Die Atkins-Diät
"low carb"-Ernährung - mit dem Atkins-Plan
an der Spitze - ist der neuste Trend, der die USA erfasst hat.
Eigentlich gibt es die Idee ja schon lange. Bereits in den
70er Jahren veröffentlichte Dr. Robert Atkins seine
Ernährungsphilosophie unter dem Namen "Dr. Atkins' Diet Revolution", die
da lautet:
Im Mittelpunkt der täglichen Ernährung sollte
der Verzehr von Lebensmitteln mit geringen Kohlehydratanteil stehen,
zuckerhaltige Lebensmittel, Brot, Nudelgerichte, Müsli und
stärkehaltige Lebensmittel hingegen sollten möglichst gemieden
werden.
Und genau diese "low carb"-Ernährung (carb für
carbohydrates, im Englischen für Kohlenhydrate) feiert in den USA in den
letzten Monaten einen ungeahnten Siegeszug. An der Spitze der "low
carb"-Bewegung steht die "Atkins diet", benannt nach dem inzwischen
verstorbenen Dr. Robert Atkins.
"low carb"-Rummel in den USA
Dabei erreicht der "low carb"-Rummel bisher ungeahnte
Ausmaße. Denn nicht nur, dass die von Atkins beworbene Umstellung der
Essgewohnheiten auf eine kohlenhydratarme Ernährung von der Firma Atkins
Nutritionals Inc. mit Hilfe der eigenen Internetseite (www.atkins.com) oder dem neu
aufgelegten Buch "Dr. Atkins' New Diet Revolution, das mittlerweile mehr als
10 Millionen Mal verkauft wurde, beworben wird. Atkins Nutritionals ist es
vielmehr gelungen, Verträge mit zahlreichen großen Supermarktketten
wie Wal-Mart zu schließen, so dass die rund 50 Lebensmittel und um die
100 verschiedenen Nahrungsergänzungsmittel der Firma Atkins in über
30000 Geschäften in den ganzen USA verkauft werden. Und in einer Serie der
Fersehshow "Dateline" des US-Fersehsenders NBC ließ sich ein Kandidat ein
Jahr lang beim Abnehmen mit Hilfe des Atkins-Plans filmen. Doch auch damit noch
nicht genug. Der ganz große Coup ist Atkins nämlich jetzt gelungen,
indem die Firma es sogar geschafft hat, dass Restaurantketten wie Ruby Tuesday,
Subway oder TGI Friday "Atkins-zertifizierte" Gerichte anbieten.
Vier-Phasen-Plan zur gesünderen
Lebensphilosophie
Was steckt also hinter der Atkins-Philosophie? Grob umrissen soll
die Umstellung von einer ungesunden Ernährung, die zu Übergewicht
geführt hat, auf eine gesündere Lebensweise in vier Schritten
geschehen. Zunächst wird in der Einführungsphase die
Kohlenhydrat-Aufnahme auf 20 Gramm pro Tag reduziert, wobei die Kohlenhydrate
vor allem in Form von Salaten und Gemüse, das arm an Stärke ist,
aufgenommen werden sollen. Dies soll zu einem schnellen Gewichtsverlust
führen. In der zweiten Phase wird die Kohlenhydrataufnahme dann
schrittweise um 5 Gramm pro Tag pro Woche gesteigert, bis zu einem Wert, bei
dem keine Gewichtsreduktion mehr erfolgt. Mit einem Wert von 5 Gramm unter dem
Schwellenwert wird die Atkins-Ernährung fortgesetzt, so dass weiter etwas
Gewicht verloren werden sollte. Die dritte Phase bereitet die Aufrechterhaltung
des reduzierten Gewichts vor. Hier soll der Übergang von der
Gewichtsreduktion zur Gewichtserhaltung geschafft werden. Dafür wird die
Kohlenhydrat-Aufnahme in 10 Gramm-Schritten gesteigert, und zwar so, dass
weiterhin ein ganz langsamer Gewichtsverlust erhalten bleibt. In Phase vier
schließlich sollte eine kohlenhydratarme Ernährung aus
möglichst vielen verschiedenen Lebensmitteln ausgewählt werden,
wodurch das Gewicht stabil gehalten und das allgemeine Wohlbefinden verbessert
werden soll.
Kritik am "neuen" Atkins-Plan
Die Atkins-Anbieter versprechen von der dauerhaften
Umstellung der Essgewohnheiten natürlich Gewichtsverlust, aber
zusätzlich - da es sich um eine dauerhafte Umstellung handelt - auch keine
erneute Gewichtszunahme nach Erreichen der vierten Phase. Zusätzlich
sollen die allgemeine Gesundheit positiv beeinflusst und langfristig
möglichen Krankheiten vorgebeugt werden. Medizinische Studien zur Wirkung
von kohlenhydratarmen Ernährungsplänen sind in der Zwischenzeit
durchgeführt worden, und die Atkins-Internetseite präsentiert
zahlreiche Arbeiten dazu. Aber es gibt natürlich auch Kritiker der
Atkins-Ernährung. "Damit die Sache wirklich funktioniert, muss man sich
diesen Ernährungsumstellungen auch wirklich lebenslang verpflichten",
erklärt Ernährungsberaterin Dora Jarvis gegenüber einer Zeitung
aus South Dakota. "Ansonsten droht die gleiche Gewichtszunahme wie bei anderen
Diäten, wenn man mit der proteinreichen und kohlenhydratarmen
Ernährung wieder aufhört." Jarvis kritisiert auch die geringe Anzahl
an Lebensmitteln, die man essen kann, wenn man sich nach dem Atkins-Plan
ernähren will. Dazu kommt, dass wer sich nach dem Atkins-Plan ernährt
auch nicht genügend Vitamine und Minaralstoffe zu sich nimmt - was Atkins
Nutritions durch den Verkauf von Nahrungsergänzungsmitteln auszugleichen
versucht. Gerade die Einführungsphase des Atkins-Plans kritisiert Jarvis:
"Da nehmen die Personen nur 16 Prozent des täglichen Bedarfs an
Getreide auf und weniger als zwei Drittel der Nährstoffe, die sie
brauchen. Dafür sind in ihrer Ernährung der doppelte Tagesbedarf an
gesättigten Fetten und dreimal so viel Cholesterin enthalten."
Bewegung ist und bleibt wichtig
Keine zentrale Stellung in der Atkins-Philosophie nimmt auch
körperlich Bewegung ein. Zwar wird eingeräumt, dass Sport und
Bewegung nicht nur den Gewichtsverlust beschleunigen können, sondern auch
generell zu einem gesunden Lebensstil beitragen, aber ausdrücklich
eingeschlossen in den Atkins-Plan ist körperliche Bewegung nicht. Es gibt
also trotz wissenschaftlicher Studien zum Nutzen einer kohlenhydratarmen
Ernährung und dem großen Hype um diese "neue" Form der
Ernährungsumstellung genug gute Gründe skeptisch zu bleiben. Letzlich
beruht nämlich die Gewichtsreduktion durch den Atkins-Plan wie alle
erfolgreichen Programme nur auf einem Effekt: auf einer negativen Energiebilanz
pro Tag oder pro Woche des Stoffwechsels wodurch Fettgewebe abgebaut wird
(siehe Artikel Energieumsatz). Ob eine
entsprechend negative Energiebilanz zum Abnehmen oder eine ausgeglichene
Energiebilanz um sein Gewicht nach dem Abnehmen zu halten nun aber am besten
durch eine kohlenhydratarme oder eine fettarme Ernährung erreicht wird,
das wird in Medizinerkreisen offensichtlich noch kontrovers
diskutiert. Wichtig scheint hingegen folgendes: Wer seinem Körper
tatsächlich langfristig etwas gutes tun will,
der darf
neben einer Umstellung auf eine bewusste Ernährung (siehe Artikel
Gesunde
Ernährung), die sich am Energieumsatz orientiert, nicht auf Bewegung
verzichten. Denn diese steigert nicht nur den Energieumsatz und erleichtert
somit bei entsprechend kontrollierter Energiezufuhr den Abbau von
Körperfett, sondern hat auch noch andere positive Wirkungen.
|