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Das Geheimnis der Freistoßschützen

Der perfekte Schuss braucht kleine Füße


Der perfekte Treffpunkt - Das ist schon seit Jahrzehnten das Geheimnis eines guten Freistoßschützen.

(Shanghai) Michael Fuchs hat per se große Probleme, Aya Miyama kopieren zu müssen. Der Torwarttrainer der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft ist 1,97 Meter groß und 93 Kilogramm schwer, die Japanerin Miyama misst 157 Zentimeter und bringt gerade mal 49 Kilogramm auf die Waage. Doch im Training am Samstag sollte Fuchs eine Zeit lang Miyama kopieren, die mit der japanischen Nationalmannschaft gegen Deutschland um den Einzug ins Viertelfinale der Weltmeisterschaft kämpft.

Indes sollte der 37 Jahre alte Fuchs nicht den grazilen Bewegungsablauf der zierlichen japanischen Nationalspielerin nachahmen, – daran wäre er grandios gescheitert - sondern lediglich ihre Schusstechnik. Doch auch das war nicht so wirklich erfolgreich. Immer wieder mühte sich Fuchs, den Ball in einer solchen Kurve aufs Tor zu schießen, wie Miyama das gegen England zwei Mal so formvollendet tat, dass Japan tatsächlich zwei Tore und einen Punkt in einem Spiel ergatterte, das komplett von den Gegnerinnen beherrscht wurde.

Wenn hingegen Fuchs den Ball nach kerzengeradem Anlauf im Stil Miyamas mit dem Spann in Richtung des Tores von Nationaltorhüterin Nadine Angerer drosch, dann flog er entweder meterweit am Tor vorbei oder sogar deutlich darüber hinweg. Miyamas eigenartiger Schusstil ist offenbar tatsächlich unnachahmlich, womöglich auch, weil ihre Schuhgröße und damit der Treffpunkt des Balles ein völlig anderer ist als beim “Riesen” Fuchs. “Ich habe Schuhgröße 34, was mir sicher hilft, richtig unter den Ball zu kommen”, sagt Miyama. “Aber ich habe keine Ahnung, ob man mit größeren Schuhen genauso schießen kann. Ich werde das wohl auch nicht mehr selbst erfahren können, da meine Füße nicht mehr wachsen werden.”

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Tatsächlich macht es aus rein physikalischen Gründen Sinn, von gewissen Vorteilen Miyamas auszugehen, die sowohl beim 2:2 gegen England wie auch beim 1:0-Sieg gegen Argentinien die einzige wirkliche Stärke der japanischen Offensive war. Die kleinen Füße ermöglichen ihr einen ganz anderen Hebel als beispielsweise einer Spielerin mit Schuhgröße 40. Einen ähnlichen Wettbewerbsvorteil hatte bei den Männern früher Lothar Matthäus mit seinen unmännlich kleinen Füßen der Schuhgröße 38.

Doch die Flugkurve des Balles ist nicht das einzige Rätsel, das die Japaner ihren Gegnerinnen bei Miyamas Freistößen aufgeben. Bundestrainerin Silvia Neid wunderte sich noch gestern über zwei Spielerinnen, die bei Miyamas Anlauf vor der gegnerischen Mauer kniend kauerten. “Ich habe bis heute nicht kapiert, was sie damit bezwecken”, sagte Bundestrainerin Silvia Neid vor dem Spiel des Gruppenersten Deutschland gegen die punktgleichen Asiatinnen. Ihr japanischer Kollege verriet das Geheimnis aber wenig später auf Nachfrage: “Die Spielerinnen sollen der gegnerischen Torhüterin den Blick auf den ruhenden Ball durch die Beine der Mauerspielerinnen verstellen”, sagte Hiroshi Ohashi.

Die gute Idee hatte indes bei einem Freistoß gegen Argentinien einen kleinen Haken: Miyama traf den Ball ausnahmsweise mal nicht perfekt. Statt im Tor landete der Ball im Unterleib einer der beiden auf dem Boden kauernden Mitspielerinnen. Ein solches Missgeschick unterlief den Japanerinnen gegen Deutschland zwar nicht, aber zum Sieg schießen konnte Aya Miyama ihr Team eben auch nicht. In einem umkämpften Spiel setzten sich die deutschen Frauen 2:0 durch.

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