Unter Mythos wird eine überlieferte Dichtung, eine
Person, eine Sache oder Begebenheit, die glorifiziert wird bzw. legendären
Charakter hat, verstanden. Genau in diesen Bereich der Sagen und Legenden
gehört die Bedeutung der Herzfrequenz für den erfolgreichen Fettabbau
mit Aerobic oder Fitness-Training. Die richtige Herzfrequenz beim
Fettabbau-Training ist, wenn überhaupt, höchstens von drittrangiger
Bedeutung. Viel wichtiger sind die so genannten Belastungsnormative, wie
Häufigkeit und Dauer, sowie die entsprechende Ernährung. Die
folgenden Fakten und Überlegungen sollen das verdeutlichen und zum
Nachdenken über das Dogma "Fettverbrennungspuls" anregen:
Sowohl Sprinter als auch Marathonläufer haben einen geringen
Fettanteil.
Wobei die Figur eines Sprinters eher dem
Schönheitsideal eines Kunden im Fitnesscenter entspricht. Das deutet
darauf hin, dass beim Fettabbau verschiedene Wege zum Ziel führen: sowohl
kurze intensive Trainingseinheiten als auch langes (mehrere Stunden dauerndes)
extensives Training.
Fett wird hauptsächlich während der
Erhohlungszeit abgebaut
Der Abbau von 1 kg Fett pro Woche ist bei 3
wöchentlichen Trainingseinheiten möglich. Das entspricht ca. 7600
verbrannten kcal. Pro Training werden rund 500 kcal verbraucht. Bei 3
Trainingseinheiten in der Woche sind das zusammen 1500 kcal während des
Trainings. Die restlichen 6000 kcal werden demnach während der Erholung
benötigt.
Alle Empfehlungen einer Trainingsherzfrequenz im
Fitnesscenter sind höchst ungenau.
Angefangen bei der Formel
für die maximale Herzfrequenz beim Laufen (220 minus Alter): Es gibt
individuelle Abweichungen von plus/minus 10 bis 15 Schläge! Das heisst,
zwei gleichaltrige Kunden können eine Differenz von bis zu 30
Schlägen aufweisen. Über die Empfehlung der Trainings-Bereiche in
Prozent der MHF (65 - 85% ):
Kunde A:
Kunde B:
Alter:
20 Jahre
20 Jahre
Maximale Herzfrequenz:
200
200
Trainings-Intensität
65%:
130
130
Trainings-Intensität
85%:
170
170
Berücksichtigt man die Ruheherzfrequenz ergeben sich
wiederum große Unterschiede:
Ruheherzfrequenz:
50
80
Maximale individuelle
Leistung: (die zur Verfügung stehenden
Herzschläge: Maximal- minus Ruheherzfrequenz)
150 Schläge
120 Schläge
Trainings-Intensität
65%:
97+50=147
78+80=158
Trainings-Intensität
85%:
127+50=177
102+80=182
Jetzt wird vielleicht auch klar, warum
einige Kunden bereits bei der kleinsten Anstrengung über ihrer
vorgesehenen Trainingsherzfrequenz liegen und andere auf dem Fahrrad einen
höchst gelangweilten Eindruck machen, obwohl ihre Herzfrequenz im
"intensiven Bereich" liegt.
Wenn wir jetzt noch berücksichtigen,
dass die Stoffwechsellage (also in welchem Verhältnis Fett oder
Kohlenhydrate abgebaut werden) auch noch individuell unterschiedlich und
trainingsabhängig ist, wird klar, dass die Konzentration auf die "richtige
Herzfrequenz" für ein Fettabbautraining unsinnig ist.
Je mehr
Mitochondrien einer Person zur Verfügung stehen, desto leichter kann sie
Fett loswerden.
Unter Mitochondrien versteht man die Bauteile
(Organellen) einer menschlichen Zelle, in denen die aerobe Energiegewinnung
abläuft. Sie werden deshalb auch als "Kraftwerke" der Zelle bezeichnet.
Jedes Ausdauertraining vermehrt die Anzahl der Mitochondrien in der Muskelzelle
und erhöht ihre Leistungsfähigkeit. Da sowohl Fett als auch
Kohlenhydrate in den Mitochondrien aerob verbrannt werden, spielt es keine
Rolle was sie verbrennen, Hauptsache sie müssen über längere
Zeit Energie produzieren.
Aus diesen Gründen sollten beim
Fettabbau-Training folgende Punkte berücksichtigt werden:
1.
Der Sportler sollte so häufig wie möglich
seine Ausdauer trainieren. Der durchschnittliche Fitnesssportler hat 2 bis
3 mal wöchentlich für sein Training Zeit.
2.
Der Sportler sollte seine Ausdauer möglichst
lange trainieren. Die Trainingsdauer im Fitnesscenter oder auch der normale
Waldlauf sind kurz (60 bis 90 Minuten). Deshalb ist es sinnlos, Empfehlungen
aus dem Langzeitausdauer-Training, das sich über mehrere Stunden
erstreckt, auf das Fitness-Training zu übertragen.
3.
Wenn der Sportler seine Trainingshäufigkeit und
-dauer ausgeschöpft hat, sollte er die Trainingsintensität steigern,
um seinen Stoffwechsel noch mehr anzuregen. Der Sportler sollte jetzt die
Trainingsherzfrequenz steigern, bis er sein Ausdauertraining (mindestens 30
Minuten) gerade noch ohne Leistungseinbuße absolvieren kann.
Lassen Sie sich nicht
verunsichern. Den idealen Fettabbaupuls gibt es nicht. Wenn Sie eine
Stunde bei Puls 160 laufen, haben Sie mehr Energie verbraucht, als wenn Sie die
gleiche Zeit bei Puls 140 laufen. Wenn Sie die Energie auch während des
intensiveren Laufens zum größeren Teil über Ihren
Kohlehydratstoffwechsel bereitstellen, geht´s eben in der Ruhephase an
die Fettpölsterchen. Der Sinn einer Pulsempfehlung besteht darin, zu
gewährleisten, dass Sie sich anfangs nicht übernehmen und den
gewünschten Trainingsumfang durchhalten. Als Einsteiger ist es auf jeden
Fall wichtig, dass sie das Training locker beginnen und nichts
überstürzen. Da ist weniger oft mehr. Wenn Sie schon länger
dabei sind, sollten sie ihr Training abwechslungsreich gestalten.
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