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Der Marathon im Salzberg Stollen - Nervenkitzel 700 Meter unter der Erde

Das Licht am Ende des Tunnels sehen ist das Ziel aller Stollenläufer


Düster ist es dort unten. Im Brügman-Schacht von Sondershausen bei Erfurt spenden nur wenige Lampen Licht. Die Luft ist durch das Salz und den an manchen Stellen geringen Luftaustausch trocken und heiß. Bis zu 27 C° kann es dort unten werden, und das bei Minusgraden über Tage an diesem 6. Dezember 2008. Hier läuft nichts wie gewohnt, im wahrsten Sinne des Wortes.

„Anfänger haben bei unserem Marathon nichts zu suchen“, erklärt Olaf Kleinsteuber. Der Erfurter organisiert den Lauf seit sieben Jahren gemeinsam mit unzähligen Freiwilligen aus seinem Verein SC Impuls Erfurt und vom SV Glückauf Sondershausen. Nur gut durchtrainierte und erfahrene Läufer sollten sich der Herausforderung stellen. „Unter Tage herrschen extreme Bedingungen. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei 30 Prozent. Das ist nur die Hälfte von dem, was über der Erde an Luftverhältnissen herrscht. Dadurch wird dem Körper mehr Wasser entzogen, die Läufer müssen stärker schwitzen. Man sollte seinen Körper schon sehr gut kennen, wenn man bei diesem Marathon mitmachen möchte“, warnt Kleinsteuber abenteuerlustige Hobbyläufer.

Doch es ist weniger der Nervenkitzel, der die Teilnehmer in den Untergrund treibt, sondern die besondere Atmosphäre. Es ist wie eine Entdeckungstour im Laufschritt. Einige haben Stirnlampen umgebunden, den Lichtkegel mal über die Stollendecke schweifend, mal an der unebenen Wand entlang, oder einfach nur in die Dunkelheit hinein. Der salzige Boden ist an manchen Stellen durch die Fuhrwagen glatt poliert. Und dann dieses ständige Auf und Ab. „Das ist wie eine Berg- und Talfahrt. 310 Höhenmeter müssen die Läufer bewältigen. Es gibt kurze, bissige Steigungen von bis zu 20 Prozent, aber auch beschwerliche Anstiege bis zu ein Kilometer lang“, erklärt Kleinsteuber.

Für die besondere Herausforderung hat der Erfurter besondere Maßnahmen getroffen. Wie für die Kumpel unter Tage herrscht auch für die 500 Läufer Helmpflicht. Und gegen die Dehydratisierung gibt es auf dem 10,5 Kilometer langen Rundkurs alle 2,5 Kilometer Wasser- und Obststationen. Bei normalen Marathonläufen ist dies nur alle 5 Kilometer der Fall. Hinzu kommen vier Ärzte, die den Lauf betreuen, zwei von ihnen patrouillieren permanent auf Mountainbikes entlang der Strecke. Insgesamt müssen die Läufer den Rundkurs viermal bewältigen, um die für einen Marathon festgelegte Länge von 42,195 Kilometer zu bezwingen.

Doch trotz der besonderen Verhältnisse sei der Lauf nicht gefährlicher als ein ganz normaler Marathon, so der Erfurter Organisator. Den Streckenrekord von 3:09 Stunden hält sogar ein Mann mit Herzschrittmacher. Kleinsteuber ist mit 56 Jahren selbst passionierter Läufer. „Wer an einem Marathon teilnehmen möchte, egal ob über oder unter Tage, sollte mindestens zwei Jahre Lauferfahrung haben. Es gibt dann drei Prinzipien, auf die man achten sollte, um in Form zu kommen: Ausdauer, Tempo und Abwechslung. Gymnastik, Schwimmen, all das hilft auch der Läuferfitness, ebenso regelmäßige Saunabesuche und Dehnübungen. Das Laufpensum sollte nach und nach auf insgesamt 40 Kilometer pro Woche gesteigert werden, aufgeteilt auf mindestens drei Tage in der Woche.“ Auch gehörten regelmäßige medizinische Kontrollen dazu, so Kleinsteuber.

Wer sich den Herausforderungen des nächsten Stollenlaufs stellen möchte, der sollte also spätestens jetzt anfangen zu trainieren. Denn der Termin für den „Marathon unter Tage 2009“ steht bereits fest. Am 5. Dezember 2009 heißt es wieder im Untergrund von Sondershausen: Auf die Plätze, fertig, los! Wer bis dahin nicht warten möchte, der sollte den 21 Kilometer langen Kristall-Lauf im November im selben Bergwerk nicht verpassen. und sich den 14. Februar im Kalender rot ankreuzen. Dann kommen allerdings die Mountainbikefans auf ihre Kosten, bei vierstündigen “Bikertour zum Mittelpunkt der Erde“.

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