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Sport, der bei Olympia fehlt: Darts

Darts-Spielen bringt Fitness, leider noch keine Goldmedaillen…


Phil Taylor (Foto: British Darts Organisation): Einer der typischen Darts-Spieler der neuen Generation: der aktuelle BDO Lakeside World Chambion Mark Webster aus Wales achtet auf seine Fitness

Nein, der alleranstrengste Sport von allen sei Darts nicht, das muss auch David Allen von der „Professional Darts Corporation“ (PDC) zugeben. „Aber die Spieler müssen über drei Stunden hochkonzentriert und angespannt bleiben“, betont Allen, „das geht ohne Fitness nicht“. Darts, das pfiffige Spiel mit den kleinen Pfeilen, das jeder aus der nächsten Eckkneipe kennt, gehört in manchen Ländern zu den populärsten Sportarten – etwa in Großbritannien, wo fast acht Millionen Menschen auf die Zielscheibe mit den 21 Segmenten zielen und über 12.000 Sportler bei der „British Darts Organisation“ gemeldet sind.

„Weltklassespieler wie Phil Taylor trainieren jeden bis zu vier Stunden jeden Tag an der Scheibe und absolvieren danach noch ein umfassendes Fitness Programm – mit Fahrradfahren, Crosstraining und Gewichte Training“, berichtet Allen. Und auch das mentale Training darf bei der Präzisionssportart, bei der – etwa im Double- oder Triple-Ring – Flächen angepeilt werden, die gerade mal acht Millimeter hoch sind, nicht zu kurz kommen. Raymond van Barneveld, besser bekannt unter seinem Kampfnamen „Barney“, bereitete sich auf unvermutete Weise auf die Weltmeisterschaften im vergangenen Jahr vor: Er meditierte regelmäßig mit einem Zenmaster. Mit Erfolg: der Niederländer gewann mit 7 zu 6 gegen Phil „The Power“ Taylor, in einem Endspiel, das als eines der besten Matches der Darts-Geschichte gilt.

Knallhartes Training für Kondition
Darts, wenn man es richtig macht, ist alles andere als ein Glücksspiel. Spitzenspieler brauchen beim Zielen auf die Scheibe eine ruhige Hand und einen kräftigen Ellenbogen, und nur wer gut trainiert ist, kann den Pfeil mit so einem effektiven Drall nach vorne schicken, dass er – wie bei guten Spielern üblich – mit 64 Stundenkilometern auf die Scheibe trifft. Und auch wenn es nur eine winzige Bewegung im Arm ist: wenn man – wie Statistiken zeigen - 1.903 Mal in einer Weltmeisterschaftswoche dieselbe Bewegung ausführt, wird das auf jeden Fall anstrengend und zu einer Frage der körperlichen Fitness. „Da wird eine Menge Milchsäure im Wurfarm angesammelt“, erklärt Robert Holmes von der „British Darts Organisation“.

Nur wer eine starke Rückenmuskulatur hat, kann über mehrere Stunden stabil aufrecht stehen und gut zielen. „Für einen idealen Wurf muss ein Darts-Spieler perfekt ausbalanciert sein“, erklärt Dr. Peter Gregory, Direktor der sportmedizinischen Abteilung der Universität Nottingham. Denn alle Muskeln, auch jene weit weg vom angespannten Wurfarm, müssen entgegen der Tendenz zur Trägheit immer unter Kontrolle bleiben.

Beinharte Herausforderung für die Agilität
Auch wenn manche Topspieler eher so aussehen, als hätten sie schon lange keinen Sport mehr gemacht: Fitness Training gehört auch für Bierbäuche dazu. Alleine schon, weil Spiele vor Tausenden von Zuschauern und etlichen Fernsehkameras stattfinden. Denn die gleißend-helle Ausleuchtung mit Scheinwerfern sorgt für eine enorme Wärme. „Aerobes Fitness Training hilft, um mit dieser enormen Belastung klar zu kommen“, erklärt der Sportmediziner.

Auch wenn man Darts natürlich nicht mit einem Ausdauersport vergleichen kann, auf den wenigen Meter zwischen Standort und Scheibe wird viel gelaufen: bei fast 2000 Würfen pro Woche. Die Untersuchung mit einem Schrittzähler bei einem internationalen Turnier ergab, dass jeder Spieler bei einem einzelnen Match durchschnittlich 3.700 Schritte zurücklegt. Das ist deutlich mehr als Hälfte der Strecke, die ein Otto Normalverbraucher am ganzen Tag läuft.

Um sich bei den immer gleichen Wurfbewegungen vor Verletzungen zu schützen, muss auch der Muskelapparat gut trainiert sein. „Die Profispieler trainieren speziell die Arme und Handgelenke, aber auch die Beine und den unteren Rücken, um für lange Spiele gewappnet zu sein“, erklärt auch Robert Holmes von der „British Darts Organisation“.

Wer also nicht mit Weizenbier und Zigarette an der Kneipen-Dartscheibe steht, tut sogar seiner Fitness etwas Gutes – zumindest ein bisschen. Und erst der Effekt für die grauen Zellen! Denn wenn man nicht am Automaten spielt, muss man genau rechnen, mit welcher Kombination man die 501 Punkte wegspielen kann, um so als Sieger vom Platz zu gehen. So bleibt das Gehirn in Bewegung – genauso wie die schnellen Hüften und die kraftstrotzenden Arme.

Die Verbindung von Körper und Geist – alleine das wäre doch schon Grund genug Darts als bei den olympischen Spielen in China zu zulassen.


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