• Km 41: 6:03 – Du schaffst es! Einbiegen auf die Zielgrade. Meine Uhr zeigt 3:56 und das Ziel ist ganz schön weit weg. Ich laufe wieder etwas schneller, jetzt bloß nichts vertrödeln.
• Km 42: 5:44 – Nein! Alles klar, das geht glatt.
• Ziel! Meine Uhr zeigt 3:58. Ich bin einfach nur glücklich!
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  Kl. Bericht Hamburg Marathon 2007 Beitrag #2 (permalink)  
Alt 02.05.2007, 20:05
Benutzerbild von uschi
Moderator
 
Registriert seit: Mar 2002
Beiträge: 2.605
uschi befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Thumbs up gratuliere jens

du hast die 4:00-schallmauer durchbrochen und wieder wertvolle erfahrungen gesammelt.

frage: trinkst du immer die flasche auf einmal leer? probiers mit schluckweise. du kannst sie ja mitnehmen und wenn sie dir lästig wird unterwegs los werden.

ich war am sonntag auch beim VCM. allerdings mit rad und als zuschauer. leider komm ich momentan beruflich sehr wenig zum trainieren. . aber die stimmung möcht ich schon wieder mal geniessen.

seas, uschi
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  Kl. Bericht Hamburg Marathon 2007 Beitrag #3 (permalink)  
Alt 03.05.2007, 09:53
Registrierter Benutzer
 
Registriert seit: Dec 2005
Ort: Hamburg
Beiträge: 179
jrehlein befindet sich auf einem aufstrebenden Ast
Nein, ich trinke die Flasche (1/2 Liter) nicht auf einmal aus.
2x - 3x trinke ich während des laufens 1 bis 2 Schlucke, weiter laufen, dann kurz anhalten, Flasche halb leer, weiter, Rest austrinken. Das ganze zieht sich so über 400m bis 800m hin.
Das trinken während des laufens bringt mich stark aus meinem Atemrythmus und ich empfinde es als sehr nervig lange mit der Flasche in der Hand rumzulaufen.
2x passte es ganz gut mit einem kleinen Stop am Rande der Laufstrecke da hat man dann 30 Sek. Zeit in Ruhe zu trinken.
Für meinen nächsten Marathon werde ich mal mit Energie-Gels rumprobieren, um etwas weniger abhängig von persönlichen Betreuern am Rande der Strecke zu sein. Ist das eigentlich aus Salz drin?
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