Körperbewusstsein ist sehr eng an die Beurteilung des
eigenen Körpergewichtes geknüpft. Für die meisten Menschen ist
dabei vor allem ein sowohl gesundheitliches als auch
ästhetisches Idealgewicht anzustreben. Die bloße Betrachtung
des äußeren Erscheinungsbildes im Spiegel ist subjektiv und
unterliegt der Selbsteinschätzung, was genau unter zu dick und zu
dünn im eigentlichen Sinne zu verstehen ist. Eine objektive
Möglichkeit, das eigene Körpergewicht zu beurteilen besteht in
der Bewertung des Verhältnisses aus Körpergröße und
Körpergewicht, etwa mit Hilfe der BROCA-Formel oder des Body-Mass-Index
(BMI).
Ein grundsätzliches Problem der o. g. Indizes besteht
darin, dass sie nicht zwischen unterschiedlichen Massenanteilen
(Kompartimenten) unterscheiden können. Versteht man unter Übergewicht
eine Erhöhung des Körperfettanteils, wird deutlich, dass BROCA und
BMI lediglich eine verhältnismäßig hohe Körpermasse im
Vergleich zur Körpergröße, nicht aber Übergewicht
feststellen können. Bei der Untersuchung sehr großer Populationen in
der Epidemiologie sind diese Formeln praktikabel, für eine individuelle
Betrachtung und Diagnose können sie nicht hinreichend differenzieren. Eine
Messung des Körperfettanteils ist deshalb erforderlich.
Durch die Messung des Körperfettanteils kann einerseits
Übergewicht diagnostiziert werden und andererseits können
Fortschritte kombinierter Ernährungs- und Trainingsprogramme zur
Reduzierung des Körperfettes dokumentiert werden. Vor dem Hintergrund der
Öffnung des Fitnessmarktes hin zum Gesundheitssport ist
Körperfettmessung eine Leistung, die jeder Fitness-Club anbieten sollte.
Wie wird Körperfett gemessen?
Ausgangspunkt ist
die Einteilung der gesamten Körpermasse in Anteile, sogenannte
Kompartimente. Nach dem 2-Kompartiment-Modell (Abb. 1) kann die
Köpermasse in Fettmasse (FM) und fettfreie Masse (FFM) unterteilt werden.
Mehr-Kompartiment-Modelle (Abb.2)unterteilen die
Körperzusammensetzung noch etwas differenzierter, indem die
Zusammensetzung der FFM noch näher beschrieben wird.


Die FFM setzt sich ihrerseits hauptsächlich aus Muskelgewebe, inneren Organen, Knochen und Mineralien zusammen. Die dichotome Unterteilung in FM und FFM ist zwar stark vereinfacht, hat sich als Grundlage der Fettmessung aber durchaus bewährt.
Der ideale Körperfettanteil
Nach einer Studie des Institute for Aerobics Research 1994 zitiert nach Schönthaler 2000 werden folgende Körpefettanteile als ideal betrachtet:
| Frauen Körperfett in % | Alter | Männer Körperfett in % | ||||||
| 18,9 | 22,1 | 25,0 | 29,6 | 20-24 | 10,8 | 14,9 | 19,0 | 23,3 |
| 18,9 | 22,0 | 25,4 | 29,8 | 25-29 | 12,8 | 16,5 | 20,3 | 24,3 |
| 19,7 | 22,7 | 26,4 | 30,5 | 30-34 | 14,5 | 18,0 | 21,5 | 25,2 |
| 21,0 | 24,0 | 27,7 | 31,5 | 35-39 | 16,1 | 19,3 | 22,6 | 26,1 |
| 22,6 | 25,6 | 29,3 | 32,8 | 40-44 | 17,5 | 20,5 | 23,6 | 26,9 |
| 24,3 | 27,3 | 30,9 | 34,1 | 45-49 | 18,6 | 21,5 | 24,5 | 27,6 |
| 25,8 | 28,9 | 32,3 | 35,5 | 50-54 | 19,5 | 22,3 | 25,2 | 28,3 |
| 27,0 | 30,2 | 33,5 | 36,7 | 55-59 | 20,0 | 22,9 | 25,9 | 28,9 |
| 27,6 | 30,9 | 34,2 | 37,7 | 60 + | 20,3 | 23,4 | 26,4 | 29,5 |
Methoden der Körperfettmessung
Nach Schutz (1995) unterscheidet man direkte Methoden, indirekte Methoden und doppelt indirekte Methoden.
Direkte Methoden
Darunter fasst man Körperfettmessungen zusammen, die postmortal, also am Leichnam, durchgeführt werden. Sie liefern zwar die genauesten Auskünfte, sind aber am lebenden Menschen nicht durchführbar.
Indirekte Methoden
Sie basieren auf bereits vor der Messung bekannte oder geschätzte Daten und schließen damit auf den Körperfettanteil. An dieser Stelle, schleicht sich die allen Messmethoden innewohnende Ungenauigkeit ein.
Gold-Standards in der Körperfettmessung
Als Referenzmethoden haben sich vorwiegend das hydrostatische Wiegen und die Dual-Energy X-ray Absorptiometry (DEXA) herauskristallisiert.
Das hydrostatische Wiegen
Bezugnehmend auf die o. g. Kompartiment-Modelle können den unterschiedlichen Körpergeweben unterschiedliche spezifische Dichten zugeordnet werden. Beim hydrostatischen Wiegen wird der Proband unter Wasser gewogen. Sehr vereinfacht ausgedrückt macht man sich den Zusammenhang zu Nutze, das Fett eine geringere Dichte hat als Muskelmasse und der Auftrieb eines adipösen Menschen bei gleichem Körpergewicht höher ist als bei einem Athleten. Der Athlet ist demnach unter Wasser schwerer als der "gleichschwere" adipöse Mensch. Mit Hilfe von verschiedenen Formeln kann sehr genau vom Körpergewicht und Auftrieb auf den Fettanteil geschlossen werden.
Die DEXA-Methode
Bei der DEXA-Methode wird davon ausgegangen, dass unterschiedliche Körpergewebe Röntgenstrahlung in unterschiedlichem Maße abschwächen. Die Körpermasse kann somit in mageres Gewebe, fettes Gewebe und Knochen unterteilt werden.
Beide Methoden führen zu sehr genauen und zuverlässigen Werte, sind aber aufgrund des hohen apparativen und finanziellen Aufwandes in der klinischen Praxis oder im Fitness-Club nicht durchführbar. Es müssen demnach solche Verfahren gefunden werden, die preisgünstig und unkompliziert sind und kein speziell geschultes Personal erforderlich machen.
Doppelt indirekte Methoden
Zu diesem Zweck wurden doppelt indirekte Methoden entwickelt. Sie basieren auf statistischen Zusammenhängen zwischen gemessenen Werten und solchen, die mit Hilfe einer Referenzmethode gemessen wurden. Misst man zum Beispiel die Hautfaltendicke an mehreren Stellen und addiert sie zusammen, so besteht ein hoher Zusammenhang zwischen diesem Wert und dem tatsächlichen Körperfettgehalt. Durch die Möglichkeit, mit Hilfe von Formeln von einem solchen sehr einfach messbaren Wert auf den Körperfettanteil zu schließen, können preiswerte Messverfahren für den mobilen Einsatz entwickelt werden.
In den letzten Jahren traten zahlreiche Hersteller von Körperfettmessgeräten an den Markt heran. Die Geräte unterscheiden sich im jeweiligen Messverfahren, im Preis und in ihrer Genauigkeit. Die wichtigsten mobilen Körperfettmessverfahren sind die Kalipermetrie, die bioelektrische Impedanzanalyse (BIA) und die Infrarot-Messung. Die bekanntesten doppelt indirekten Körperfettmessgeräte sind etwa die Körperfettanalyse-Waagen von Tanita, der Body-Composition-Analyzer von Futrex oder das Körperfettmessgerät der Firma Omron.
Was die gängigen Geräte kosten, wie sie funktionieren und wie genau sie messen, können Sie nächste Woche auf Fitness.com im Teil 2 dieses Beitrages nachlesen.
Autor : Thomas Markmann










