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Physiotherapiepraxis und Pilatesstudio - Eine erfolgreiche Symbiose

Von Pontius zu Pilates - Finde Deinen Weg.


Klare Linien - Das Wesentliche ist der Mensch .

Nach Abschluss meiner Physiotherapie-Ausbildung vor vielen Jahren und bevor ich mich mit einer eigenen Physiotherapiepraxis selbstständig machte, arbeitete ich nicht nur als Angestellter in einer Praxis, ich unterrichtete für die verschiedensten Krankenkassen nach Feierabend fast unzählbar viele Rückenschulkurse.

Das damalige Präventionsgesetz motivierte Krankenkassen sehr großzügig diese Rückenschulprogramme zu finanzieren. Ohne Zweifel hätte ich auch ohne meinen Hauptberuf in einer Physiotherapiepraxis auszuüben, vom abendlichen Kursprogramm meinen Lebensunterhalt bestreiten recht ordentlich bestreiten können. Alte Zeiten - gute Zeiten.
Doch Zeiten ändern sich, man entwickelt sich weiter, trifft Menschen, macht neue Erfahrungen.

Sorgenvoll in die Zukunft.

In jedem Geschäftsfeld wird man auch von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen überrrannt, so erging es auch mir: In den letzten beiden Jahrzehnten erlebten wir geradezu eine Schwemme von neuen Physiotherapeuten in Deutschland. Viele Physiotherapieschulen wurden gegründet, bereits bestehende bauten ihre Ausbildungskontingente aus. Früher herrschte auf dem Physiotherapiemarkt eine wesentlich geringere Praxisdichte als heute. Zudem verließen in den letzten Jahren nur wenige Physiotherapeuten aus Altersgründen den Markt. In manchen Ärztehäusern findet man inzwischen bis zu drei Physiopraxen und selbst in Orten mit unter 5000 Einwohnern bietet sich eine ähnliche Mitbewerber-Situation.

Darf man als Physiotherapeut erfolgreich sein?

Werbung für Physiotherapiepraxen ist, wie wir alle wissen, nur bedingt möglich, inzwischen weniger aus rechtlicher Sicht, da wurde einiges gelockert. Vielmehr sollte doch man mit positiven Botschaften werben, während das Metier, und hier verstricken sich viele Physiotherapeuten immer noch selbst, "in Krankheiten und Krankheitsbildern" denkt.

Das Dilemma: Die Krankenkassen leiden unter chronischer Unterfinanzierung und Kostendruck, geben diese durch straffe und die Leistungen einengende Heilmittelverordnung weiter. Präventivmaßnahmen werden nur noch spärlich finanziert. "Oft hatte ich als Physiotherapeut das Gefühl ich sitze auf einem Ast, der langsam abgesägt wird"


Was also tun?

Viele von uns stellen die Effizienz ihrer therapeutischen Behandlungen beim Patienten selbst in Frage. Provokativ und zugegeben recht unangenehm gefragt: Kann durch die 1x wöchentlich stattfindende Behandlung, und im Vertrauen darauf, dass der Patient die gelernten Übungen weiter anwendet (obwohl er das erfahrungsgemäß nicht tut), wirklich ein langfristig wirksamer Behandlungserfolg erzielt werden, der über eine Placebo-Wirkung hinaus geht?


Wann ist man als Physiotherapeut erfolgreich?

Man trifft sich mit Kollegen bei Fortbildungen und bei Messen und oft stellen sich zwanglose Unterhaltungen in den Mittags- und Nachmittagspausen als sehr informativ heraus, unabhängig vom Thema der Veranstaltung. So ging es mir auch "seinerzeit": Kollegen von mir hatten vor ein paar Jahren „Existenz-Überlegungen“ - sahen bereits damals, dass der Markt den reinen durch KV und UV abgedeckten Leistungen immer weniger Platz fürs "unternehmerische Atmen" ließen.

Sie hatten sich über den Rahmen der Physiotherapiepraxis hinaus neu orientiert. Statt lediglich nur Behandlungen, die nach der Heilmittelverordnung abgerechnet werden konnten, durchzuführen, hatten Sie einen weiteren rein privatwirtschaftlichen Zweig gegründet. Zweck war die Gesunderhaltung ihrer vormaligen Patienten oder aber mit diesen "eigene Therapiepläne" zu entwickeln. Dem Freiraum bei Selbstzahlern sind hier keine Grenzen gesetzt. Wer heilt hat Recht ... der ganze Erfolg gilt dem Patienten und seiner stabilen Konstitution (keine GKV, GUV, EAP Leistungen, zu viel Regelwerk, zu wenig Handlungsspielraum).

Viele Wege führen nach Rom

Diese Kollegen gingen die Thematik unterschiedlich an, relativ bekannt und nicht ganz neu: einen „gesundheitsorientierten Fitnessbereich“ mit Kraft- und Ausdauergeräten, betreut durch kompetentes Fachpersonal, eben auch die eigenen Physiotherapeuten.

Anderen Physios, denen die Anschaffung eines „Maschinenparks“ und Investitionen von 50.000 - 80.000 € zu viel waren (zuzüglich Umbaumaßnahmen wie Duschen, Umkleideräumen, Geschlechtertrennung) begnügten sich durchaus erfolgreich mit einem reinen Kursprogramm, mit Stunden wie Wirbelsäulengymnastik, Yoga, Übungen auf dem Pezziball, postnatales Training etc.


Willst du Erfolg - ändere die Regeln

Allerdings erforderte dieser Schritt mental das Betreten eines völlig neuen Metiers: Statt Patienten hat man Teilnehmer, statt Kranke zu behandeln hat man Menschen „mit den ganz normalen Schwächen" wie zu wenig Bewegung, zu "unbeweglich", kraftlos oder auch mit kleinen Malaisen, die nicht unbedingt in der physiotherapeutischen Praxis behandelt werden müssten. Oder ganz einfach: Es sind die "Otto-Normalverbraucher", die beweglich, gesund und fit bleiben wollen. Keine Krankheitsbilder - sondern ganzheitliches, konditionell orientiertes Denken und Handeln, weg vom Ersten Gesundheitsmarkt, hin zum Zweiten Gesundheitsmarkt, konsequent auch zu IGeL - im Sinne von - und für den Patienten. Oder um im NEUEN Sprachgebrauch zu bleiben des KLIENTEN / KUNDEN.


Und dann war da Pilates

Da mir Pilates bereits ein wenig durch meine Aufenthalte in den USA bekannt war, horchte ich jedesmal auf, wenn manche meiner Mitstreiter im Gesundheitswesen von ihren Erfahrungen mit Pilates berichteten. Man wächst mit seinen Aufgaben, ein Leben ändert sich mit jedem Menschen den man trifft... ein wenig. Neue Aufgaben erweitern zudem das persönliche Bewusstsein, schärfen den Verstand jenseits des Tagesgeschäfts. Den Weg zu einer gesicherten Existenz zu finden, bietet Freiräume, sich weiterzuentwickeln. Mit der Spezialisierung auf Pilates, das in vielen Zügen sogar eine große "Verwandtschaft" mit klassischen physiotherapeutischen Maßnahmen hat, haben sie ihren Weg beschritten.

Bei Ihnen funktioniert ein Pilatesprogramm aus der sicheren Hand von Physiotherapeuten seit vielen Jahren schon bestens. Sowohl als IGel und begleitende Maßnahmen parallel zu einer krankengymnastischen Behandlung und vor allem, und hier sind die weiteren Stärken eines Pilatestrainings, als Allegro Gruppenkurs nach dem „offiziellen Behandlungsturnus".

Endlich eine „Technik“ gefunden zu haben, oder besser ein „langfristiges Betreuungskonzept“ für seine ehemaligen Patienten und jetzige "Kunden", um deren Gesundheitszustand vollständig wiederherzustellen und auf Dauer zu garantieren. Dies, im ureigensten Interesse und zum Vorteil des anvertrauten Menschen selbst, war eine wirkliche Erleichterung für mich.


Den Drang etwas bewegen zu wollen

Ich sammelte weitere Informationen, erkundigte mich nach Fortbildungsmöglichkeiten und Kursen für Physiotherapeuten, was gar nicht so einfach war, da es nur wenige Pilatesschulen gibt, die sich auf Physiotherapeuten, deren Sprach- und Therapiegebrauch spezialisiert hatten - und wurde fündig. Die Ausbildung, die man vor allem an Wochenden neben seiner beruflichen Tätigkeiten machen kann, nebst Praktika (statt in Urlaub zu fahren), war wirklich sehr profund - und kam einer zweiten Berufsausbildung, zum physiotherapeutisch geprägten Pilateslehrer, gleich. Nach 1 1/2 Jahren schloss dann nicht nur ich die Pilatesausbildung, Schwerpunkt Physiotherapie, mit einer Prüfung ab, sondern auch zwei Mitarbeiter von mir, mit denen ich seit Jahren bereits in der Praxis zusammenarbeite und die Ausbildung gemeinsam machte.


Die Zukunft bedeutet auf beiden Beinen sicher zu stehen

Ich unternahm den nächsten Schritt, denn dafür habe ich ja meine Ausbildung gemacht: Ich suchte passende Räumlichkeiten ganz in unmittelbarer Nähe zu meiner Praxis (im gleichen Haus, auf der gleichen Etage war leider nichts mehr frei). 160-200 Qm sollten es schon sein, denn ich hasse nichts mehr als beengte Räumlichkeiten. Ein Laminat oder Parkettboden waren mir ebenso wichtig wie helle, lichte und warmwirkende Räume - selbst bei einer überwiegend weißen Grundfarbe.

Das Einrichten selbst war stressfrei, denn mein persönlicher Einrichtungsmotto, privat wie beruflich, lautet: „Besser weniger und das Wenige „classy“ (gehoben) - als mehr und zugestellt! Wenig Ablenkung, der Mensch, Körper, Haltung, Stärke, Bewegung und Beweglichkeit und zu vermittelnde Selfconfidence im Mittelpunkt unseres Handelns. An Umkleidemöglichkeiten und sanitäre Einrichtungen nebst Dusche musste gedacht werden. Der Hauptraum hat 80 qm, der Empfang (gleichzeitig Büro) 20 qm, einen Raum mit 30 qm nutzen wir zurzeit noch nicht, der Rest sind Umkleidemöglichkeiten, Dusche, WC.

Geräteausstattung: Wir orderten einen Clinical Reformer für die Physiotherapiepraxis und 8 Allegro-Reformer für den Kursbereich im Pilatesstudio. Dazu Gymnastikmatten und "Small Props". (Alle Pilatesgeräte stammen von Balanced Body, da diese das größte Know-How haben und die hochwertigsten Reformer liefern, zudem hatten wir auf Reformer und Allegro unsere Ausbildung gemacht, weshalb wir mit den Geräten bestens vertraut waren.) Wir entschieden uns für ein Leasing, da die monatlichen Kosten nicht höher waren, als die für einen mittelprächtigen Kleinwagen und der monatliche Aufwand somit überschaubar blieb. Die Investitionen verteilen sich über mehrere Jahre, Leasingraten sind komplett absetzbar. Man hat keine hohen Investitionen bei der Existenzgründung des zweiten Standbeins.


Personelle Entscheidungen

Wie wir alle wissen, werden während einer physiotherapeutischen Ausbildung weder betriebswirtschaftliche (Buchhaltung, BWA = Betriebswirtschaftliche Auswertung) noch Marketing-Kenntnisse vermittelt – unverständlich, aber wahr: ein Berufsbild das an seinen Traditionen erstickt! Gut dass die Kollegen, die sich in meinem persönlichen Netzwerk befinden, sich zu helfen wussten. Entweder konnte der Lebenspartner diese „Wissenslücke“ schließen oder man achtete - so machten wir das bei der Besetzung der Büro- und Empfangskraft im Team - auf entsprechende Qualifikationen in BWL und Marketing. Dies alles bezog ich in meine eigenen Überlegungen ein. Dies war ein wichtiger Punkt in meinem eigenen Erfolgskonzept.

All business is local

Die meisten der Teilnehmer für das Pilatestraining , um möglichst schnell in den „betriebswirtschaftlich grünen Bereich“ zu gelangen, konnten wir über den vorhandenen aktuellen Patientenstamm gewinnen. Durch eine Mailingaktion mit Einladung und Probetraining, fanden auch frühere Patienten den Weg wieder zu uns, und trainieren seitdem Pilates, begeistert mit viel Spaß und bei bester Gesundheit.

Unser nächster Schritt war über unsere ehemaligen und jetzigen Patienten und Kunden, deren Freunde und Familie zu einer Probelstunde einzuladen. Dies geschah ebenfalls bereits vor der Eröffnung. Zwischendurch gibt es ein paar "Reminder" über Facebook, Emails oder Einladungen zu einem Tag der offenen Tür. Um mit unseren "Kunden" ständig Kontakt zu halten, pflegen wir auch unsere Website. Wir engagieren uns zurzeit gerade auf einer Facebook-Fanseite. Themen betreffen hier sowohl unsere Physiotherapiepraxis, mit guten Gesundheitsratschlägen und Diskussionen mit unseren Patienten, als auch unser Pilatesstudio. So halten wir Kontakt, informieren über Neuigkeiten, freuen uns über Feedback unserer Patienten und Klienten, sowohl über Facebook, als auch in unserer Praxis und dem Pilatesstudio. Wir erfahren eine ungeheure Präsenz und die Klienten und Patienten finden den Weg wieder zu uns - fast von ganz alleine.

Unser Pilatestraining in der Praxis

Je nach Gesundheits- oder Fitnesszustand beginnen unsere Teilnehmer meist zuerst mit 1-3 Einzelstunden „Eins-zu-Eins-Training“, um die Pilatesprinzipien in aller Ruhe und Vollständigkeit kennenzulernen, um dann als Zwischenstufe für mehrere Wochen in einer Vierergruppe Pilates zu trainieren, bevor sie regulär in der Fortgeschrittenen Gruppe trainieren. Bewegungserfahrene Teilnehmer beginnen gleich in der Vierergruppe und wechseln danach in eine der Fortgeschrittenengruppen mit unterschiedlichem Levels.

Inzwischen sind wir in einer Phase angelangt, in der wir aktiv Werbung für unser Pilatesstudio betreiben. Wir haben dafür eine eigene Website entwickelt, haben eine Facebook Fanseite, lassen uns als Referenten für Vorträge von Krankenkassen einladen, zeigen soziales Engagement bei Non-Profit-Projekten. Auch die Physiotherapiepraxis profitiert davon, da hier ja nur beschränkt Public Relation möglich war, haben wir generell auch in diesem Bereich seit Eröffnung des Pilatesstudios mehr Zulauf.

Zur Zeit decken meine beiden Mitarbeiter und ich sowohl die Physiotherapiebehandlungen als auch die Pilateskurse zu 100 % noch selbst ab, bis zwei weitere Mitarbeiter, die zur Zeit noch in der Pilatesausbildung sind, ihren Abschluss haben - und wir so auch den nächsten Schwung, sowohl an Patienten, als auch Pilatesbegeisterten, die ungeduldig auf der Warteliste stehen, abfangen können.

Kleines Update, das ich nicht unerwähnt lassen möchte: Vor ein paar Wochen kam ein Pneumologe, also ein Lungenfacharzt, auf uns zu. Er hatte darüber gelesen, dass Joseph Pilates selbst unter Asthma litt, seine Pilatesübungen auch aus diesem Grund die Konzentration auf die spezielle Atmung (Flankenatmung) Wert legte und dies zu Verbesserung seines Gesundheitszutandes beitrug.

Pilatesübungen sind auch Atemübungen, das konnten wir ihm bestätigen. Inzwischen empfiehlt der Pneumologe seinen Patienten Pilatestraining als Teil einer Atemtherapie. In bestimmten Fällen ist zusätzlich eine Logopädin in den "Behandlerkreis" integriert. Da wir vorhaben zu diesem Thema auch eine Publikation zu schreiben, dokumentieren wir hier akribisch den Behandlungsverlauf, stimmen uns mit dem Pneumologen bezüglich Fortschritten und Korrekturen ab, so dass wir zu einem späteren Zeitpunkt eine relevante und nachvollziehbare Wissensbasis in Form einer Abhandlung in einem medizinwissenschaftlichen Magazin veröffentlichen können.

Zufriedene Patienten und treue langjährige begeisterte Kunden, mit einem langfristig hervorragenden Gesundheitszustand, eine sichere berufliche Zukunft für meine eng vertrauten Mitarbeiter und mich, Sinngebung in dem was man tut oder lässt, ein tiefes Gefühl der Zufriedenheit über den Weg den man eingeschlagen hat und der sich als richtig erwiesen hat ...


... welche schönere Belohnung kann es geben?


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