Und Überraschung: Für eine Radreise ist gar kein spezielles Fitness Training nötig: Wer halbwegs in Form ist und ab und zu Fahrrad fährt, kann seine Reise direkt antreten. Am Anfang sollten dann kurze und nicht zu bergige Etappen stehen – der Trainingserfolg stellt sich schnell ein und bis wir zu viert die Strecke entlang des gut ausgebauten Rheinradweges von Mainz nach Basel zurückgelegt hatten, hatten wir genügend Fitness für die Berge. Auch als Fahrrad genügt ein ordentliches Trekking- oder Mountainbike, das mit entsprechenden Gepäckträgern und Taschen ausgestattet wird. Vor der Tour sollte das Rad natürlich mit Gepäck getestet werden; Die richtige Sitzposition und Sattelhöhe sorgen dafür, dass die Gelenke keinen Schaden nehmen.
Im Schnitt haben wir pro Tag ca. 80 km zurückgelegt. Das ist die richtige Strecke um zügig vorwärts zu kommen, lässt aber noch genügend Zeit zum Genießen. Ähnlich wie beim Wandern kann man die Natur, Städte und Menschen, denen man begegnet, viel intensiver wahrnehmen als im Auto oder Zug. Zudem haben wir sämtliche verschiedene Landschaften erlebt: Auf dem Weg ans Mittelmeer haben wir den Rhein verfolgt, sind entlang der Schweizer Seen an den Fuß des Großen St. Bernhard gefahren und haben am 2.473 m hohen Pass den geographischen und sportlichen Höhepunkt der Reise erlebt. Die in den Tagen zuvor gewonnene Fitness genügte für das Erklimmen der Passhöhe. Von dort ging es rasant abwärts in das beschauliche Aosta-Tal, durch die wenig fahrradfreundliche Großstadt Turin und anschließend durch die reizvollen Seealpen ans Meer.
Unterwegs haben wir auf versteckten Wiesen gezeltet oder am Genfer See unter freiem Himmel direkt am Ufer übernachtet. Die Packmöglichkeiten am Rad erlauben es, auch ein etwas größeres Zelt und etwas komfortableres Zubehör mitzunehmen. Aber Vorsicht: Was im Flachen noch einfach mitrollt, zieht das Fahrrad an jedem Anstieg direkt nach hinten. 20 Kilogramm sollten deshalb auf alle Fälle die Obergrenze sein. Wichtig ist dabei auch die Verteilung des Gewichtes: Schweres Gepäck nach unten, Regenklamotten und Ersatzschlauch immer griffbereit und alles beidseitig gleich verteilt. Wer sein Reisegepäck auf Vorder- und Hinterachse des Rades verteilen kann, sorgt für eine höhere Laufruhe. Auf keinen Fall dürfen die Füße beim Pedalieren an die Gepäcktaschen stoßen – jede nicht unharmonische Bewegung erhöht das Risiko von Gelenkschmerzen.
Link-Box:
Tour de France: Radfahren in London
Machu Picchu: Der Inka Trial
Mit dem Rad auf der Überholspur
Der Arbeitsweg auf dem Drahtesel
Was als Scherz unter Studenten begonnen hatte, wurde zu einem einmaligen Urlaub mit Fitness Faktor. Und es wird nicht die letzte Tour gewesen sein: Denn wer mit dem Fahrrad verreist, erlebt die Strecke intensiver als mit modernen Fortbewegungsmitteln.
Diskussions-Forum (Reisen & Fitness: Mit dem Fahrrad ans Meer)



