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Professioneller Gummi-Twist

Wie Fußball-Profis sich auf die Rückrunde vorbereiten


Die Spieler Fabian Gerber und der Koreaner Cha bei Stabilisationsübungen in Andalusien

Die Spieler Fabian Gerber und der Koreaner Cha bei Stabilisationsübungen in Andalusien

Der Kiebitz am Spielfeldrand des Trainingsplatzes des andalusischen Küstenstädtchens Costa Ballena wundert sich: "Das soll harte Vorbereitung sein?", fragt der rüstige Rentner. "Wann machen die denn endlich mal was für ihre Kondition?" Statt Aufsehen erregender Steigerungsläufe oder einem Zirkeltraining räkeln sich die Bundesligakicker des FSV Mainz 05 auf blauen Iso-Matten scheinbar faul in der Sonne. Mal wird das rechte Beinchen nach links gelegt, mal das linke nach rechts.


"Das sind Stabilisationsübungen", sagt Konditionstrainer Axel Busenkell. "Wenn die richtig ausgeführt werden, sind die richtig anstrengend, auch wenn es nicht so aussieht." Zudem seien die Übungen ungemein effektiv. Busenkell arbeitet schon seit sieben Jahren intensiv mit den Mainzer Spielern an deren Fitnesswerten, seit geraumer Zeit räumt er modernen Methoden immer mehr Raum im Vergleich zu klassischen Konditionstraining mit Waldläufen und Krafttraining ein.


Stabilisationsübungen sind effizienter als stures Muskeltraining

"Ich bin vollkommen überzeugt vom Sinn der Sache", sagt Busenkell. "Ein stabiler Rumpf ermöglicht erst die richtige Kraftübertragung bei einem Spieler. Das ist wie bei einem Auto oder bei einem Fahrrad: Nur wenn die Einzelteile optimal zusammenwirken, kann der Spieler seine Power auch wirkungsvoll einsetzen." Im Fall des Fußballers und überhaupt des Leistungssportlers kooperieren die Einzelteile in Muskelketten. Ein Muskel kann noch so gut gekräftigt sein, im Sinne der Effizienz könnte er dennoch so wirkungslos sein wie ein untrainierter Kraftspender, wenn er völlig isoliert trainiert wird. Anders ausgedrückt: Die Muskelmassen eines Arnold Schwarzenegger können vermutlich deutlich weniger Berge versetzen als die effektiv stabilisierte Muskulatur eines Fußballers.

"Uns geht es in der täglichen Arbeit darum, die Muskelketten zu aktivieren", sagt Busenkell. "Auch wenn das vielleicht anfangs etwas komisch aussieht, so haben wir die Spieler von der Sinnhaltigkeit schnell überzeugt." Den letzten Schub gaben die Erfolge der deutschen Nationalmannschaft während der Fußball-Weltmeisterschaft. Die von Jürgen Klinsmann eingeführten Methoden des US-Fitnesstrainers Mike Verstegen trugen ihren Teil dazu bei, dass die deutschen Kicker als eines der fittesten Teams des Turniers eine starke Weltmeisterschaft spielen konnten.

Kraftübertragung wie bei einem Auto

Rang drei resultierte zu einem Teil auch aus der kontinuierlichen Arbeit des amerikanischen Fitness-Experten. Anfangs wurden vor allem die grellbunten Gummibändchen belächelt, die Verstegen um Knöchel und Oberschenkel der Spieler legte. Erst nach einiger Zeit kamen sich die Nationalspieler nicht mehr wie Ballettschülerinnen vor, sondern akzeptierten die merkwürdig aussehenden Maßnahmen der Betreuer. "Ein Spieler merkt nach geraumer Zeit, dass er körperlich von dem Training profitiert", sagt Busenkell. "Dann ist ihm als Profi völlig egal, wie es aussieht, wenn er die Übungen durchführt."



Den Breitensportler warnt Busenkell unterdessen vor dem allzu leichtsinnigen Einsatz der modernen Methoden. "Eigentlich muss immer ein geschulter Beobachter dabei sein, der die Bewegungen genau überwacht. Es geht da um genaue Winkel, in denen die Übungen absolviert werden müssen, sonst können sie eher schädlich als nützlich sein." Bei Busenkelles Arbeitgeber im Ambulanten Reha-Zentrum Mainz-Mombach schauen ausreichend viele ausgebildete Trainer den Übenden über die trainierende Schulter. "Dann kann man auch als Hobby-Sportler in die Thematik einsteigen. Sonst rate ich eher davon ab."
Stattdessen sollten sich Freizeitsportler eher an Pilates-Übungen, beispielsweise auch mit Geräten orientieren. Diese hätten Effekte, die in die gleiche Richtung gingen, seien aber deutlich weniger anfällig für ungesunde Fehlbewegungen.


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