Die Grundlagen der
Muskelkontraktion
Die Muskelkontraktion ist ein hochinteressanter
Prozess, bei dem die Wissenschaft immer noch neue Erkenntnisse ans Licht bringt
Mit Hilfe der Elektronenmikroskopie haben Wissenschaftler des
Max-Planck-Instituts für medizinische Forschung in Heidelberg jetzt z.B.
ein notwendiges Steuerelement im Zyklus der Muskelproteine Aktin und Myosin bei
der Muskelkontraktion gefunden (vgl. fitness.com-News vom 27.10.03). Damit
gelang den Forschern ein entscheidender Durchbruch für das
Verständnis, wie die Energieumwandlung in Muskelfasern im Detail
funktioniert. Der grundsätzliche Ablauf einer Muskelkontraktion war vorher
natürlich schon bekannt, und genau diese Abläufe wollen wir hier
einmal näher betrachten.
Bevor man sich jedoch mit den energetischen Prozessen im
Muskel selbst befasst, sollte man sich zuerst einmal ansehen, wie ein Muskel
überhaupt aufgebaut ist.
 Abb. 1
Der Muskelbauch selbst besteht aus zahlreichen
Muskelfasern, die sich wiederum in einzelne Muskelfibrillen
(Myofibrillen) unterteilen lassen. In der isolierten Darstellung einer
Myofibrille erkennt man deutlich helle senkrechte Streifen, die sogenannten
Z-Streifen. Der Bereich zwischen zwei Z-Streifen wird Sarkomer
genannt und ist die kleinste funktionelle Einheit eines Muskels. Im Sarkomer
findet die eigentliche Muskelkontraktion statt. In ihm befinden sich Aktin-,
Myosin- und Titinfilamente (vgl. Abb.1). Aktin-, Myosin- und
Titinfilament
 Abb. 2
Ein funktionsfähiges Aktinfilament (vgl. Abb.2) besteht
aus kugelförmigen Eiweißmolekülen (F-Aktin), die in einer
Doppelspirale angeordnet sind, in deren Längsrillen die
Tropomyosinfäden verlaufen, die wiederum durch
Troponinmolekül-Komplexe miteinander verbunden sind.

Abb.: 3
Das Myosinfilament (vgl. Abb.3) besteht aus dem
Myosinschaft, Myosinhals und dem beweglichen Myosinkopf
(Myosinhead). Der Myosinschaft besteht aus spiralig umeinander gewundenen
Peptidketten. Sie liegen parallel und bilden das Rückgrat des
Myosinfilaments. Die Myosinmoleküle haben die Neigung, sich längs so
aneinander zu lagern, dass die Köpfchen in regelmäßigem Abstand
seitlich aus dem Myosinfilament herausragen.
Neben Myosin und Aktin
spielt Titin eine wichtige Rolle innerhalb des Sarkomers. Das Titinmolekül
gleicht einer Kette aus Perlen. Es bindet sich an andere Eiweiße im
Sarkomer, vor allem an Myosin. Das riesige Molekül (vgl. Abb.1) sorgt im
Muskel sowohl für Stabilität als auch für Elastizität.
Obwohl es schon seit rund 20 Jahren bekannt ist, hat man erst vor Kurzem
erkannt, welche außerordentliche Bedeutung das Molekül hat. Es hilft
beispielsweise zu erklären, warum Sarkomere bei starker Dehnung nicht
auseinander fallen. Oder wie bei einer Dehnung unabhängig von der
Muskelkontraktion eine Federkraft entsteht, die den Muskel - und im
übrigen auch ein isoliertes Sarkomer - nach dem Ende der Dehnung wieder
auf seine Ausgangslänge zurückzieht.
Während also das
Titin für Elastizität und Stabilität des Muskels verantwortlich
ist, vollzieht sich die eigentliche Muskelkontraktion zwischen Aktin- und
Myosinfilament, doch benötigt unser Muskel dafür einen elektrischen
Reiz und eine Energiequelle. Startbedingungen der Muskelkontraktion
Als primäre Energiequelle steht dem Muskel
Adenosin-tri-phosphat (ATP) zur Verfügung, das in großer Anzahl im
Körper gespeichert ist. ATP ist eine energiereiche Verbindung, aus der
durch Abspaltung von Phosphat Energie freigesetzt wird.
ATP wird umgewandelt zu ADP + P + chemische Energie
Dieser chemische Vorgang und die Muskelkontraktion beginnen
allerdings erst dann, wenn ein Signal von einem zugehörigen motorischen
Nerv zum Skelettmuskel gelangt. Der Nervenimpuls löst an der Membran der
Muskelzelle ein Aktionspotential aus, und diese elektrische Erregung
breitet sich rasch in einer Reihe von Membranfalten, den so genannten
Quertubuli aus. Diese Tubuli erstrecken sich von der Muskelmembran nach
innen um jede Myofibrille . Von dort wird das Erregungssignal auf das
sarkoplasmatische Retikulum übertragen, eine angrenzende Hülle
Ca2+-speichernder Zisternen, die jede Myofibrille umgeben. Das ankommende
Aktionspotential setzt über die Quertubuli letztendlich Ca2+ aus dem
sarkoplasmatischen Retikulum frei und die Ca2+ - Konzentration im Inneren des
Sarkomers steigt. Auf diesem Weg wird das Enzym ATP-ase am Myosinkopf
aktivert, und schließlich ATP gespalten. Durch die Spaltung
befinden sich am Myosinkopf neben ATP nun auch Adenosin-di-phosphat
(ADP), Phosphat und chemische Energie. Diese chemische Energie
wird nun in mechanische Energie umgewandelt und der Muskel verkürzt sich,
er kontrahiert. Doch wie funktioniert dieser Vorgang genau?
Bei der Verkürzung der Muskelfaser gleiten Myosin- und
Aktinfilamente teleskopartig ineinander. Dabei nähern sich die Z-Linien
einander und die Aktin- und Myosinfilamente überlappen sich stärker.
Dieses Ineinandergleiten der Filamente wird durch die mechanische Energie
ausgelöst, die durch die Spaltung des ATP entstanden ist, man spricht
dabei vom Querbrückenzyklus. Der Querbrückenzyklus
 Abb. 4
Im Ruhezustand lagert sich der Myosinkopf an das
Aktinfilament in einem Winkel von ca. 90° an. Sie sind durch eine
Querbrücke miteinander verbunden (vgl. Abb.4; Bild oben Mitte). Wenn sich
ein ATP-Molekül an den Myosinkopf bindet, löst sich dieser vom
Aktinfilament. (Bild oben rechts), die Myosin-Aktin-Interaktion ist
blockiert. Die Spaltung des ATP führt zu einer Kippbewegung des
Myosinkopfes um ca. 45° nach links (Bild rechts unten). Nun kann sich
der gekippte Myosinkopf an einer anderen Stelle des Aktinfilaments erneut
anlagern (Bild unten Mitte), eine neue Querbrücke entsteht. Diese
zunächst nur schwache Bindung wird mit sinkender Phosphatkonzentration
allerdings sehr stark (Bild links unten). Der Myosinkopf neigt jetzt dazu,
wieder den ursprünglichen Winkel von 90° zum Aktinfilament
einzunehmen und verschiebt durch diese Abknickbewegung das Aktinfilament
(Bild links oben). Während der Kippbewegung werden die Querbrücken
zwischen Myosin und Aktin angespannt und üben einen Zug auf die
Verbindungen der Aktin-Myosinfilamente aus. Diesen Vorgang nennt man auch
"power stroke" oder "Ruderschlag". Er führt dazu, dass sich Myosin-
und Aktinfilamente relativ zueinander bewegen. Hat der Myosinkopf wieder seine
ursprüngliche Ausgangsposition eingenommen, kann der Zyklus von vorne
beginnen. Interessantes zum Querbrückenzyklus
Pro Sekunde wird dieser Zyklus rund 5 mal durchlaufen. Es
bilden sich dabei ca. 500 so genannte Myosin-Aktin-Querbrücken Pro Zyklus
verkürzt sich das Sarkomer um rund 1% seiner Länge. Maximal kann die
Verkürzung bei einem quergestreiften Muskel ca. 50%, bei einem glatten
Muskel immerhin 75% der Sarkomerlänge betragen.
Die molekularen
Grundlagen dieses Querbrückenzyklus waren bis heute nur teilweise
verstanden und ließen einige Fragen offen, doch ist den Forschern des
Max-Planck-Instituts jetzt anscheinend der entscheidende Durchbruch gelungen.
So konnten sie u.a. feststellen, warum sich der Myosinkopf bei einer hohen
Phosphorkonzentration vom Aktinfilament löst und wie es ihm möglich
ist, sich an einer anderen Stelle des Aktinfilaments erneut
anzulagern.
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