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Wirkung in der Wirbelsäule

Vom Promi-Geheimtipp zu einer anerkannten Präventions- und Trainingsmethode


Rückenschmerzen gehen, straffe Muskeln kommen: Pilates hat sich in Deutschland als eine beliebte Trainingsalternative etabliert. Doch den Deutschen Pilates Verband plagt eine Sorge: Wie kann man einen einheitlichen Qualitätsstandart in der Pilates-Trainer-Ausbildung flächendeckend garantieren? Denn der Begriff Pilates ist nicht geschützt, so dass jeder als Pilates-Trainer unterrichten darf.

Funktionale Wirbelsäulengymnastik

Mit der funktionalen Wirbelsäulengymnastik, die von dem deutschstämmigen Joseph Pilates in den 1920er Jahren in New York entwickelt wurde, lässt sich mittlerweile gutes Geld verdienen. Immer mehr Pilates-Studios werden gegründet und der Bedarf an Trainern steigt. Doch das ganzheitliche Pilates-Konzept, welches Körperbeherrschung, Atemtechnik und Entspannung verbindet, stellt hohe Anforderungen an den Trainer.

Nur dann tritt ein, was Verena Geweniger, Präsidentin des Deutschen Pilates Verbandes als größte Stärke von Pilates und als Grund für dessen Popularität sieht: „Die Menschen, die ihrem Körper etwas Gutes tun wollen, möchten nicht mehr an der Maschine im Fitnessstudio vorgegebene Bewegungen ausführen. Es geht darum, Kraft und Ruhe zu finden, und bei sich selbst anzukommen.“ Dies kann jedoch nur erreicht werden, wenn der Trainer sein Handwerk beherrscht.

Die Pilates Methode

Die Pilates-Methode ist nicht neu. Der Hype jedoch schon. Erst um die Jahrtausendwende begann der weltweite Pilates-Boom aus einem ganz banalen Grund: „Die Ziehtochter des Begründers Joseph Pilates, Romana Kryzanowska, hatte Pilates patentrechtlich schützen lassen. Man konnte Pilates nicht unterrichten, ohne Geld dafür zu bezahlen. Deswegen blieb Pilates lange Zeit ein Geheimtipp bestimmter Promis“, begründet die Münchner Pilates-Trainerin Michaela Bimbi-Dresp die jahrzehntelange Stagnation. Erst im Jahr 2000 wurde dieses Patent aufgehoben. Seither boomt dieser Sport.

Schwarze Schafe der Branche

Auf dieser Trend-Welle surfen jedoch auch schwarze Schafe. „Im Prinzip kann sich jeder Pilates-Trainer nennen, der Begriff ist nicht geschützt“, klagt Bimbi-Dresp. „Es gibt einige Leute, die einen Wochenendkurs belegen oder sich ein Video über Pilates anschauen, und dann selbst unterrichten“, ergänzt Verena Geweniger. Die ehemalige Sport- und Gymnasiallehrerin hat die Gründung des Deutschen Pilates Verbands initiiert, der sich im April letzten Jahres konstituierte. In dem Verband haben sich mittlerweile zehn Ausbildungsinstitute zusammengeschlossen. „Unser Ziel ist es, die Qualität der Ausbildung für Pilates in Deutschland zu sichern“, so Geweniger. Wer sich für Pilates interessiert, sollte genau auf die Qualifikationen des Trainers achten. Für das herkömmliche Mattentraining sollte ein Trainer laut Faustregel mindestens 100 Stunden Ausbildung genossen haben.



Katherina Tränkner, maisha Pilates- und Yoga-Studio in Jena, bestätigt dies: „Wird Pilates von Personen unterrichtet, die nicht ausreichend qualifiziert sind, so kann dies zu ineffektivem Training führen, oder sogar Verletzungen zur Folge haben.“ Richtig angeleitet hingegen, kräftigt Pilates vor allem die tief liegende Muskulatur, verbessert Koordination und Beweglichkeit und kann Haltungsschäden verringern.

Pilates ist mehr als Bauch, Beine, Po

Pilates nur auf schlanke Oberschenkel und einen flachen Bauch zu reduzieren, greift deshalb auch zu kurz. Die ganzheitliche Wirbelsäulengymnastik ist ebenso eine Rehabilitations- und Präventionsmethode. Vor allem der Einsatz von Geräten wie „Reformer“, „Chair“ oder „Cadillac“ ermöglicht ein individuelles und kraftvolles Training – auch bei körperlichen Schwächen.

„Diese Geräte werden eingesetzt, um den Körper gegen die Schwerkraft und das eigene Gewicht zu stützen“, erläutert Joanna Mountifield, Berliner Pilates-Studio „The Body in Balance“. Dadurch können gezielt schwache Muskeln gekräftigt werden, die oft für Verspannungen und Schmerzen verantwortlich sind. Auch hier steht das Prinzip des Ganzkörper-Trainings im Vordergrund.

Gerätetraining a la Joseph Pilates

Ursprünglich waren diese Geräte von Joseph Pilates für die Rehabilitation verletzter Tänzer entwickelt worden, die er trainierte. „Joseph Pilates hat ganz am Anfang mit Bettfedern hantiert, um die Muskelkraft und die Beweglichkeit nach Verletzungen wieder aufzubauen“, erläutert Verena Geweniger. „Daraus haben sich dann der Reformer und die anderen Geräte entwickelt.“ Mittlerweile gibt es auch aber auch komplizierte Übungen, die vor allem das Training von fortgeschrittenen Pilates-Anhängern bereichern.

Auch beim Geräte-Training stellen sich relativ rasch Erfolge ein. „Viele meiner Kursteilnehmer berichten, dass sie durch Pilates weniger Rückenschmerzen haben. Und auch ihre Haltung ändert sich oft deutlich sichtbar“, so Katherina Tränkner. Damit scheint sich der Begründer Joseph Pilates zu bestätigen. Dieser hatte einst über seine Methode gesagt: „Nach zehn Stunden fühlt man den Unterschied. Nach 20 Stunden sieht man ihn selbst. Und nach 30 Stunden sehen ihn auch alle anderen.“ Doch dies wird nur eintreten, wenn die Trainingsanleitung stimmt. Und ob dafür eine DVD Sammlung genügt, darf getrost bezweifelt werden.





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