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Ernährung ist wichtiger als das Training! - Oder nicht?

Fitnessmythen und Youtuber und Supplements


Ich habe mich in letzter Zeit mal wieder etwas mehr mit einschlägigen Internetseiten bezüglich des Themas Muskelaufbau beschäftigt. Wollte einfach mal sehen, was derzeit so angesagt ist. Normalerweise halte ich mich fern davon, weil der Dschungel an Informationen immer undurchdringlicher wird und mit Fitness-Websites sehr viel Geld akquiriert werden kann. Fitness ist "in" - was zu einer Welle an aggressiver Werbung, Fehlinformationen, Show und finanziell abhängigen "Experten" geführt hat.

Fitness-Mythen werden am Laufen gehalten, nur um Produkte zu verkaufen

Natürlich ist das nur eine Seite der Medaille, aber als unbedarfter Trainingsanfänger oder leicht Fortgeschrittener hat man es derzeit nicht einfach, den richtigen Start zu erwischen. Fitness-Mythen werden am Laufen gehalten, nur um Produkte zu verkaufen, einfachste Trainingspläne für horrende Summen absetzen zu können und die simple Sache des Muskelmasse-Aufbaus dermaßen kompliziert erscheinen zu lassen, dass man lieber Geld in HighTech investiert, weil man sich selbst keine Erfolgschancen zutraut.

Missverständnisse als Auslöser für Fitness-Mythen

Heute möchte ich mich daher wieder einmal einem Mythos widmen, der insbesondere durch Supplement-Shops gefüttert wird: nämlich das Ernährung wichtiger wäre, als Training.

Entstanden ist dieser Mythos allerdings ohne das Zutun der Industrie. Mit breiterem Aufkommen des Wettkampf-Bodybuildings, bedingt durch die Popularität von Arnold Schwarzenegger, wandelte sich das Training mit Hanteln vom reinen Krafttraining hin zur Formung des Körpers, welcher zur bisherigen Kraft dann auch noch einen niedrigen Körperfettanteil aufweisen sollte. Die Frage lautet:

Wie schaffe ich es, einen ohnehin trainierten Körper möglichst fettfrei zu bekommen?

Auch heute ist die Antwort für jene Athleten, die bereits seit Jahren trainieren, stark und muskulös (aber dick) sind: über die Ernährung! Da zu dieser Zeit weithin bekannt war, wie man trainieren muss, richtete sich die Aufmerksamkeit ab nun auf die Ernährung. Den Leuten wurde eingebleut: wenn ihr aus eurem massigen Körper eine gemeißelte Statue machen wollt, dann müsst ihr weg von  Pfannkuchen, Salami und tonnenweise Butter - hin zu trockenem Geflügel und Kartoffeln (oder Reis, je nach Verfügbarkeit in den 70er Jahren).

"Wahrheiten" und ihr Fortbestehen

Der Mythos der 70er Jahre, dass Ernährung also wichtiger sei, als das Training, verfestigte sich also in den Köpfen der Trainierenden und wurde umso vehementer an die nachfolgende Generation an Athleten weitergegeben. Es entwickelte sich folglich eine Industrie um diesen Ernährungs-Hype, welcher in Endkonsequenz bedeutete, das Mehr an Protein durch spezielle Shakes und das Weniger an Zucker durch kohlenhydratmodifizierte Riegel, sowie allerlei Mikrosubstanzen per Tablette zuzuführen.

Leistungsorientierung im Fitnesssport

Bis heute hält dieser Trend an, nach dem immer ausgefeiltere und teurere Produkte den Markt erobern. "Schokoladenriegel" ohne Zucker, Eiweißpulver mit nahezu 100% Protein-Anteil und sämtliche Untersorten von Tabletten verschiedenster Inhaltsstoffe, von Mönchspfeffer bis Tribulus Terrestris. Der Trend hält sich also seit mindestens 50 Jahren, obwohl sich die Gesellschaft und damit das normale Fitnessstudio-Mitglied grundlegend verändert hat.

Zum einen liegt das an der zunehmenden Leistungsorientierung in einem fortschreitend härter werdenden kapitalistischen Wirtschaftsumfeld. Insbesondere die großen, börsennotierten Unternehmen setzen immer mehr auf das Credo: Möglichst viele Einnahmen bei möglichst geringen Ausgaben. Ein zukünftiger Mitarbeiter muss also immer mehr leisten, bei immer niedrigeren Lohnkosten. In den Köpfen der Leute manifestiert sich also: um einen guten Arbeitsplatz zu bekommen, muss ich mehr wissen, länger arbeiten und mich selber besser verkaufen, als meine Konkurrenz.

1:1 Auf den Sport und ins Fitnessstudio übertragen

Das überträgt sich 1:1 auf den Sport: nicht mehr der Spaß an der Bewegung und Miteinander im Gym steht mehr im Vordergrund, sondern die eigene Leistung, die am besten nie stagnieren darf, der Vergleich mit anderen plus dazugehöriger Neid und der ständige Drang, Abkürzungen über Mittelchen und Tablettchen finden zu wollen. Mit steigendem Wohlstand und Egoismus ist die breite und junge Masse also immer stärker bereit, viel Geld selbst für winzigste Vorteile auszugeben.

Zum anderen liegt die Veränderung der Klientel im Studio darin, dass sich mit Fitness ziemlich viel Geld verdienen lässt, wenn man es clever anstellt. Ansprechende Werbung, große Versprechungen oder vorgespiegeltes Expertentum lassen die unsicheren und vor allem ungeduldigen Trainingsanfänger im Kopf völlig wirre werden und an die absurdesten Thesen glauben. Sie können einfach nicht hinter die Scheinlogik der Nutznießer und Trittbrettfahrer schauen, weil es ihnen an Erfahrung mangelt. Demgegenüber wollen natürlich viele "Unternehmer" ein Stück vom Kuchen der verunsicherten Wohlstands-Pumper abhaben.

Youtuber mit Halbwissen und deren Supplement Shops

Es ist einfach nur krass, mitanzusehen, wie viele selbstüberzeugte, aber nicht mal über Halbwissen verfügende Youtuber eigene Kanäle betreiben, denen ein Supplement-Shop angehört. Ich spreche hier gar nicht mal von den handelsüblichen Verbrechern, die mit bewussten Lügen und dem Ausnutzen von mangelndem Selbstbewusstsein der Zuschauer ihr Zeug an den Mann bringen wollen - nein, ich rede von Typen, die durch Genetik und/oder chemischem Nachhelfen zwar optisch gut aussehen, aber trainingstechnisch null draufhaben, bzw von Dingen reden, die sie weder kennen, noch den Schaden absehen können, der bei unbedarften Nachahmern hervorgerufen wird. Ich denke da nur mal an die abenteuerlichen Hinweise 4 (!) Gramm Protein pro kg Körpergewicht zu verzehren - für Anfänger! Das ist angeleitete Körperverletzung! Aber genug des Aufregens!  

Fazit: Ernährung und Fitnesstraining:

Es bleibt also festzuhalten, dass die Maxime: "Ernährung ist wichtiger als Training!" nur für Leute gilt, die bereits wissen, wie man richtig trainiert. Was diese These für einen kompletten Neuling natürlich völlig ad absurdum führt! Mit dem falschen Training verletzt man sich, oder trifft gar nicht den richtigen Muskel, setzt keine Reize und verbraucht nur sinnlos Energie. Somit erzielt man keine Fortschritte - woraus man schließen kann, dass es völlig egal ist, ob man mit einer Hähnchen-Reis-Proteinpulver-Ernährung keine Fortschritte macht, oder mit einer Pizza-Eis-Bier-Ernährung.

Demgegenüber ist es logisch, erst ein Training zu erlernen, mit dem man den Muskel trifft und einen signifikanten Reiz setzen kann, stärker wird und daraufhin den Mehrbedarf an Nährstoffen durch eine sinnvolle (nicht pathologische!) Ernährung deckt.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit, Euer

Patrick Raabe

 

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