Längst ist das Fitnessstudio kein reiner
"Kraftraum" mehr. Spezifische Kursprogramme, die zu festen Zeiten unter
Anleitung durchgeführt werden, werden von Kunden verstärkt
nachgefragt. Kurz gesagt "Groupfitness" ist und bleibt ein wichtiger
Bestandteil eines Fitness Clubs und das Anbieten der aktuellen Programme ist
beim Kampf um neue Mitglieder unabdingbar. Während früher die
Programme von Studio zu Studio unterschiedliche Namen bei durchaus gleichem
Inhalt hatten, findet man heutzutage immer häufiger lizensierte Programme
- eben solche, die durch Ihren Markennamen für ein bestimmtes Produkt
stehen.
So fragt kaum jemand: "Gibt's bei Ihnen animiertes Radfahren auf
Musik in der Gruppe?" Die Frage hieße wohl eher "Bieten Sie
Spinning-Kurse an?" Ebenso ist mittlerweile "Tae Bo" zum Synonym
für kampfsportorientiertes Gruppenfitnesstraining?" geworden. Doch was
verbirgt sich tatsächlich hinter diesem Begriff?
Ist
überall wo "Tae Bo" draufsteht auch tatsächlich "Tae Bo" drin?
Die Bestandteile des Begriffes stammen aus der koreanischen Sprache und
stehen einerseits für Fuß- bzw. Beintechniken (Tae) und
andererseits für Oberkörper, Arme und Armtechniken (Bo). Vom
Stundenaufbau her unterscheiden sich die angebotenen Tae Bo-Kurse der meisten
Studios nicht großartig von anderen Gruppentrainingsprogrammen. Einem ca.
zehnminütigen Aufwärmteil mit dem Ziel der allgemeinen Erwärmung
des Körpers zur Vorbereitung auf die Belastung folgt ein Hauptteil von ca.
40 Minuten. Im Hauptteil wird versucht, ein effektives aerobicähnliches
Herz-Kreislauftraining aus Kampfsportelementen zu komponieren, dass neben
der Ausdauer zusätzlich die Beweglichkeit sowie verschiedene
koordinative Fähigkeiten beansprucht. Wie in der
klassischen Aerobic werden diese Bewegungen im Takt der Musik mit
hohen Wiederholungszahlen und teilweise mit hohem Tempo
ausgeführt.
Abgerundet wird die Trainingseinheit von einem
Stundenausklang, der in den meisten Fällen Dehnübungen oder Atem-
und Entspannungsübungen umfasst. Die Besonderheit von Tae Bo liegt
demnach weniger in der Grundidee oder in der Struktur der Übungseinheit
als vielmehr in der Besonderheit der Bewegungen, die zu Grunde gelegt werden.
Wer diese Bewegungen näher betrachtet, erkennt eine deutliche
Ähnlichkeit zu Sportarten wie Boxen, Kickboxen oder Taekwon-Do. Die
korrekte Ausführung von Cross Punch, Knees Up, Side Kick und allen anderen
Angriffstechniken dieser Sportarten stellt eine hohe Anforderung an
Beweglichkeit, Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit. Die
Idee, solche Techniken gerade deshalb in ein Cardio-Workout einzubinden,
erscheint durchaus sinnvoll ist aber keineswegs neu.
Schon früher
gab es Programme wie JAACRO, Boxaerobic, etc. die aber nie richtig populär
wurden.
Billy Blanks ist der Vater des Tae Bo
Initiator von Tae Bo war der US Amerikaner Billy Blanks, dessen
Grundidee es war, Taekwon-Do Bewegungen mit dance music zu kombinieren. Billy
Blanks wuchs zusammen mit vier Geschwistern in bescheidenen Verhältnissen
in den USA auf und wurde trotz einer Lernbehinderung, Armut und Probleme mit
seinen Hüftgelenke ein sehr erfolgreicher Kampfsportler in verschiedenen
Disziplinen. Bekannt wurde er schließlich durch Auftritte in
Kampfsportfilmen. Nach eigenen Aussagen will Blanks die Menschen dazu
auffordern, Ihr Leben zu verändern, indem Sie Ihre Fitness steigern. Um
dieses Ziel zu erreichen, wurden schon Mitte der achtziger Jahre
Bewegungsprogramme aus Kampfsportelementen erstellt und als Video vertrieben.
Jeder sollte somit die Möglichkeit haben, Tae Bo in der eigenen Wohnung
durchzuführen und nachhaltig Gesundheit und Wohlbefinden zu steigern.
Kein anderes Martial Arts workout wurde jemals so beworben wie
Tae Bo
Billy Blanks Tae Bo erreichte im Sommer 1998 durch massive
Werbung in den Medien einen unglaublichen Bekanntheitsgrad. Tae Bo-Videos sind
derzeit in 33 Ländern in 11 Sprachen erhältlich. Erst mit dieser Marketing- Kampagne konnte sich
kampfsportbeeinflusstes Gruppenfitnesstraining durchsetzen.
Auf
Blanks´ Zug der Beliebtheit wollten viele aufspringen. Wie oben
erwähnt, steht Tae Bo als Platzhalter, gewissermaßen als Markenname
für eine ganze Kategorie von workouts, die sehr stark in Studios
nachgefragt werden. Plötzlich wurden in vielen Studios Tae Bo Kurse
angeboten, die mit der ursprünglichen Idee von Billy Blanks nichts mehr zu
tun hatten. Die Qualifikation vieler selbst ernannter Instruktoren
lässt nicht selten zu wünschen übrig. Aber wo eine Nachfrage
ist, da muss offensichtlich auch ein Angebot her.
Was viele
nicht wissen: Tae Bo war zu zunächst nicht für die Verwendung im
Studio vorgesehen; es sollten lediglich die Videos verkauft
werden.
Original Tae Bo Kurse werden ausschließlich in
Billy Blanks´ World Training Center in Sherman Oaks (Kalifornien)
angeboten. Da aber der Begriff Tae Bo bereits in aller Munde ist und eine
erhebliche Nachfrage auch in Deutschland besteht, bieten viele
Ausbildungsinsitute Programme an mit ähnlichem Namen oder sogar gleichem
Namen. Ausschließlich die Internationalen Fitness und Aerobic Akademie
(IFAA) ist autorisiert, original Billy Blanks Tae Bo-Ausbildungen in Europa
anzubieten und verfügt derzeit über ein aktuelles Konzept. Mehr dazu
im aktuelleren Artikel "Neues von
Tae Bo" auf fitness.com
Safs&Beta verkaufen den nach
eigenen Angaben "heißesten Trend des Jahres" als Thai Do, zuvor
noch unter dem Namen Thai Bo. Die Liste mit angelehnten
Programmbezeichnungen ließe sich ewig weiterführen. So signalisieren
Bezeichnungen wie Fit Bo, T-Bo, Thai Bo, Taek-Bo, u.v.m. deutlich, dass sie
auch von der durch Tae Bo hervorgerufenen Begeisterung abschöpfen wollen.
Bedenklicher ist allerdings die Tatsache, dass in vielen Studios Tae Bo-Kurse
von self-made Instruktoren angeboten werden, die über mangelnde
oder keine fachliche Qualifikation verfügen. Bewegungen aus dem Kampfsport
birgen ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko in sich, wenn sie nicht durch
einen qualifizierten Übungsleiter vermittelt werden.
Seien Sie kritisch, wenn es
um Ihre Gesundheit geht. Falls Sie an Tae Bo-ähnlichen Kursen teilnehmen
wollen, fragen Sie nach, was für ein Programm zu Grunde liegt.
Ausbildungen in Original Billy Blanks´ Tae Bo dürfen in Europa bis
dato nur von der IFAA angeboten werden. Falls ein anderer Begriff verwendet
wird, fragen Sie nach, ob das Programm lizensiert ist und welche Ausbildung der
entsprechende Übungsleiter hat. Mit Lizenz-Programmen wie etwa Body
Combat, KBF etc. gehen Sie in der Regel kein Risiko ein. Diese sind
sportwissenschaftlich und sportmedizinisch hinreichend abgesichert.