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Fitness.com: Herr Schmidt, eine Zeitung titelte ein Porträt über Sie jüngst mit: „Ernster Anwärter auf Olympia-Ticket“. Hätten Sie sich vor vier Jahren, als Sie ihre Sportart während der Spiele in Athen im Fernsehen sahen, erträumt, dass sie in Peking vielleicht selber dabei sein würden?
Sebastian Schmidt: Gute Frage... aber ich denke mal schon. Aber davon träumen und jetzt die Chance zu haben ist schon ein Unterschied.
Fitness.com: Wie sehen Sie ihre Chancen auf eine Teilnahme, wovon hängt ihre Nominierung noch ab? Wo haben Sie die größeren Chancen? Im Zweier, Vierer, Achter?
Schmidt: Eine Einschätzung meiner Chancen fällt mir relativ schwer. Die bisher absolvierten Tests, die Langstrecke im Zweier, welche ich mit meinem Partner Jochen Urban (Krefeld) gewonnen habe und ein guter Ergometertest haben die Chancen sicherlich nicht geschmälert. Ausschlaggebend werden aber die noch folgenden Überprüfungen sein. Das sind zunächst eine weitere Langstrecke im Zweier und ein Ergotest, aber sicherlich am wichtigsten ist die Deutsche Kleinbootmeisterschaft im April. Nach diesen Tests wird dann vorläufig die Mannschaft für die World Cup Regatten nominiert, wichtig wird aber auch die Trainereinschätzung, sowie die Passfähigkeit als auch die Teamfähigkeit sein. Um dabei sein zu können, egal in welcher Bootsklasse, muss ich auf allen Test gut abschneiden und auf das Quäntchen Glück hoffen.
Fitness.com: Sie sind selbst in Ihrer Heimatstadt nur Sportinteressierten bekannt, bundesweit kennen Sie nur Ruder-Fans. Können Sie sich erklären, warum ihre Sportart ein Schattendasein fristet? Wären Sie vielleicht lieber Fußballer geworden oder ist es Ihnen nicht wichtig berühmt zu sein?
Schmidt: Nein, Fußballer wäre ich nicht gerne geworden. Berühmt sein ist zwar bestimmt nicht schlecht, aber ich bin doch lieber eher unbekannt und mache dafür aber einen super Sport. Dem Rudern fehlt das große Publikum, somit auch die großen Sponsoren und die Presse und wodurch keiner aufs Rudern aufmerksam wird. Schön der Teufelskreis, nicht wahr?
Fitness.com: Ruderer können von ihrem Sport nicht leben, Sie beispielsweise sind im „Hauptberuf“ Student. Ihr Sport kostet Sie aber doch wahrscheinlich sehr viel Zeit. Wie oft trainieren sie wöchentlich, wie lange? Wie viele Tage im Jahr sind sie unterwegs für den Sport, auf Wettkämpfen, in Trainingslagern?
Schmidt: In dieser Saison war ich schon zwei Wochen auf Zypern im Rennradlager, zwei Wochen in St.Moritz zum Skilanglaufen und jetzt das zweite Mal für zwei Wochen in Italien zum Rudern. Das klingt eigentlich ganz gut, nur bekommt man von den Reisezielen eigentlich nichts mit. Das wöchentliche Training beläuft sich schon mal auf 25 Stunden. Danach ist dann nicht mehr viel angesagt, meist nur essen und schlafen. Allerdings muss ich zudem für Klausuren lernen und Familie und Freundin besuchen. Da wäre ein längerer Tag ganz hilfreich.
Fitness.com: Finden Sie, dass Sie von Vereinen, Verbänden, von Sponsoren, vom Staat genug Unterstützung erfahren, vor allem finanziell? Schließlich sollen Sie im Sommer Medaillen holen, auf die die ganze Nation stolz wäre.
Schmidt: Während der Olympiavorbereitung erfahren wir Sportler sicherlich ausreichende Unterstützung, sowohl finanziell als auch beispielsweise mit Ausnahmeregelungen an der Universität. In den vorolympischen Jahren sieht dies dann aber wieder nicht ganz so rosig aus.


