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Isch hab Rücken! - Was bei Rückenschmerz wirklich hilft


Isch hab Rücken!

Was kürzlich der ironischen Fantasie eines beliebten deutschen Komikers entsprang, ist für viele Menschen ein tägliches Übel: der dauerhafte Rückenschmerz. Man könnte gar von einer Volkskrankheit sprechen, wenn man den allgemein angeführten Statistiken und Befragungen Glauben schenkt.

Da Krankheiten aber nicht die Regel, sondern immer der Ausnahmefall sind, ist ein derart verbreitete Krankheit nur die Ursache eines massenhaften Phänomens: der Kraftlosigkeit der autochthonen Rückenmuskulatur.
 
Die vielzitierte und oft illustrierte gekrümmte Sitzhaltung des geistig arbeitenden Individuums, welches sein berufliches Dasein am Schreibtisch fristet, aber auch bewegungsarme Freizeitgestaltung vor dem TV oder der Daddelkiste, machen es dem gemeinen Rückenschmerz leicht, die zivilisierte Menschheit zu quälen. Nicht zuletzt ist auch der überquellende Bauch einiger Liebhaber des gepflegten Kalorienüberschusses, oder die Schwangerschaft im Endstadium eine Ursache dessen.

Vorweg gesagt: Einem durch oben angeführten Lebensstil verursachten Rückenschmerz ist leicht und unkompliziert zu begegnen und benötigt zusätzlich auch keines großen Erhaltungsaufwandes. Zunächst einmal gilt es aber, zu verstehen, wo die Pein entlang der Wirbelsäule ihren Ursprung nimmt.

Grob gesehen handelt es sich dabei um eine sogenannte „muskuläre Dysbalance“, also auf gut deutsch einem Missverhältnis zweier sich gegenüberliegender Muskeln. Es ist wichtig, zu verstehen, dass ein Muskel sich ausschließlich zusammenziehen („kontrahieren“) kann, so dass er immer einen Gegenspieler braucht, der ihn für Richtungsänderungen auseinanderzieht.

Wer selbst noch einen Körperfettgehalt unterhalb des Michelin-Männchens hat, kann das leicht am Oberarm beobachten: wenn der Bizeps den Unterarm Richtung Schulter zieht, so wird der Trizeps gedehnt und umgekehrt. Wenn wir uns jetzt noch einmal an den gekrümmt sitzenden Menschen im Büro erinnern, so müssen wir uns auf den gekrümmten Rücken und seinen Gegenspieler, den gleichzeitig zusammengedrückten Bauch, konzentrieren. Untere Rückenmuskulatur und Bauchmuskulatur sind besagte Gegenspieler.

Täglich wird stundenlang der Rücken überdehnt und synchron der Bauch  zusammengeschoben. Diese Position geht dem Zentralnervensystem in Fleisch und Blut über, so dass der Körper irgendwann nicht mehr in seine normale Position zurückkehrt, sondern gezwungen ist, diese unnatürliche Position beizubehalten (ähnlich einer Waage, die auf der einen Seite mehr Gewicht hat). Das Fatale an der Sache ist, dass bei ausbleibender Kontraktion des Rückenmuskels (seine Dehnung übernimmt ja die Bauchmuskulatur) kein Reiz mehr für die Erhaltung seiner Kraft gesetzt wird.

Ein Muskel, der keinem Widerstand ausgesetzt wird, wird ständig schwächer, da ihm der Anreiz, Widerstand überwinden zu müssen, fehlt. Genau das passiert beim Rückenmuskel in der gekrümmten Sitzposition. Und da der Rücken den aufgerichteten Oberkörper irgendwann nicht mehr halten kann und bei dem verzweifelten Versuch, Kraft aufzubringen verkrampft, kommt es zum Schmerz des überforderten Muskels.

Wie ist dem nun zu begegnen? An jeder Ecke und in jeder kostenlosen Apothekenzeitschrift kann man lesen, dass für die Schmerzen „mangelnde Bewegung“ verantwortlich wäre. Daraus leiten die meisten ab, dass der Spaziergang zwischendurch, oder Ausdauersportarten etc. Abhilfe schaffen könnten, denn da „bewege“ man sich ja. Aber Bewegung an sich ist rein die neutrale Ortsveränderung eines Gegenstandes.  Entscheidend ist der dabei waltende Widerstand.

Nur der Widerstand ist ein Reiz, stärker zu werden und ihm irgendwann zu trotzen oder sogar zu überwinden.  Zur Behebung des Rückenproblems aus muskulären Dysbalancen heraus muss sich also Widerstand auf den geschwächten Muskel ergeben, damit dieser den Reiz verspürt, stärker zu werden und dem Widerstand zu trotzen. Auf vielen Internetseiten und besagten Apotheken-Schmierblättern kann man dann ganz tolle und professionell anmutende Verrenkungen mit meist indischen oder amerikanischen Fantasie-Namen finden, ausgeführt von scheinbar ewig jungen und schlanken Mittdreißigerinnen.

Im Grunde sind diese Übungen immer dasselbe, nur versprühen die immer exotischer werdenden Namen eine Aura des ultimativen Geheimrezeptes, der einzigen Lösung, die gerade neu erfunden wurde. Ich hab es schon einmal betont: was inhaltlich immer mehr in die Breite geht, lässt es zwangsläufig an Tiefe vermissen. Teilweise beinhalten die meist mit esoterischen Pseudo-Philosophien angereicherten Körperverknotungs-Techniken sogar schädliche Ratschläge. So spielt beispielsweise die Dehnung eine große Rolle bei Mr. Yogi und seinen biegsamen Freunden.

Wie bereits angeführt, zieht der Bauchmuskel des Homo Büroensis den unteren Rücken in eine überdehnte Position, welche die Muskelfasern dazu zwingen, immer mehr Myosinbrücken (Verbindungen in der Muskelfaser, welche für die Kraftentwicklung eine bedeutende Rolle spielen) aufzugeben. Führt man dazu jetzt noch eine bewusste Dehnung aus, verschlimmert man das Ganze: es werden nochmehr Myosinbrücken aufgegeben und die gekrümmte Haltung wird mit weiterer Dehnung in die entsprechende Richtung bekräftigt. Das kommt dem Gießen von Öl ins Feuer gleich!

Jetzt möchte ich den Weg aufzeigen, wie man aus dieser Falle herauskommen kann. Wie angedeutet, kann das sehr schnell gehen und man muss nichtmal jede Woche etwas dafür tun.

Der einzigste Weg, seinen schwachen Rücken zu stärken, ist bewusster Widerstand. Dafür gibt es 3 wirksame Übungen:

1. der Superman: Bauchlage und gleichzeitig die vorgestreckten Arme anheben,
2. Kreuzheben: die wirksamste aller Übungen, aber sie ist weder für Anfänger, noch für den Hausgebrauch geeignet und muss von einem ausgebildeten Trainer beigebracht werden,
3. Hyperextensions: auf einer Schrägbank ausgeführtes Rumpfaufrichten in der Bauchlage (solche Rückentrainer gibt es in jedem Fitnessstudio, man kann sie aber auch zu Hause aufstellen, Kosten: ca. 100 Euro).

Hat man nach ca. 2-3 Monaten wöchentlichen Trainings ein gewisses Niveau erreicht, so ist ein Training der betreffenden Muskulatur nur noch alle 4 Wochen notwendig, um den muskulär bedingten Rückenschmerzen zu entgehen. Abschließen möchte ich mit den wahren Worten Werner Kiesers zu diesem Thema: „Ein starker Rücken kennt keinen Schmerz!“

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