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Capoeira: Halb Kampf, halb Tanz

Fitness aus Brasilien: Mit Capoeira zur perfekten Körperbeherrschung


Wer Capoeira zum ersten Mal sieht, rätselt, mit was er es zu tun hat: „Kampf oder Tanz, Sport oder Schauspiel?“ Die Antwort liegt irgendwo in der Mitte: Capoeira ist ein athletisches Spiel mit brasilianischen Wurzeln und einer bewegten Geschichte. Aus Sicht von Fitness-Experten liegt die große Stärke der exotischen Trendsportart im Aufbau einer enormen Körperbeherrschung. Aber wie genau läuft Capoeira ab? In der Regel treffen zwei Capoeiristas in der Roda aufeinander. Die Roda ist ein Kreis aus Musikern und Zuschauern, die beide Akteure in der Mitte rhythmisch anfeuern. Immer in unmittelbarer Schlagweite zueinander vollführen sie Kicks, Ausweichbewegungen und akrobatische Einlagen – mal spielerisch, mal konfrontativ – in jedem Fall im Fluss und instinktiv aufeinander abgestimmt.



Der Schlüssel des kraftvoll-elegant anmutenden Kampftanzes liegt in einem intensiven Trainings-Workout, das auf ganzheitliche Körperschulung zielt. Im Laufe einer Trainingseinheit sind die Capoeiristas fast immer in Bewegung. Der Grundschritt, die Ginga, ist die Basis jeder Dreh-, Kick- und Ausweich-Bewegung, aus ihr gehen alle Bewegungen hervor, und in ihr münden alle Bewegungen wieder. Stehenbleiben gibt es bei der Capoeira nicht.

Neben der Ausdauer, die aus diesem ständigen Bewegungsfluss resultiert, dominieren vier Fitness-Komponenten den brasilianischen Kampftanz: eine gute Balance, Flexibilität in den Gelenken, ausreichend Schnellkraft und eine ausgeprägte Kraftausdauer.

Ein gut entwickeltes Gleichgewichtsgefühl ist für die Stabilität von Dreh-Kicks unerlässlich. Auch statische Kicks – wie beim Karate – gehen mit einer Verlagerung des Gewichts einher, sodass kontrollierte Tritte nur aus einer Mischung von Körperspannung und Balance heraus geführt werden können. Alle Kicks werden beidseitig trainiert - Ziel ist es, auch die vermeintlich schwache Körperseite auszubilden, um in der Roda flexibel agieren zu können.




Vor allem bei Tritten ist eine gute Balance gefragt. Hier könnte der Angegriffene direkt in den Gegenangriff gehen und dem tretenden Akteur das Standbein wegziehen.





















Bestandteil jeder Trainingseinheit sind intensive Dehnübungen, um möglichst große Bewegungsamplituden der Gelenke zu erreichen. Zur Steigerung der Flexibilität stehen besonders die Beine und der Rücken im Fokus - auf diese Weise werden hohe Tritte und geschmeidige Bewegungsabläufe möglich.





Die Dehnung der Rücken- und Beinpartien kann klassisch auf dem Boden oder originell in Paarübungen ausgeführt werden.







































Explosivität ist der Schlüssel, um Capoeira in allen Facetten zu spielen. Die Fähigkeit, aus der Ruhe oder aus Richtungswechseln heraus genügend Schwung für Bewegungen aufzunehmen, ist neben einer Technik- vor allem eine Kraftfrage. Nicht selten geht es darum, eine schwungvolle Bewegung ad-hoc abzubremsen oder mit dynamischer Sprungkraft zu arbeiten – vor allem akrobatische Übungen erfordern deshalb viel Schnellkraft.



Für akrobatische Übungen ist Schnellkraft und Dynamik eine Grundvoraussetzung.


Ergänzend brauchen Capoeiristas ausreichend Kraftausdauer um bodennahe Bewegungen auszuführen, bei denen oftmals die Arme einen Teil des Körpergewichts tragen.






Den Körperschwerpunkt verlagern und sich mit dem Armen halten können – das erfordert ein hohes Maß an Kraftausdauer.




















Körperliche Fitness ist Teil der Capoeira – jedoch prinzipiell nur die Voraussetzung für das „Spiel im Kopf“. So hängt ein Großteil des Erfolgs in der Roda von der Erfahrung und dem blitzschnellen Reaktionsvermögen der Spieler ab. Nicht umsonst spricht man von der „Malícia“ - der Tücke und Listigkeit das Gegenüber in Fallen zu locken, um ihm seine Schwächen aufzuzeigen.

Prinzipiell fällt Capoeira durch die extravagante Kombination von Bewegung, Kultur, Musik und Spiel aus dem Rahmen - auf Sport alleine lässt sie sich nicht reduzieren. So gehört zum Beispiel das Erlernen der typischen Instrumente, Lieder und der Historie für einen Capoeira-Spieler dazu.

Turniere oder Wettkämpfe existieren dagegen kaum, denn um Sieger und Verlierer geht es bei dem brasilianischen Kampftanz nicht. Diese Eigenheiten hängen mit der Geschichte des Kampftanzes zusammen: Er entstand während der Kolonialzeit in Brasilien. Afrikanische Sklaven entwickelten Capoeira, um der Gewalt auf den Zuckerrohrplantagen etwas entgegensetzen zu können. Da es den Sklaven nicht erlaubt war, einen Kampfsport auszuüben, tarnten sie die Capoeira als Tanz und um zu vermeiden, dass die Plantagen-Aufseher etwas ahnten, bildeten sie Kreise, die Rodas, in denen sie begleitet von Gesang und den typischen Instrumenten ihr Spiel ausübten.

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