Pilatesmagazin: Gibt es für Sie Lieblingsübungen oder welche, die Ihnen besonders schwerfallen?
Jürgen Igelspacher: Am liebsten mag ich Übungen, die den Schulterbereich entspannen und zwar einfach deshalb, weil sie punktgenau die Muskeln dort behandeln, wo ich es persönlich am nötigsten habe. Schwer fallen mir nach wie vor alle Übungen, bei denen der Unterbauch extrem gefordert wird. Das ist auch bei regelmäßigem Training schlichtweg hart für mich. Aber es lohnt sich!
Pilatesmagazin: Wie erfahren Sie die Veränderungen durch Pilates?
Jürgen Igelspacher: Die Muskulatur, bei mir vor allem im unteren Rücken- und Bauchbereich, ist viel stärker geworden. Ich bin wesentlich beweglicher als noch vor Jahren. Da ich angeleitet werde, kann ich mich nur auf die exakte Ausübung konzentrieren und mich entspannen. Das macht meinen Kopf frei. Ich spüre aber auch, dass ich durch einen deutlich weniger verkrampften Rücken und einen entspannteren Schulterbereich vor allem an langen Arbeitstagen leistungsfähiger bin. Ich bin in Sitzungen in den Abendstunden nicht mehr durch Rückenschmerzen abgelenkt und die vom Rücken ausgelösten Kopfschmerzen sind praktisch weg. Und da kann ich mich natürlich viel besser konzentrieren.
Jürgen Igelspacher: Wie alle Trainer im Sportbereich sollte er für gute Trainingsbedingungen sorgen – also ein ansprechender, genügend großer Raum, gute Luft, intakte, moderne Geräte und so weiter. Er oder sie sollte den Sinn jeder Übung optimal transparent machen, die Fehler kompetent korrigieren und motivierend unterstützen. Außerdem ist es wichtig, das unterschiedliche Leistungsvermögen und die individuellen Bedürfnisse einzukalkulieren und darauf zu achten, dass jeder Teilnehmer Spaß an der Sache hat.
Pilatesmagazin: Viele Profifußballer machen bekanntermaßen Pilates beziehungsweise Core-Training – warum ist das für Hochleistungssportler eine so wichtige Ergänzung zu ihrem normalen Training?
Jürgen Igelspacher: Ich bin natürlich kein Fußballtrainer und deshalb nur begrenzt aussagekompetent. Aber ein ausgiebiges Core-Training ist mittlerweile Standard und das nicht erst, seit Jürgen Klinsmann die Nationalmannschaft mit neuen Methoden hat trainieren lassen. Es ist offensichtlich, dass eine ausgeprägte Korsettmuskulatur den ganzen Bewegungsapparat stützt. Die richtigen Reize auf die Tiefenmuskulatur und ein ganzheitlich trainierter Körper verringern maßgeblich die Verletzungsanfälligkeit.
Pilatesmagazin: Fußball ist immer noch ein sehr männer-dominierter Sport – Pilates hingegen wird bisher vorwiegend von Frauen ausgeübt. Warum, denken Sie, trauen sich noch so wenige Männer – abgesehen eben von Profisportlern und ihren Trainern – an Pilates heran?
Jürgen Igelspacher: Ich würde aus der Frage das „sehr“ streichen und davon sprechen, dass Männer bei der Zahl der aktiven Fußballspieler deutlich überwiegen. Mittlerweile wird beim Bayerischen Fußball-Verband jede vierte neue Spielberechtigung einem Mädchen oder einer Frau erteilt. Viele Männer sind in Vereinen sportlich engagiert, häufig gehört hier ein Vergleich zwischen der jeweils erbrachten sportlichen Leistung dazu. Viele Männer mögen das: die Konkurrenz untereinander.
Pilates hingegen ist keine klassische Vereinsportart, man kann sich schlecht vergleichen. Wahr ist aber auch, dass etliche Übungen aus dem Pilates-Bereich den bekannten Bewegungsmustern aus dem Gymnastikbereich ähneln und deshalb Männern durchaus bekannt sind. Gymnastik hat aber oftmals in der Wahrnehmung von Männern lediglich eine vorbereitende Funktion für die „eigentliche Sportart“. Pilates wird von Männern also kaum als eigenständige Sportart oder Trainingsmethode gesehen.
Pilatesmagazin: Welche Unterschiede zwischen Männern und Frauen haben Sie persönlich beim Pilates-Training feststellen können?
Jürgen Igelspacher: Natürlich trainieren auch in den Stunden, in die ich gehe, wesentlich mehr Frauen als Männer. Ich bin immer wieder fasziniert davon, dass ich bei manchen Übungen einfach nicht mit den Frauen mithalten kann – vor allem bei einigen Bauchübungen oder dort, wo Beweglichkeit und Gelenkigsein eine wichtige Rolle spielen. Mir scheint fast, dass ich als Mann sowieso bei sehr wenigen Übungen einen körperlichen Vorteil habe (lacht).
Pilatesmagazin: Welchen Tipp können Sie unseren Lesern und Interessierten, vor allem den männlichen, mitgeben, die Pilates ausprobieren möchten und nicht so recht wissen, wie sie es anstellen sollen?
Jürgen Igelspacher: Für mich war der Einstieg in Pilates durch Gruppenstunden und einen qualifizierten Trainer sicher ideal. Ich lernte die richtige Ausführung der Übungen kennen und wurde auch immer wieder motiviert, nicht aufzustecken, wenn es mal hart wurde oder ich bei der einen oder anderen Übung nicht weiterkam. Ich kann jedem, egal ob Männern oder Frauen, nur empfehlen, sich ein renommiertes Studio mit qualifiziertem Personal zu suchen, um von Anfang an bestens betreut zu werden.
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