Natürlich sind Ziel und Nutzen solcher Forschungen die angesprochenen gentherapeutischen Verfahren. Die vielversprechenden Myostatinblocker sollen in erster Linie Patienten mit Erbkrankheiten wie Muskeldystophie oder Osteroporose eine Heilung versprechen.
Aber auch der Leistungssport verfolgt solche Forschungen immer sehr wachsam. Die Ergebnisse der Studien zu Mystatin Antiköpern machen speziell die Szene des Profibodybuilding neugierig. Seit Jahren werden in Internetforen Forschungsberichte besprochen und es werden Beschaffungswege und Nebenwirkungen diskutiert. Die Vorteile gegenüber den klassischen Dopingmitteln (Steroide, Wachstumshormone und Insulin) liegen auf der Hand. Gendoping ist effektiver, sicherer, hat (vermutlich) weniger Nebenwirkungen und kann vor allem bei Dopingtests nicht nachgewiesen werden.
Das bedeutet: Gründe die neuen Technologien nicht zu nutzen sind ausschließlich ethischer Natur. Wobei sich gerade im Bereich des Profibodybuilding zusätzlich ästhetische Fragen aufdrängen: In den letzten 10 Jahren ist das Durchschnittsgewicht von Profibodybuildern um rund 25 kg gestiegen. Schon jetzt scheinen damit zu viele Grenzen künstlich überwunden worden zu sein. Wer möchte einen Bodybuilder von 180 kg bei 3 % Körperfett sehen? Es verbreitet sich zunehmend eine Nostalgie die sich der Zeiten erinnert als es im Sport Helden gab, die sich durch Disziplin und gute Gene an die Grenzen des Menschenmöglichen herankämpften.
Leider beschränkt sich aber heutzutage der Perfektionswahn nicht bloß mehr auf den Leistungssport. Wo Wyeth Pharmaceutics die Myostatinhemmer noch gegen die Krankheit der Muskelhystrophie entwickelt, nennt die Firma Biomorphics als Anwendungsgebiete altersbedingten Muskelschwund und „Anti-Aging“.
Auf die Frage ob sich ethische Einwände gegen kommerzielle oder ideologische Interessen durchsetzen können, antwortet Dopingforscher Patrick Diehl: „Nein, das glaube ich nicht. Beim Doping gilt: Was möglich ist, wird angewandt.“
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