Fitnessgerät Tretroller
Wer kennt ihn nicht den guten alten Tretroller? Früher
hatte ihn ja schließlich jedes Kind, ob aus Holz oder Metall. Mit ihm
wurden die ersten motorischen Grundfähigkeiten erlernt und geschult, bevor
es ans Fahrradfahren ging. Doch nach und nach verschwanden die Tretroller von
der Bildfläche und Kinder begannen bereits im Alter von 3 Jahren mit dem
Radfahren. Vielleicht eine Entwicklung in die falsche Richtung?
Helmut Maue, ein Pionier des Tretrollersports im Saarland, sieht
dies jedenfalls so. "5-6 jährige Kinder zeigen im Vereinssport (z. B.:
Inlineskaten) doch sehr häufig fehlende motorische Grundvoraussetzungen,
wie einen guten Gleichgewichtssinn." Eine Grundeigenschaft, die man durch
Tretrollerfahren sehr gut trainieren kann, die aber durch zusätzlich
angebrachte Stützräder an Fahrrädern nicht ausreichend trainiert
wird. Eine Beobachtung, die selbst der Deutschen Verkehrs Wacht in
Nordrhein-Westfalen nicht entging. Auch hier wurde auffällig, dass immer
mehr Kleinkinder große motorische Defizite aufweisen. Um dieser
Entwicklung entgegenzuwirken, sollen in Zukunft das Tretrollerfahren und der
Tretrollersport mehr gefördert werden. Back to the roots!
Was benötigt man, um Tretrollersport betreiben zu
können? Zuallererst natürlich das Sportgerät selbst. Mit dem
Alu-Microscooter, der vor einigen Jahren modern wurde und mittlerweile in
zahlreichen Discountern für knapp 20 zu haben ist, kann man so
einen Roller nicht vergleichen. Vorne hat er ein großes Rad, ähnlich
dem Rennrad, hinten ein kleineres, dazwischen ein tiefliegendes Trittbrett.
Also kein Kinderspielzeug, sondern es handelt sich um ein in Serie
hergestelltes Sportgerät für Erwachsene. Mehr als 200 muss man
schon für einen guten Tretroller ausgeben, nach oben hin sind dem
finanziellen Spaß kaum Grenzen gesetzt. Die Kleidung übernehmen die
Tretrollerfahrer aus dem Radsport. Einsteigen kann grundsätzlich jeder,
der Lust auf Bewegung hat. Allerdings gibt es zur Zeit noch keinen eigenen
Verband oder Vereine an die sich Einsteiger wenden könnten. Die
Gründung eines Verbandes soll jedoch in Kürze erfolgen.
Tretrollersport, ein Sport, der in Deutschland von knapp 20
Personen ernsthaft betrieben wird, zählt in anderen Ländern Europas
bereits zu den beliebten Sportarten. Finnland und die Niederlande bestreiten
dort eine Art Vorreiterrolle. In den Niederlanden gibt es Rollerwanderungen
für jedermann, ähnlich unseren Radtourenfahrten, die
allwöchentlich tausende Hobbysportler mobilisieren. Dabei ist
Tretrollerfahren ähnlich vielfältig wie Radfahren. Es gibt eigene
Crossroller, Downhill-Roller, Rennroller und die entsprechenden Veranstaltungen
europaweit. In Skandinavien wurde sogar ein spezieller Tretroller entwickelt,
der ein Sommertrainingsgerät für Skilangläufer und
Eisschnellläufer darstellt. Empfehlenswert wäre diese Art des
Trainings sicherlich auch für Läufer und Radfahrer, um den
Trainingsalltag abwechselnder zu gestalten. Wolfgang Seibel, ein deutscher
Spitzenfahrer, betreibt den Tretrollersport selbst schon etliche Jahre. Er
erreicht in Rennen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von weit über 25
km/h. Einsteigern empfiehlt er eine Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 15
km/h. Eine Geschwindigkeit, bei der man ohne großen Kraftaufwand sehr
effizient rollen und erste Erfahrungen und Techniken sammeln kann. Um 15 - 20
km/h zu erreichen, wird schon eine gewisse Grundkondition verlangt, ab 20 km/h
spricht Seibel von einem sehr hohem Kraftaufwand, den man nur durch Training
und eine gute Technik erreichen kann. "Rollerfahren beansprucht sehr viele
verschieden Muskelgruppen, und selbst gut trainierte Läufer sind doch
immer wieder erstaunt, dass ihr Körper mit Muskelkater auf die ungewohnte
Beanspruchung reagiert. Rollerfahren verlangt nämlich nicht nur eine gute
Beinmuskulatur, sondern es wird auch die Muskulatur des Oberkörpers stark
beansprucht." Um große Geschwindigkeiten über einen längeren
Zeitraum aufrechtzuerhalten, ist aber auch eine gute Technik, wie etwa der
rasche Wechsel von Anschub- und Standbein, unerlässlich. Man kann die
Geschwindigkeit beim Fahren so dosieren, dass man sich innerhalb von wenigen
Minuten auspowern kann, oder über Stunden mit mäßiger
Geschwindigkeit dahingleitet.
Neben dem sportlichen Nutzen sind Tretroller auch eine echte
Alternative zum Rad im Alltagsgebrauch. Sei es zum Einkaufen, zum Erledigen von
Amtsgängen, Bankgeschäften oder einfach nur zum Abschalten und
Genießen der Natur. Gerade von diesem Dahingleiten schwärmen die
Sportler. Der Vorteil
gegenüber einem Rad, ist die leichtere Pflege, da er über
keine komplizierten Teile wie Ketten und Zahnräder verfügt,
außerdem findet er in fast jedem Kofferraum ausreichend Platz.
Verkehrsrechtlich gesehen gehört ein Tretroller allerdings auf den Gehweg
und darf im Gegensatz zum Fahrrad nicht auf öffentlichen Straßen
gefahren werden. "Der Roller soll das Rad auch nicht ersetzen, sondern
lediglich ergänzen," so Seibel.
Weitere Informationen gibt's bei: Wolfgang
Seibel info@tretroller.de http://www.tretroller.de
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