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Deutsche WM-Medaillen – der DDR sei Dank?

Im Interview: Speerwerfer und WM-Medaillen-Gewinner Boris Henry


Der perfekte Wurf - hier sehen Sie die einzelnen Bewegungsschritte. Der Wurf hatte eine Weite von ca. 82 Meter (Foto: www.boris-henry.de)

Leichtathletik WM 2007 in Osaka/Japan – noch bis zum 2. September messen die besten Athleten der Welt in der olympischen Kerndisziplin im 50.000 Zuschauer fassenden Nagai-Stadion ihre Kräfte. Zu den aussichtsreichsten deutschen Medaillenkandidaten gehören traditionell die Werfer, allen voran die Speerwerferinnen Christina Obergföll (Europarekordlerin) und Steffi Nerius (Europameisterin).

Boris Henry


Boris Henry war jahrelang der dominierende Speerwerfer des Landes, ehe ihn eine Schulterverletzung, zugezogen bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen, lange außer Gefecht setzte. Mit zwei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften (1995 in Göteborg und 2003 in Paris), einem 3. Platz bei einer Europameisterschaft (2002 in München) und der Goldmedaille bei der Militärweltmeisterschaft (1995) gehört der Soldat der Sportfördergruppe der Bundeswehr zu den ganz Großen seiner Zunft.

fitness.com: Derzeit wird die Leichtathletik-WM live übertragen. Darf man sich Boris Henry als Fan der deutschen Starter auf der Couch liegend vor der Glotze vorstellen?

Henry: Nein. Denn leider hab ich dazu überhaupt keine Zeit. Einige glauben vielleicht, ich würde mit Chips in der Hand vor dem Fernseher sitzen. Ich habe derzeit beruflich aber sehr viel zu tun. Eine 100-Stunden-Woche ist die Regel! Ich trainiere mittlerweile zehn Athleten, das allein ist eigentlich schon ein Fulltimejob. Dann mache ich mich auf Sponsorensuche für meine Trainingsgruppe, bin im Vorstand meines Vereins SV schlau.com Saar 05, studiere Fitnessökonomie und bin Soldat.

fitness.com: Aber Sie sind doch sicher noch ein Kenner der Leichtathletik-Szene? Wie stark schätzen Sie das aktuelle DLV-Team ein?

Henry: Natürlich beschäftige ich mich noch mit den aktuellen Geschehnissen. Und jedes Mal, wenn ich höre, dass ein Athlet eine Medaille holt, freue ich mich riesig – vor allem, wenn ich die Leute noch aus der eigenen Karriere kenne. Die Werfer holen wieder ihre Medaillen, auch von den Stabhochspringern ist etwas zu erwarten. In einigen Disziplinen läuft es gewiss nicht so gut.

fitness.com: Woran könnte das liegen

Henry: Ich glaube, was vielen Sportlern fehlt, ist die internationale Erfahrung. Wenn man nur Meetings in Deutschland macht und zufrieden ist, weil man ja Deutscher Meister ist, bekommt man eben fast einen Kreislaufzusammenbruch, wenn man plötzlich in einem Stadion mit 50.000 Menschen steht. Manche Athleten sind vielleicht zu schnell mit dem Geleisteten zufrieden. Tobias Unger (Deutscher Sprinter, Hallen-Europameister 2005, Anm. der Redaktion) stellte sich der internationalen Konkurrenz. Viele andere nicht.

fitness.com: Aber warum sind gerade die Werfer immer für Medaillen gut?

Henry: Hier muss man auch sehen, dass noch viel von der DDR-Zeit profitiert wird. Viele Werfer sind noch in der alten DDR-Schule groß geworden. Und da gab es zum Beispiel auch gute Trainer.

fitness.com: Oft wirft man dem Nachwuchs vor, er quäle sich nicht mehr. Stimmt das?

Henry: Ich arbeite ja seit Jahren mit dem 21-Jährigen Alexander Viewig und dem 19-Jährigen Matthias De Zordo zusammen. Die haben national schon alles erreicht, was man erreichen kann. Dass die sich nicht quälen im Training, würde ich nicht behaupten. Vielleicht sollte der Verband einfach auch mal gezielt die Trainer fördern, die sehr wichtig für die Entwicklung der Athleten sind, und nicht jeden Sportler – vor allem jeden Sprinter - gleich hochjubeln, wenn er in jungen Jahren mal eine gute Zeit gelaufen ist.

fitness.com: Welche Tipps haben Sie für Sporttreibende generell, egal ob junger Leistungs- oder gesetzterer Breitensportler?

Henry: Keinen falschen Ehrgeiz an den Tag legen! Weniger ist mehr! Nicht alles mit Gewalt und zu früh wollen! Man muss sich als junger Sportler Zeit lassen und die Sache sich langsam entwickeln lassen. Man sollte vor allem nie den Spaß am Sport verlieren. Denn ohne Spaß gibt es auch keinen Erfolg.

fitness.com: Wann greifen Sie eigentlich wieder an? Seit Sommer 2006 haben Sie keinen Wettkampf mehr bestritten?

Henry: Ich wollte eigentlich im September mal wieder werfen. Aber, wie gesagt: Ich habe keine Zeit. Ich hoffe aber, dass es in diesem Jahr noch klappt.

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