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Usain Bolt gegen Asafa Powell: Schlaks gegen Muskelprotz

Im 100-Meter-Sprintfinale der Leichtathletik-WM in Berlin treffen sich zwei Ideologien


Zu den absoluten Highlights eines jeden Leichtathletik-Events gehört eindeutig das Finale über die 100-Meter-Sprintstrecke der Herren. Die Olympiasieger oder Weltmeister dieser Disziplin werden fortan mit dem Titel „schnellster Mensch der Welt“ angekündigt. Bei einem schnellen Lauf ist die ganze Chose zwar schon nach weniger als zehn Sekunden vorbei. Aber wer je das Posen der Protagonisten vor dem Start eines Finales gesehen hat, weiß, was den Reiz dieser 100 Meter ausmacht: Hier treten acht Männer gegeneinander an, jeder für sich mit einem Ego ausgestattet, größer als jeder Wolkenkratzer New Yorks.

Linford Christie, Olympiasieger von 1992 aus Großbritannien, ging beispielsweise bei den Spielen 1996 in Atlanta mit farbigen Kontaktlinsen an den Start: Sie zeigten das Logo seines Sponsors. Wer weiß, ob sein erster Fehlstart nicht sogar inszeniert war, um sich noch öfter ins Bild zu rücken. Beim zweiten Versuch zeigte er indes Nerven – er sprang erneut zu früh aus dem Startblock und wurde disqualifiziert. Sein kanadischer Kontrahent Donovan Bailey gewann den Titel in der Weltrekordzeit von 9,84 Sekunden. Zweiter wurde damals Frank Fredericks aus Namibia. Er war vielleicht der letzte erfolgreiche Sprinter der alten Schule. Gemeinsam mit Carl Lewis, dem dominanten Sprinter der 80er Jahre, war Fredericks, dass er zwar außerordentlich durchtrainiert war, keineswegs jedoch die Statur eines Bodybuilders aufwies. So gesehen leitete vielleicht bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul der Kanadier Ben Johnson die Zeitenwende ein: Heute weiß man allerdings, dass es nicht nur Müsli und Training waren, die bei Johnson die Muskeln wachsen ließen. Weil er wegen Dopings disqualifiziert wurde, erhielt Lewis damals eine von insgesamt neun olympischen Goldmedaillen.

Schaut man sich die beiden schnellsten Männer der Welt heute an, könnte man die These aufstellen, dass die körperliche Entwicklung wieder zurückgeht - hin zur Carl-Lewis-Figur. Denn der aktuelle Olympiasieger und Weltrekordhalter aus Jamaika, der 22-Jährige Usain Bolt, ist ein 1,96 Meter-Riese und bringt dennoch nur 86 Kilogramm auf die Waage. Sein ärgster Widersacher, Asafa Powell, vier Jahre älter als Bolt und ebenfalls aus Jamaika, bringt bei 1,88 Meter satte 87 Kilogramm Wettkampfgewicht ein –von der Statur her ein echter Bulle.

Favorit ist aber eindeutig Bolt, der bereits mit 15 Jahren vor heimischem Publikum Juniorenweltmeister wurde. Bolt kam also – im Gegensatz zu einigen, später des Dopings überführten Athleten – nicht aus dem Nichts. Er steigerte seine Bestzeit stetig. Bei seinem Weltrekord bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking düpierte er die Konkurrenz: Seine Zeit von 9,69 Sekunden wäre noch wesentlich besser ausgefallen, hätte Bolt nicht schon zwanzig Meter vor der Linie die Arme zum Jubel in die Luft gerissen – und wäre er nicht fast die gesamte Strecke mit offenen Schnürsenkeln gesprintet.

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