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Mainz Marathon: Warten auf die Schmerzen

Während des Marathon hilft das Adrenalin, aber danach?


Das Wichtigste vorneweg: Unser fitness.com-Läufer Mathias Giese ist angekommen. Wohlbehalten angekommen wäre vielleicht schon etwas übertrieben, aber zumindest aufrecht. Alleine die Bewältigung der 42,195 Kilometer langen Strecke des Mainzer Gutenberg Marathons ist aller Ehren wert. Die Zeit des 23-jährigen Physiotherapeuten allerdings verdient uneingeschränkten Respekt: Nach 3:36 Stunden überquerte Giese als 543. von insgesamt 8600 Teilnehmern (wobei nur etwa 3000 die volle Marathon-Distanz absolvierten) mit Startnummer 1151 die Ziellinie vor dem Rathaus. Wenn man aber nun bedenkt, dass schon beim Start um 9:30 Uhr die Sonne brannte, dass ein Tag vor dem Marathonlauf ein guter Freund Gieses seinen Geburtstag gefeiert hatte und Giese nolens volens zwei Bierchen mit ihm trinken musste; wenn man außerdem bedenkt, dass Giese nach 36 Kilometern dermaßen starke Krämpfe bekam, dass er zwischenzeitlich anhalten musste, um sich zu dehnen – dann muss man sagen, dass Zeit und Platzierung der Leistung der beiden Sieger (der Ukrainer Andrej Naumov in 2:14 Stunden bei den Herren und die Deutsche Ilona Pfeiffer in 2:46 Stunden bei den Damen) in nichts nachsteht. „Ich habe wohl zu wenig Wasser getrunken“, kommentierte Giese direkt nach dem Rennen sichtlich abgekämpft, aber erleichtert. Seine persönliche Vorgabe von 3:30 Stunden war trotz der schwierigen Umstände fast geschafft.

Schwierig sind die Umstände während des Gutenberg-Marathons auch für die Anwohner: Zehntausende Zuschauer säumten den Rand der für den Verkehr gesperrten Strecke durch die Innenstadt – für alles, was Räder und keine Beine zur Fortbewegung nutzt, gab es bis zum frühen Nachmittag kein Durchkommen, auch die Stadtbusse stellten für die Dauer des Marathonereignisses ihre Fahrten ein. Der Gutenberg-Marathon gleicht einem Volksfest und auch wenn bei der 8. Ausgabe in diesem Jahr auch erstmals offiziell die deutschen Meister gekürt werden durften, zieht der Lauf eher die Hobbysportler wie Mathias Giese als die professionellen Langstreckler an – anderswo gibt es für die „Profis“ einfach mehr Preisgeld zu gewinnen. Und Mainz wäre nicht Mainz, wie es singt und lacht, wenn nicht auch Anfang Mai - bei sommerlichen Temperaturen und eigentlich lange nach der närrischen fünften Jahreszeit - die Kapellen der traditionellen Vereine mit ihren Repertoire an Fastnachtsstimmungsliedern aufwarten würden. So quälten sich die Marathonis schweißgebadet zu den Klängen von „Ole, ole Fiesta, Fiesta hier am Rhein“ durch die Rheinallee.

Mathias Giese überraschte die Fastnachtsbegeisterung der Rheinhessen nicht mehr, schließlich wohnt der gebürtige Thüringer schon eine Weile in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. Geschafft saß er nun im Zielbereich neben seiner Freundin, die ihn auf der Strecke angefeuert hatte. „Morgen wird es wehtun. Am Dienstag werden es höllische Schmerzen sein und ab Mittwoch wird es langsam besser“, blickte Giese schon ein wenig in die schmerzvolle Zukunft – er kennt das, es war ja bereits sein zweiter Marathon. Sport könne er erst wieder ab Freitag treiben. „Blöd nur, dass ich am Freitag einen Eignungstest an der Gutenberg-Universität bestehen muss, damit ich dort Sport studieren darf“, grinst er spitzbübisch. Was er denn jetzt mit dem angebrochenen Sonntag noch mache? Auf der Couch liegen? Sich feuchte Tücher um die lädierten Muskel wickeln? „Wir gehen heute Abend grillen“, antwortete Giese und blickte vergewissernd zur Freundin – Bierchen nicht ausgeschlossen. Die Strapazen – vor allem ab Kilometer 36 - schienen schon fast vergessen.

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