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Nordic Walking: Mythos Gelenkentlastung?

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Trends zum Nordic-Walking


„Das geht vorbei“, dachten vielleicht einige, besonders die von den „Menschen mit Stecken“ genervten Jogger, als sie vor zirka zehn Jahren die ersten Nordic-Walker durch Wald und über Wiesen stampfen sahen. Noch heute ist im Zusammenhang mit Nordic-Walking oft von einer Trendsportart die Rede, doch: Nordic-Walking ist längst kein Trend mehr. Nordic-Walking ist in der Welt der Fitness etabliert, mit eigenen Verbänden und Herstellern, die Millionen Euro umsetzen. Fitness.com informiert Sie über die neuesten Entwicklungen des Nordic-Walkings und zeigt, dass die Sportart nun auch Einzug in die Wissenschaft hält.

Aqua-Nordic-Walking
Es gibt Aqua-Jogging oder Aqua-Gymnastik. Warum soll es nicht auch Aqua-Nordic-Walking geben? So dachte Michael Epp, Nordic-Walking-Trainer aus Altshausen. Seine Erfindung ist so genial wie einfach: Aqua-Nordic-Walking ist im Grunde wie Nordic-Walking, nur dass man im Wasser statt zu Land trainiert, mit Bodenkontakt im etwa 1,35 Meter tiefen Becken. Die Stockbewegungen werden nur simuliert: Eine gelenkschonende Methode, bei der Wirbelsäule, Hüfte, Knie und Fußgelenke entlastet werden. Trainiert werden neben Arm-, Bein- und Gesäß- auch Bauch und Rückenmuskulatur. Epp entwickelte in Zusammenarbeit mit einer Herstellerfirma auch extra Aqua-Nordic-Walking-Stöcke.

Nordic-Trekking
Ein zweiter Trend des Nordic-Walkings nennt sich Nordic-Trekking. Es bezeichnet das Nordic-Walking über eine längere Distanz. Tempomäßig wird beim Trekking gegenüber den eher gemütlichen Nordic-Walkern etwas angezogen, trainiert wird mit Pulsuhr. Wichtig beim Nordic-Trekking ist jedoch das Naturerlebnis, geeignet für Nordic-Walker, die die Abenteuerlust packt. Als Touren wählt man nämlich eine pittoreske Umgebung – als Tagestour oder sogar als Tour über mehrere Tage. So verbindet Nordic-Trekking das sportliche mit dem touristischen Erlebnis.

Wissenschaft
Es gibt mehrere Nordic-Walking-Verbände. Und jeder Verband hält unterschiedliche Tipps parat, wie die Technik beim Nordic-Walking zu sein hat – jeder Verband hält logischerweise seine verbreitete Technik für die einzig richtige. Das ist auch dem Sportwissenschaftler Dr. Ronald Bruger von der Johannes Gutenburg-Universität Mainz aufgefallen. Um etwas Ordnung in die Kakophonie der Technik-Vorgaben zu bringen, formulierte er 13 Grundmerkmale.

1. Die Fortbewegung entspricht der des Gehens.
2. Aus dem natürlichen Gangbild des Menschen heraus erfolgt der Stockeinsatz in der Kreuzkoordination.
3. Der Stock muss funktional eingesetzt werden.
4. Funktional aufgerichteter Oberkörper.
5. Bewegungsspielraum von Oberkörper und Armen inklusive Stock ausnutzen.
6. Kein zu steiler Stockaufsatz.
7. Flache Schubphase.
8. Über die öffnende Hand Druck auf die Schlaufe bringen.
9. Die Schrittlänge sollte an Körperhöhe, Bein- und Stocklänge angepasst sein.
10. Wenn der Stock vor dem Körperschwerpunkt aufgesetzt wird, dann muss dies kontrolliert und geführt geschehen.
11. Hinter dem Körperschwerpunkt über den Stock funktional Kraft aufbringen.
12. Mit minimaler Rotation Stock nach hinten führen.
13. Letzten Schub über die Schlaufen geben.

Mythos Gelenkentlastung
Aus der Sportwissenschaft werden indes auch erste kritische Stimmen laut. So wollen fünf Junge Sportwissenschaftler in einer Feldstudie nachgewiesen haben, dass die Gelenkentlastung, die der Vorteil des Nordic-Walkings gegenüber dem Walken oder Joggen sein soll, ein Mythos ist. Die Wissenschaftler nahmen Probanden, die unterschiedliche Streckenprofile mit und ohne Stöcke laufen sollten und maßen den Druck, der auf die Gelenke wirkte. Dabei stellen sie fest, dass es weder in der Fußaufsatz- noch in der Fußabdruckphase zu einer Verringerung der Bodenreaktionskräfte bei Nordic-Walkern im Vergleich zu Walkern komme. Im Gegenteil: Die Belastung sei sogar bei Nordic-Walkern etwas höher, was die Wissenschaftler mit dem höheren Tempo erklärten. Das Fazit der Studie: „Die Daten zeigen eindeutig, dass die verbreitete Meinung einer Gelenkentlastung durch Nordic-Walking von 30-50 Prozent als unhaltbar zurückzuweisen ist.“ Aber wie es in der Wissenschaft nun mal so ist: Wahrscheinlich dauert es nicht lange, bis die nächste Studie auftaucht, die das Gegenteil beweist...

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