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Funktionskleidung
Aktiv
im Freien - Trotz Regen, Schnee und Kälte
Dass es im Winter gerade auch beim
Mountainbiken nicht nur auf das richtige Rad und dessen Pflege ankommt sondern
auch und gerade auf die richtige Kleidung, das haben wir schon im Artikel "Mountainbike" beschrieben. Doch
warum ist das dort beschriebene "Zwiebelprinzip" so wichtig und was ist
darunter ganz genau genommen zu verstehen? Physiologisch gesehen hat der
menschliche Körper zunächst einmal zwei eigene Mechanismen, auf
Kälte zu reagieren: Vasokonstriktion und
Zittern.
Bei der Vasokonstriktion werden die
Blutgefäße entsprechend so verengt, dass die Durchblutung der Haut
herabgesetzt wird. Das hat einen einfachen Grund: Normalerweise wird über
die Haut, noch dazu wenn sie der Kälte ohne Kleidung (beispielsweise
Handschuhe) ausgesetzt ist, sehr viel Wärme abgegeben. Doch durch die
verringerte Durchblutung der Haut wird der Wärmeverlust des Körpers,
der mit einer weitestgehend konstanten Körperkerntemparatur von rund 37
Grad Celsius deutlich wärmer ist als die Umgebung und daher zu
Wärmeabgabe neigt, deutlich verringert. Das zweite Prinzip des
Körpers auf Kälte zu reagieren ist das Zittern. Dabei verrichten die
Muskeln Arbeit, wobei auch immer Wärme entsteht. Dadurch steigert der
Körper seine eigene Wärmeproduktion. Mit Hilfe dieser beiden
Mechanismen kann der Körper aber nur über kurze Zeit
erfolgreich seine Körperkerntemperatur halten. Sind wir längere Zeit
niedrigen Temperaturen ausgesetzt, müssen wir uns entsprechend
anziehen.
Bleib trocken - bleib warm
Um gerade bei
Outdoor-Aktivitäten richtig angezogen zu sein, man sich am Besten nach dem
"Zwiebelprinzip" kleiden. Das heißt im Klartext nichts anderes, als dass
man mehrere dünne Lagen Kleidung übereinander trägt. Meistens
werden drei Kleidungsschichten empfohlen: eine innere, eine
mittlere und eine äußere Schicht. Die innere Schicht,
die direkt auf der Haut getragen wird, sollte aus
Funktionsunterwäsche bestehen, die den Schweiß nicht aufsaugt
sondern von der Haut weg transportiert. Funktionsunterwäsche gibt
es von vielen verschiedenen Marken, meistens wird sie aus Polyester oder
Polypropylen hergestellt. Gegenüber Baumwolle haben diese Kunstfasern den
Vorteil der Transportfähigkeit für Schweiß. Während sich
Baumwollkleidung mit Schweiß vollsaugt und dann nass auf der Haut klebt,
so dass diese bei niedrigen Temperaturen und eventuell noch durch den Fahrtwind
(beim Mountainbiken) oder auch beim Laufen im Freien leicht auskühlen
kann, ist das bei der Funktionsunterwäsche nicht der Fall. Denn die
Kunstfasern speichern den Schweiß nicht. Sie sorgen vielmehr dafür,
dass er auf der Außenseite des Kleidungsstücks verdunstet oder an
die nächste Kleidungsschicht weitergeleitet wird. Was die modernen
Funktionsmaterialien leisten, wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält,
dass der Körper bei körperlicher Aktivität in einer Stunde
leicht zwischen ein bis zwei Liter Schweiß produzieren kann.
Zweite Schicht zur Wärmeisolierung
Während die
innere Schicht vor allem durch den Transport der Feuchtigkeit (Schweiß)
weg vom Körper für eine gute Wärmeregulation sorgt - und somit
auch entscheidend zur Verhinderung von lästigen Erkältungen
beiträgt - dient die mittlere Schicht vor allem der Isolierung des
Körpers. Natürlich muss auch diese zweite Schicht
wasserdurchlässig sein, damit der Schweiß durch sie hindurch
weiter nach außen transportiert werden kann. Generell gilt für diese
Schicht, dass Fleece als Stoff in dem viel Luft eingeschlossen ist sich
besonders gut eignet. Und Materialien mit viel Lufteinschluss eignen sich
besonders gut zum Isolieren. Dies hängt damit zusammen, dass Luft einer
der schlechtesten Wärmeleiter überhaupt ist, was in diesem Fall von
Vorteil ist.
Äußerste Schicht hält Wind und Regen
ab
Die größte Anforderung wird wohl an die
äußerste der drei Funktionsschichten gestellt. Denn sie soll sowohl
Wind und Regen abhalten, als wiederum auch den Schweiß von innen
durchlassen und Atmungsaktivität gewährleisten. Denn während
gewöhnliche Regenjacken aus Kunststoff sehr wohl wind- und durchaus auch
wasserdicht sind, lassen sie keinen Schweiß von innen durch und sind auch
nicht atmungsaktiv. Die Folge: Aufgrund fehlender Ventilation sammelt
sich der ganze Schweiß, was durchaus mehr als ein Liter sein kann, in der
Kleidung, die unter der Regenjacke getragen wird. Verschiedene Firmen haben
daher in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten entsprechende Materialien
entwickelt, die atmungsaktiv sowie wind- und regenabweisend sind und
gleichzeitig Schweiß von innen durchlassen. Das bekannteste Material ist
dabei wohl GORE-TEX, eine spezielle Membran, die 1976 entwickelt wurde.
Mittlerweile hat Gore auch weitere Materialien wie z.B. WINDSTOPPER entwickelt,
die in Kombination mit GORE-TEX oder alleine von vielen Sportartikelherstellern
oder Outdoor-Marken verarbeitet werden. Doch auch bei all den neuen Materialien
bleibt ein Problem weiterhin bestehen: Mit zunehmendem Schutz vor Wind und
Regen reduziert sich automatisch auch immer die Atmungsaktivität und die
Transportfähigkeit für Schweiß nach außen. Das gilt
für klassische Gewebe ohne Mebran genauso wie für Jacken, in den
Membranen eingenäht sind (wie etwa GORE-TEX). Die Schweißproduktion
kann dann sehr leicht die Transportfähifgkeit der Membran oder des Stoffes
für Wasser nach außen überschreiten. Das Ergebnis ist somit
selbst bei teuren Jacken mit hochwertigen Membranen ähnlich wie bei luft-
und wasserundurchlässigen billigen Regenjacken:
Unter der Jacke
sammelt sich Schweiß an, der nicht nach außen transportiert werden
kann.
Deshalb gilt als Empfehlung beim Training im Freien selbst
Jacken mit Membran oder aus Stoff der als "atmungsaktiv" bezeichnet wird,
nur bei Regen anzuziehen. Um für eine entsprechende
Temperaturregulation sorgen zu können, sollten die Jacken außerdem
über verschiedene Öffnungen verfügen, wie etwa
Reißverschlüsse unter den Armen, die bei Bedarf geöffnet werden
können. Zu bedenken ist auch, dass bei entsprechend großer
körperlicher Anstrengung durchaus eine einzelne Kleidungsschicht
ausreichen kann, um den Körper vor Wärmeverlust und Unterkühlung
zu schützen. Gerade Funktionsmaterialien wie Powerstretch oder PowerDry
der Firma Polartec, dem ersten Produzenten von Fleecestoffen im Jahre 1981
eignen sich dazu. Auch von Gore gibt es einen neuen Stoff (WINDSTOPPER Next To
Skin) der auf der Haut getragen werden kann und im Prinzip alle beschriebenen
Funktionen der drei Lagen des klassischen "Zwiebelprinzips" in einem
Kleidungsstück vereint. Der Stoff leitet den Schweiß von der Haut,
ist winddicht und gleichzeitig so gewebt, dass der Körper auch gut
isoliert ist.
Auch Kopf, Hände und Füße
schützen
Genauso wie man Oberkörper, Beine und Arme durch
das "Zwiebelprinzip"schützen sollte, gilt dieses natürlich auch
für die besonders empfindlichen Partien des Körpers wie Kopf
(insbesondere die Ohren!), Hände und Füße. Mützen und
Handschuhe, die es ebenfalls aus winddichtem Material gibt, können eine
entsprechende Funktionsausrüstung ideal ergänzen.
Sie müssen auch nicht die
ganze Zeit getragen werden, denn sowohl Mützen als auch Handschuhe lassen
sich nach dem Aufwärmen zu Beginn des Trainings oder Waldlaufs leicht in
Jacken- oder Hosentaschen verstauen, wenn es einem bei entsprechend intensiver
Belastung zu warm werden sollte. Gleichfalls gilt aber: Am Ende des Trainings,
beim "Cool Down" sollten sie möglichst wieder angezogen werden, um zu
großen Wärmeverlust zu verhindern. Ein weiteres Problem können
nasse Füße sein, gerade wenn es regnet und man über
längere Zeit im Freien ist. Es gibt auch Funktionssocken, aber Laufschuhe
sind eh nicht wasserdicht. Es wird daher empfohlen, über den
Funktionssocken noch Wollsocken anzuziehen. Dazu müssen die Laufschuhe
allerdings groß genug sein, so dass sie mit zwei Paar Socken noch passen
und nicht drücken. Bei ganz extremen Bedingungen und langem Training im
Freien empfiehlt es sich, eventuell auch ein trockenes Paar Socken zum Wechseln
mitzunehmen.
Faustregel für die richtige
Kleidungswahl
Als Faustregel gilt bei kaltem Wetter in Sachen
Kleidungswahl: Wenn man beim Aufwärmen oder zu Beginn des Trainings,
des Waldlaufs oder der Radtour etwas friert, ist man genau richtig
angezogen. Denn die Wärme die der Körper während der
Bewegung produziert - und das sind immerhin zwei Drittel des Energieumsatzes -
heizt den Körper auf. Wenn er entsprechend gegen
übermäßigen Wärmeverlust isoliert ist, reicht die eigene
Wärmeproduktion aus, um die Körperkerntemperatur zu erhalten. Wer
sich aber zum Training im Freien zu dick einpackt, der schwitzt
übermäßig. Selbst Funktionskleidung kann dann den Schweiß
nicht mehr von der Haut weg transportieren (siehe oben), die
Leistungsfähigkeit des Körpers wird herabgesetzt und die
Erkältungs- und Verletzungsgefahr erhöht sich. Doch wer sich nach dem
Zwiebelprinzip gekleidet hat, kann nun schnell und flexibel reagieren: Er zieht
einfach die äußerste Schicht aus! Neben der Faustregel gilt aber
auch, dass jeder seine eigenen Körpereigenschaften kennenlernen muss. Denn
nicht jeder Mensch schwitzt gleich stark und auch das Kälteempfinden ist
unterschiedlich. Während im Frühjahr manche Läufer schon wieder
in Shorts unterwegs sind, fühlen sich andere immer noch in langen
Laufhosen wohler.
Qualität hat ihren Preis
Zum
Abschluss noch ein paar Worte zum Preis von Funktionsbekleidung. Genauso wie
gute Laufschuhe oder ein gutes und sicheres Mountainbike oder Rennrad hat auch
moderne Funktionsbekleidung ihren Preis. Dazu kommt, dass die Reihe der
Anbieter fast unüberschau lang ist. Dabei gibt es wie so oft so genannte
"Nobelmarken", die besonders teuer sind, sowie Billiganbieter die am anderen
Ende der Preisspanne rangieren. Aber nicht immer ist ein Schnäppchen wie
das Funktionshemd, das es beim Discounter günstig gibt, die bessere Wahl.
Es gibt bei den Kunstfasern nämlich sehr wohl Unterschiede in der
Qualität der Verarbeitung die auch die funktionellen Eigenschaften des
Kleidungsstücks wie etwa die Wasserleitfähigkeit beeinflussen. Aber
es muss auch nicht immer die allerteuerste Marke sein. Denn sobald die
"klassischen" Materialien wie WINDSTOPPER, GORE-TEX oder Polartec verwendet
werden, garantiert das im Prinzip die Qualität des Materials; wobei diese
Qualitätsgarantie aber auch heißt, dass man abgesehen vom
Schlussverkauf die Funktionskleidung kaum als "Schnäppchen" erstehen wird.
Dafür bietet Gore aber zum Beispiel für GORE-TEX-Produkte eine
lebenslange Garantie. Im Einzelfachhandel ist ein Umtausch in der Regel
kein Problem, sollte die Kleidung nicht den Qualitätsstandards
genügen. Auch eine individuelle Beratung darüber, welche Marken bei
Funktionsbekleidung in einem günstigen Preis-Leistungsverhältnis
stehen, beziehungsweise welche Art von Funktionskleidung für welche Art
von Sport im Freien besonders geeignet ist, ist dort am Besten zu erhalten.
Dafür lohnt es sich durchaus auch einmal, den vielleicht etwas
höheren Preis im Vergleich zum Discounter oder Kaufhaus zu zahlen, wo man
aber möglicherweise Kleidung ersteht, die gar nicht für die geplante
Aktivität im Freien geeignet ist. In Sachen Funktionskleidung bieten
auch nicht immer die großen Namen die beste Funktionalität der
Kleidung. Während selbst Firmen wie Nike in ihrer All-Condition-Gear-Serie
(ACG) Gore- und Polartec-Materialien verwenden, versucht zum Beispiel adidas
eigene innovative Materialien (Clima Cool, Clima Shell) zu etablieren. Aus
eigener Erfahrung gesprochen sehen die Kleidungsstücke zwar meist
modischer aus, schneiden aber in Sachen Funktionalität teils schlechter
ab. Manchmal liegt der Unterschied auch in der Haltbarkeit. Als
weitere namhafte Vertreter von funktioneller Kleidung seien an dieser Stelle
Löffler aus
Österreich sowie
Odlo aus
der Schweiz genannt. Beide Hersteller bedienen vorwiegend den anspruchsvollen
Kunden, liefern in der Regel hochwertige Qualität, die allerdings auch
ihren Preis hat.
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Sich mit einem entsprechenden
Satz Funktionsbekleidung auszurüsten, um gut über den Winter zu
kommen, ist sicher keine billige Angelegenheit. Aber die Vorteile liegen auf
der Hand: Der bessere Feuchtigkeitstransport weg von der Haut sowie ein
besserer Schutz vor Regen und vor allem Wind reduzieren das
Verletzungs- und Erkältungsrisiko deutlich. Wer auch im Winter
nicht auf Sport im Freien verzichten will und sich daher zur Anschaffung von
Funktionsbekleidung entschließt, sollte sich auf jeden Fall im
Fachhandel gut beraten lassen und nach dem "Zwiebelprinzip"
einkleiden. Wichtig dabei ist jedoch: Nicht an einer der drei Schichten sparen!
Denn wer wie oben beschrieben über teure Funktionsunterwäsche und
Fleece eine billige Regenjacke trägt, verhindert, dass der Schweiß
auch wirklich vom Körper weg transportiert werden kann. Gleichzeitig macht
es keinen Sinn unter der teuren GORE-TEX-Jacke und dem Fleece als unterste
Schicht Baumwollunterwäsche und T-Shirt zu tragen. Denn dort wird der
Schweiß gespeichert und sorgt für größeres Auskühlen
der Haut. |
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