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Fitness.com Artikel

Nachbericht FIBO 2004

Eine durchweg positive Bilanz zogen die Aussteller der diesjährigen FIBO in Essen, die vom 22.- 25 April ihre Pforten für die Fitnessfachwelt und alle interessierte Fitnessjunkies öffnete. 48.000 Besuchern, nur wenige hundert mehr als im Vorjahr, konnten sich in diesen 4 Tagen auf der Weltmesse für Fitness, Wellness & Freizeit davon überzeugen, dass die Fitnessbranche allen Unkenrufen zum Trotz weiterhin am Leben ist und immer wieder mit Neuheiten auf sich aufmerksam machen kann. "Die Talsohle des Fitnessmarktes", die sich durch rückläufige Mitglieder- und Umsatzzahlen in den 5.700 deutschen Fitness-Studios bemerkbar macht, scheint laut Refit Kamberovic, dem Geschäftsführer des Deutschen Sportstudioverbandes (DSSV), mit der FIBO 2004 durchschritten worden zu sein. Dass die FIBO auch immer mehr an internationalem Charakter gewinnt, zeigte sich darin, dass sich in diesem Jahr Besucher aus 40 Nationen (Vorjahr 28) einfanden. Besonders darüber freute sich die FIBO-Direktorin Sandra Orth:"Die Zielsetzung, in der aktuell schwierigen Branchensituation den internationalen Fachmessecharakter der FIBO auszubauen, um für die gesamte Branche neue Kundenkreise aus dem Ausland zu erschließen, ist qualitativ wie auch quantitativ aufgegangen". Das der Trend der Branche zu Wellness, Health & Care hingeht, zeigte sich am Verkauf der Geräte. So waren die Renner 2004 wellnessorientierte Ausstattungen, Fitnessgeräte, Cardiogeräte sowie medizinische Geräte und Ausstattungen für den Rehabilitations-Bereich.

Ein Besuchermagnet der FIBO war sicherlich der Auftritt von Sylvester "Sly" Stallone, der die Messe nutzte, um auf seine neuesten Kinoprojekte aufmerksam zu machen. Bereits eine Stunde vor seinem Auftritt gab es kein Durchkommen mehr. Doch auch deutsche Stars, wie Susi Erdmann, Regina Halmich oder Rainer Calmund, der sicherlich kein gutes Beispiel für einen fitnessgestählten Körper abgibt, nutzten die Messe, um sich umfassend über Neuerungen zu informieren. Es hat sich damit im Jahr 2004 einmal mehr gezeigt, dass die Anwesenheit von Prominenten für stetig hohe Besucherzahlen sorgt, was in erster Linie natürlich den Ausstellern zu Gute kommt, die so ihr Angebotsspektrum auch anderen fachfremden Besuchern zugänglich machen können.

Ein Diskussionsthema im sogenannten FIBO-Talk war die Frage, ob sich der gesellschaftliche Wandel auf den Fitnessmarkt auswirken wird. Anlass waren Artikel diverser Magazine, die den Fitnessstudios in naher Zukunft das Aus verkündeten und die zunehmende Überalterung unserer Gesellschaft. Dr. phil. Theodor Stemper, Vorsitzender des Prae-Fit Gütesiegels, erläuterte, dass sich die Studiolandschaft auf der einen Seite im Umbruch befinde. Der Trend gehe ganz klar hin zum Gesundheitsaspekt, der auch von zahlreichen Krankenkassen unterstützt wird und seiner Meinung nach die nächsten Jahre das Studiogeschäft dominieren wird. Auf der anderen Seite gäbe es aber auch eine enorm hohe Nachfrage von Kunden, die ein "herkömmliches" Krafttraining betreiben wollten. Winfried Möck, Inhaber der Unternehmensberatung flowcon, sprach den Studiobesitzern mehr Mut zu, sich auch mal auf kurzfristig wirkende Trends einzulassen und Marktnischen auszufüllen. Nach Meinung der Experten wird sich der Fitnessmarkt in den nächsten Jahren dahin gehend entwickeln, dass sich zwei Zielgruppen bilden. Die einen bevorzugen Group-Fitness, während die zweite Gruppe mehr Wert auf individuelles Training legen wird und damit eine großen Markt für Personal-Trainer öffnet.

Die Ansprüche an die Studiobesitzer werden also steigen, allerdings nicht nur die Ansprüche an die Ausstattung, sondern vor allem auch die Ansprüche an das vorhandenen Personal, die leider allzu oft vergessen oder schlicht ignoriert werden. Die Fitnessbranche muss sich also dem gesellschaftlichen Trend zur Individualisierung und Überalterung anpassen und heterogene Leistungen anbieten, um so langfristig überleben und alle Interessen befriedigen zu können.

Man darf gespannt sein, ob sich die Studiobesitzer dem gesellschaftlichen Wandel unterwerfen werden und sich mit der zunehmenden Annäherung an den Gesundheitsmarkt wirklich einen Gefallen tun. Denn im Endeffekt macht man sich damit von der politischen Lage in Deutschland und von zahlreichen Krankenkassen abhängig, die in Zukunft eventuell Mitgliedsbeiträge subventionieren möchten.

In diesem Zusammenhang muss man sich sicherlich auch die Frage stellen, ob der Name FIBO, der für Fitness und Bodybuilding steht, in den nächsten Jahren noch sinnvoll ist, da die Messe von dem Gedanken des reinen Fitness- und Bodybuildingtrainings immer mehr abschweift und sich eigentlich ganz neuen Sektoren öffnet (Wellness, medizinischer Sektor, Promi- und Starrummel). Natürlich muss man sich als Messe auch dem gesellschaftlichen Wandel anpassen, doch sollte der eigentliche Grundgedanke des Fitness- und Bodybuildingsport in den nächsten Jahren nicht verloren gehen.



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Autor: Benjamin Göddel
 




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